Mobiles Arbeiten: Die Rahmenbedingungen müssen passen

von in Arbeitsleben, HR am Dienstag, 25. November 2014 um 11:09

Von Home Office bis zum Satellitenbüro – mobiles Arbeiten ist gefragt und Arbeitgeber tun gut daran, sich auf diesen Trend einzustellen. Mit Voraussetzungen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Telearbeit beschäftigen sich auch die Autoren des neuen Buchs „Familienfreundlichkeit im Betrieb“.

Abschied vom fixen Arbeitsplatz

Mobiles Arbeiten und Home Office liegen bei Arbeitnehmern im Trend. Ob ein Arbeitgeber Telearbeit ermöglicht, hängt stark von der Unternehmenskultur ab. Österreichs Personalverantwortliche zeigen sich dem Thema Telearbeit gegenüber noch überwiegend skeptisch: Lassen sich Arbeitnehmer aus der Ferne führen und arbeiten sie zu Hause wirklich so fleissig, wie sie sollten? Es muss aber nicht gleich das Home Office sein: Telearbeit hat viele Gesichter – vom Arbeiten an dezentralen Bürostandorten bis hin zur völligen Freiheit bezüglich des eigenen Arbeitsortes. Diese Freiheit gewährt Microsoft Deutschland seit September seinen Mitarbeitern. Mit der „Gesamtbetriebsvereinbarung zum Arbeitsort” kann jeder Mitarbeiter frei entscheiden, an welchem Ort er arbeiten möchte: In der Firma, im Kaffeehaus, zu Hause oder in der Bibliothek. Für die Anwesenheit bei Teammeetings oder Mitarbeitergespräche gibt es aber verbindliche Richtlinien.

Mobiles Arbeiten erfordert neue Führungsstile

TeamarbeitOb es gefällt oder nicht: Wer gute Arbeitnehmer halten und gewinnen möchte, muss sich mit flexiblen Lösungen auseinandersetzen. „In vielen Unternehmen hält die Telearbeit schleichend Einzug – einfach weil sie technisch z.B. mit mobilen Endgeräten möglich ist. Die wenigsten aber setzen sich strukturiert damit auseinander, wie sie Telearbeit sinnvoll nützen und damit sogar Ressourcen sparen können. Oft wird als Argument genannt, dass ‚bei unseren Jobs Telearbeit gar nicht geht‘, aber wir haben sogar Kunden, die Telearbeit für Call Center Agents erfolgreich nutzen. Was vor allem zur Kontroverse führt, ist, dass Führungskräfte, die Telearbeit zulassen, anders führen müssen und damit zurecht kommen müssen, dass sie Mitarbeiter nicht mehr physisch bei sich haben. Das schaffen viele nur schwer“, sagt Peter Reiter, einer der Autoren von „Familienfreundlichkeit im Betrieb“.

Telearbeit ist nicht gleich Telearbeit

Wer seinen Arbeitnehmern mobiles Arbeiten ermöglichen möchte, muss nicht gleich zum Home Office Ja sagen. Ortsunabhängiges Arbeiten kennt verschiedene Ausprägungen:

  • Satellitenbüro
    Es muss nicht immer das Headquarter sein: Satellitenbüros sind dezentrale Bürostandorte, die von Mitarbeitern flexibel genutzt werden können.
  • Mobiles Arbeiten
    Gearbeitet wird an verschiedenen Standorten, das muss nicht unbedingt das eigene Zuhause sein. Außendienstmitarbeiter oder Arbeitnehmer, die viel unterwegs sind, arbeiten dann im Zug oder vor bzw. nach Terminen an geeigneten Orten.
  • Alternierende Telearbeit
    Teilweise wird am Unternehmensstandort gearbeitet, manchmal auch Zuhause oder von einem anderen Ort. Arbeitgeber und Mitarbeiter vereinbaren entweder fixe Wochentage für die Arbeit an einem Standort oder ein wöchtentliches/monatliches Stundenkontingent für mobiles Arbeiten.
  • Home Office
    Wunsch vieler Arbeitnehmer, Schreckgespenst für Führungskräfte, die gerne die Kontrolle behalten: Das eigene Zuhause ist der einzige oder zumindest ein weiterer Arbeitsort.

Mobiles Arbeiten erfolgreich einführen

Mit der Bereitstellung eines Laptops ist es noch nicht getan. Wer seinen Mitarbeitern mobiles Arbeiten ermöglichen möchte, muss sich an die systematische Umsetzung machen. „Wichtig ist , dass Telearbeit vor allem ein kulturelles Thema ist und kein technisches. Daher sollten sich Arbeitgeber vor allem damit auseinander setzen, wie sie eine ‚telearbeitsfreundliche‘ Kultur etablieren und welche Regeln der Zusammenarbeit gelten, wenn Mitarbeiter telearbeiten. Das gehört strukturiert durchdacht“, rät Reiter.

Ziele und Rahmenvereinbarungen müssen passen

TeamarbeitDie Setzung eines klaren Zieles inklusive Business Case ist dafür unbedingt erforderlich, einige Beispiele finden sich dazu im Buch. Z.B.: Unterstützung von Arbeitnehmern mit Betreuungspflichten als Zielsetzung, Steigerung der Produktivität und Motivation als Business Case. Ohne Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter geht natürlich nichts. Telearbeit kann nur funktionieren, wenn Arbeitnehmer verantwortungsvoll mit den eigenen Ressourcen und ihrer Flexiblität umgehen. Führungskräfte müssen dafür Arbeitnehmern das nötige Vertrauen entgegenbringen und ergebnisorientiert führen.
Für die gelungene Einführung von Telearbeit müssen darüber hinaus auch noch die Rahmenbedingungen abgesteckt werden: Wann finden Meetings statt, wie wird die Kommunikation geregelt, so dass auch jene, die nicht täglich ins Büro kommen, informiert werden? Wann und wie sind die Telearbeiter erreichbar? Welche Infrastruktur wird benötigt?

Rechtliche Rahmenbedingungen

In Österreich ist Telearbeit noch nicht gesondert geregelt. Wer Telearbeit einführen möchte, muss aber prüfen, ob der anwendbare Kollektivvertrag Regelungen vorsieht. Für Telearbeiter gelten die selben Rechte und Pflichten wie für Arbeitnehmer, die am Betriebsstandort arbeiten. Wird mobiles Arbeiten im Unternehmen eingeführt, sollten die Rahmenbedingungen schriftlich in einer Vereinbarung festgehalten werden, z.B. als Einzelvereinbarung, Ergänzung zum Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung.

Bildnachweis: Eugenio Marongiu / Shutterstock; Konstantin Chagin / Shutterstock; Dooder / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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