Hat die Mitarbeiterzeitung ausgedient?

von in Arbeitsleben, HR am Montag, 8. Juni 2015 um 10:33

Die Mitarbeiterzeitung ist wohl das klassische Zugpferd der internen Kommunikation. Je größer das Unternehmen, desto größer ist auch die Herausforderung, alle Arbeitnehmer über Neuerungen und Interessantes zu informieren – eine Aufgabe, die ein Magazin erfüllen kann. Aber hat die Mitarbeiterzeitung angesichts digitaler Formate wie Social Media und Intranet überhaupt noch eine Zukunft?

Wie sieht moderne interne Kommunikation aus und welchen Stellenwert hat die Mitarbeiterzeitung dabei? Diese und andere Fragen rund um die Zukunft der Mitarbeiterzeitschriften hat eine Studie unter 172 Unternehmensvertretern untersucht. Eines vorweg: Ohne Magazin für Arbeitnehmer wird es auch in Zukunft nicht gehen, Publikationen müssen sich modernen Anforderungen aber anpassen.

Mitarbeiterzeitung bleibt beliebter Infokanal

Ein Blick auf die Top 10 der Instrumente für interne Kommunikation offenbart: Die Mitarbeiterzeitung zählt zu den beliebtesten Kommunikationstools im Unternehmen und erreicht eine Relevanz, mit der das Schwarze Brett oder Infonewsletter nicht mithalten können. Besonders wichtig ist die Zeitung jenen Arbeitnehmern, die auf ihrem Arbeitsplatz keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zu ihren E-Mails oder dem Intranet haben.

Interne Kommunikation

Die Studie belegt, dass Unternehmen ständig an der Entwicklung ihrer internen Kommunikationskanäle arbeiten. Rund zwei Drittel der Befragten planen inhaltliche oder grafische Veränderungen. Geht es um die Zukunft der Zeitung, ist Integration das Schlüsselwort: Arbeitgeber planen den Ausbau ihrer Infrastruktur Richtung Social Intranet. Rund die Hälfte möchte den Einsatz von Social Software mit der Mitarbeiterzeitung verknüpfen.

Kommunikationsabteilung hat die Themenhoheit

Das Mitarbeitermagazin von morgen ist kein statisches Produkt mehr. Lebendig, dynamisch und interaktiv muss es sein, denn Unternehmenskultur wird erst im Austausch lebendig. Arbeitnehmer in den Entstehungsprozess der Zeitung miteinzubinden liegt also nahe, geht an der Realität aber vorbei. Laut Studie sagen 84 Prozent: „Mitarbeiter sollen Themen und Format der Zeitung mitbestimmen“, andererseits entscheiden nach wie vor Kommunikationsverantwortliche darüber, welche Themen aufgenommen werden: 89 Prozent der befragten Arbeitgeber handhaben das auf diese Weise.

Mitarbeiterzeitung_Tablet

Interaktion ist wenig reizvoll. Außer, es gibt etwas zu gewinnen.

Möglichkeiten der Interaktion zwischen Arbeitnehmern und Redaktion bzw. dem Unternehmen als Herausgeber bleiben derzeit noch fast ungenutzt. Die Studie zeigt die eher geringe Akzeptanz von Responsemöglichkeiten: Einzig Gewinnspiele stehen bei den Lesern hoch im Kurs, egal ob online oder Print. Gesunken ist die Bedeutung von Umfragen.

  • Medienerstellung: Wer macht mit?
    An der Unternehmenskultur sollen alle teilhaben: Jeder ist eingeladen, sie aktiv zu gestalten. Beim Thema Mitarbeiterzeitung steht Mitspracherecht aller Arbeitnehmer aber noch nicht an der Tagesordnung. Einige wenige gestalten die Inhalte, viel mehr würden sich gerne mit Themen einbringen.

Print, PDF oder App?

Neun von zehn Unternehmen investieren in eine Mitarbeiterzeitung, genauso viele erstellen diese häufiger als zwei Mal im Jahr. Die Zeitung wird auf verschiedenen Wegen angeboten: 88 Prozent publizieren ihre Zeitung als Printversion mit 12 bis 28 Seiten, die jährlichen Kosten dafür liegen in zwei Dritteln der Fälle unter 50.000 Euro. 60,2 Prozent der Arbeitgeber bieten die Zeitung als statisches PDF, rund 25 Prozent als dynamisches PDF an. Eine Web-App zum Abruf der Zeitung gibt es in rund fünf Prozent der Unternehmen.

  • Was die Zukunft der Formate betrifft, haben Unternehmen eine klare Vorstellung: Eine App für das Mitarbeitermagazin liegt auf erster Stelle, danach folgen Intranet, Print und ganz am Schluss: Die Zeitung als PDF.

Zur Studie

Die Studie „Die Zukunft der Mitarbeiterzeitung“ wurde von SCM – School for Communication and Management und Kuhn, Kammann & Kuhn durchgeführt. Teilgenommen haben 172 Unternehmensvertreter im Zeitraum vom 26. Januar bis 16. Februar 2015.

Bildnachweis: gpointstudio / Shutterstock; Eugenio Marongiu / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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