Schlag in die Seele – Mobbing gleicht Körperverletzung!

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht, HR am Mittwoch, 28. September 2011 um 13:16

Verleumdung, Belästigung, Ausgrenzung: Mobbing verursacht den Opfern seelische Schmerzen, oft sogar irreparablen Schaden. Im Extremfall können Mobbing-Attacken auch zu physischen Schäden führen. Mobbing ist mit Köperverletzung gleichzusetzen! Zu diesem Urteil kam im Sommer der Oberste Gerichtshof (OGH) im Fall eines Mobbing-Opfers aus Kärnten. Zum ersten Mal wurde in zweiter Instanz ein Arbeitgeber zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt. Ein Durchbruch im Kampf gegen Mobbing am Arbeitsplatz?

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„Geradezu ein Lehrbuchbeispiel für Mobbing“, urteilte der OGH. Die 51-jährige Kärntnerin hatte über Monate die Schikanen, Verleumdungen und Bedrohungen ihres Chefs über sich ergehen lassen müssen. Die erste Instanz am Grazer Landesgericht sprach ihr schon Recht zu und verwies auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.900 Euro. Nun bekräftigte auch der OGH das Urteil: Der Arbeitgeber habe nicht nur seine Fürsorgepflicht verletzt, sein Verhalten komme einer „Nötigung im strafrechtlichen Sinne sehr nahe“.

Mobbing ist Körperverletzung

„Dass durch Mobbing verursachte seelische Schmerzen nun erstmals als Körperverletzung anerkannt werden, soll Betroffene ermutigen, auch gegen Psycho-Attacken am Arbeitsplatz rechtlich vorzugehen“, betont AK-Juristin Michaela Eigner per Presseaussendung. Das Urteil des OGH sei ein wichtiger Fortschritt für zukünftige Anklagen, weil Mobbing demnach nicht mehr als „Kavaliersdelikt“ angesehen, sondern auch juristisch ernst genommen und geahndet werde.

karriere.at hat in einem früheren Mobbing-Artikel mit Klinisch- und Gesundheitspsychologin Christa Schirl-Russegger über die Arten des Mobbings und die damit verbundenen Folgen für Mobbing-Opfer gesprochen. Schirl-Russegger: „Länger überdauernde Mobbing-Attacken können schwere Folgen auslösen: Konzentrationsprobleme, sinkende Arbeitslust bis hin zu Schlafstörungen, psychosomatischen Beschwerden, Kopfschmerzen, Tinnitus, Burnout, Angstzustände und Depressionen.“ Wir alle kennen Mobbing am Arbeitsplatz. Ob es nur als Gerücht angefangen hat oder sich durch ständige Kritik an der Arbeitsleistung bemerkbar macht, Mobbing schmerzt emotional.

Das Mobbing-Tagebuch

Mobbing im Kollegenkreis sollte von den Führungskräften früh erkannt und im Keim erstickt werden. Wenn aber der Chef die treibende Kraft bei der Mobbing-Attacke ist, verliert man schnell den Glauben an die eigene Arbeit. Wenn auch Sie sich von Ihren Kollegen oder Ihrem Vorgesetzten gemobbt fühlen, sollten Sie zunächst beginnen, ein Mobbing-Tagebuch zu führen, rät die Arbeiterkammer. Halten Sie die Übergriffe schriftlich fest. So kann später auch objektiv entschieden werden, was bei diesem Zwischenfall geschehen ist. Eine Anleitung und Tipps zum Führen des Mobbing Tagebuchs finden Sie auf der Website der Arbeiterkammer. Dort finden Sie auch ein Formular zum Mobbing-Check.

Schwimmen Sie gegen den Strudel

Leider bleibt es bei Mobbing Attacken nicht nur bei einer Person. Ist erst einmal ein Opfer gefunden, entsteht eine Dynamik unter den Kollegen, das besagte Opfer noch mehr zu quälen. Halten Sie sich daher immer an die Devise: Sauber bleiben! Wenn Sie bemerken, dass ein Kollege gemobbt wird, sollten Sie versuchen gegen den Strudel zu schwimmen und dem Kollegen lieber Ihre Unterstützung anbieten. Sie bieten Ihrem Kollegen nicht nur eine seelische Unterstützung, sondern setzen auch ein Zeichen nach außen gegen Mobbing. Sollten die Attacken trotzdem weiter gehen, verweisen Sie Ihren Kollegen an die zuständigen Behörden. Anlaufstellen für Mobbing-Opfer finden Sie in unserer Linksammlung:

Arbeiterkammer Arbeitsrecht
Infos AK Mobbing
Österreichischer Gewerkschaftsbund
Beratung und Hilfe des Bundesamtes

Redaktion

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