Motivation im Job lässt sich nicht von ganz oben verordnen – auf den direkten Vorgesetzten kommt es an

von in HR am Dienstag, 4. Januar 2011 um 13:32

Nur elf Prozent der Arbeitnehmer werfen sich mit vollem Einsatz für ihre Firma ins Zeug, zwei Drittel machen „Dienst nach Vorschrift“ und 23 Prozent haben innerlich schon gekündigt. Erschreckende Zahlen, die der aktuelle Gallup Engagement Index liefert. Ein Mitgrund dafür: Dass Beschäftigte hauptsächlich durch das mittlere und untere Management motiviert werden, wird viel zu oft übersehen.

Nur jeder neunte Arbeitnehmer (11 Prozent) bringt sich in Deutschland aus freien Stücken in sein Unternehmen ein und treibt sich selbst tagtäglich an, Spitzenleistungen zu erbringen. Mehr als doppelt so viele Arbeitnehmer in unserem Nachbarland (23 Prozent) gaben in der Studie an, emotional gar nicht an ihren Job gebunden zu sein. Und die große Masse (66 Prozent) sieht sich „gering ans Unternehmen gebunden“.
Natürlich, gelegentliche Leistungstiefs kennt jeder Arbeitnehmer. Wenn Arbeiten jedoch zum langweiligen Akt oder gar zur Qual wird, ist nicht nur für den Betroffenen selbst Feuer am Dach. „Die Folge ist ein Verhalten, das zu Lasten der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitgebers geht“, weiß Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup Deutschland. Den in unserem Nachbarland durch resignierte Mitarbeiter verursachten volkswirtschaftlichen Schaden schätzt Gallup auf eine Summe zwischen 92,3 und 121,5 Milliarden Euro.

Der direkte Chef entscheidet über Mitarbeitermotivation

Einen der Hauptgründe für diese mangelnde Motivation sieht Gallup-Experte Nink hauptsächlich in Fehlern in der Mitarbeiterführung: „Die geringe Bindung der Berschäftigen lässt sich fast immer auf den direkten Chef zurückführen. Mitarbeiter mit geringer oder ohne emotionale Bindung werden hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und Erwartungen von ihren Vorgesetzten teilweise oder sogar völlig ignoriert.“
Beispiele aus der Studie belegen dies: Nur sechs Prozent der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung gaben an, in den vergangenen sieben Tagen Anerkennung und Lob für ihre Arbeit bekommen zu haben. Bei ihren hochmotivierten Kollegen lag dieser Wert um das zehnfache höher: 63 Prozent. Nur fünf Prozent der innerlich gekündigten bekommen Leistungsfeedback, stark gebundene in sieben von zehn Fällen.
Und: Keiner der emotional nicht gebundenen Mitarbeiter glaubt, seine Meinung im Unternehmen hätte Gewicht. Dem steht bei den stark gebundenen ein Wert von 73 Prozent gegenüber.

Als folgerichtig erscheinen daher auch die Ergebnisse einer Studie der HR-Managementberatung Hay Group. Aus der Studie geht hervor, wie wichtig unmittelbare Vorgesetzte für die Motivation einzelner Mitarbeiter sind. So gaben beispielsweise 40 Prozent der befragten 300 Top-Manager und CEOs an, dass sie selbst für die Motivation ihrer Untergebenen verantwortlich sind. Nur neun Prozent der Angehörigen des unteren und mittleren Managements (3000 Befragte) glauben hingegen, dass sie durch die Unternehmensführung motiviert würden. Rund ein Drittel ist sich aber sicher, dass es vor allem ihre direkten Vorgesetzten seien, die sie anspornen.
„Was früher die Motivation gesteigert hat, funktioniert heute nicht mehr zwangsläufig“, meint dazu Klaus Mittorp, Senior Vice President der Hay Group. Unternehmen müssten daher weitaus mehr in die Kompetenz ihrer Führungskräfte investieren damit diese ihre Fähigkeiten, ihre Untergebenen effektiv einzusetzen, verbessern. Der erste Schritt dazu wäre, so Mittorp, wenn die Top-Ebene akzeptieren würde, dass ihre untergeordneten Führungskräfte die wichtigste Rolle bei der Mitarbeitermotivation spielen.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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