Schwierige Zeiten: Wie viel Mitgefühl gibt’s für Kollegen?

von in Arbeitsleben am Montag, 18. Januar 2016 um 11:40

Alle Höhen und Tiefen des Lebens prägen uns, sie beeinflussen aber auch, mit welcher Sicht wir die Probleme unserer Mitmenschen sehen. Wer eine Hürde selbst erfolgreich überwunden hat, nimmt Studien zufolge weniger Anteil, wenn Mitmenschen mit dem gleichen Problem kämpfen.

Dein Problem war einmal mein Problem

Im Job läuft es für Maria nach ihrer Trennung nicht besonders gut. Sie kann sich schwer konzentrieren, macht Fehler und würde sich freuen, wenn ihre Kollegen ihr etwas Arbeit abnehmen würden. Ein Kollege im Team hat seine Trennung bereits hinter sich und ist wieder in einer Beziehung, ihre Schreibtischnachbarin hatte mit solchen Problemen noch nie zu kämpfen. Kann sie von beiden auf gleich viel Verständnis für ihre Situation hoffen? Eine Studie, über die Forschung erleben berichtet, meint zu wissen, von welchem Kollegen sich Maria am ehesten Verständnis erhoffen kann.

Forschungen haben bereits gezeigt, dass Personen, die ein Problem bereits selbst einmal erlebt haben, mehr Mitgefühl gegenüber jenen zeigen, die sich in einer vergleichbaren Lage befinden. Aber was, wenn die betroffene Person ihre Schwierigkeiten nicht bewältigen kann? Ein Forscherteam vermutet, dass sie für ihr Versagen schlechter bewertet wird – von jenen Personen, die das Problem in der Vergangenheit bereits in den Griff bekommen haben.

Warum schaffen es die anderen nicht?

Menschen scheint es schwer zu fallen, sich in einen vergangenen, emotionalen Gefühlszustand zurückzuversetzen. Wir erinnern uns zwar an unseren Erfolg („Ich habe es geschafft!“) aber nicht daran, wie schwierig es war, dorthin zu gelangen. Scheitert jemand anderer an der Situation, stellt man sich die Frage: Warum packt er/sie das nicht auch?

Im Rahmen mehrerer Studien wurde diese Annahme untersucht: Teilnehmer wurden in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe absolvierte ermüdende Gedächtnistests, bei denen sie sich verschiedene Zahlenfolgen merken mussten. Eine Woche später mussten sie jemanden bewerten, der am gleichen Test angeblich gescheitert war. Der „Versager“ wurde auch von Personen bewertet, die den Test nicht absolviert hatten. Die Ergebnisse der Untersuchung: Frühere Testteilnehmer bewerten die vermeintlich gescheiterte Person deutlich schlechter als jene Probanden, die nicht am Test teilgenommen hatten.

Hält man sich an diese Testergebnisse, wäre Maria gut beraten, sich an jene Kollegin zu wenden, die mit Trennungsproblemen bisher nicht zu kämpfen hatte. Offen bleibt nach den Untersuchungen der Forscher aber noch, wie das Ergebnis ausfallen würde, wenn die betreffenden Personen gut miteinander befreundet wären. Wie vergleichbar müssen die Probleme sein, damit dieser Effekt auftritt?

Bildnachweis: wk1003mike/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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