Warum Kritik beim Chef fast immer auf taube Ohren stößt

von in Arbeitsleben am Dienstag, 5. Oktober 2010 um 09:47

Sie wüssten, wie es geht. Und der Großteil Ihrer Kollegen auch, nicht wahr? Eigentlich sind sich die meisten „Indianer“ in ihrer Abteilung darüber einig, was die „Häuptlinge“ besser machen könnten. Dass immer weniger Unternehmen sich Mitarbeiterkritik zu Herzen nehmen, zeigt eine aktuelle Studie. Dabei hat das Ernstnehmen von Mitarbeiter-Feedback nicht unwesentliche Auswirkungen auf die Motivation der Angestellten.

Die Zahlen drücken das aus, wie sich zigtausende Arbeitnehmer wohl täglich fühlen: Frustriert. In ihrer Leistungsfähigkeit gehemmt. Als kreativer Mitarbeiter missachtet. Abqualifiziert, frei nach dem Motto: „Für’s Denken bezahlen wir andere – nicht Sie.“
Und gibt sich dann endlich einmal die Chance, in einer Mitarbeiterbefragung anonym und kompetent seine Meinung zu bestimmten Abläufen preiszugeben, verpuffen die Ergebnisse kommentarlos im Nirvana des gewohnten Tagesgeschäfts. Für die Mitarbeiter nicht gerade motiviations- und in weiterer Folge leistungssteigernd.

Dass dieses Vorgehen in europäischen Arbeitsstätten eher die Regel als die negative Ausnahme ist, zeigt nun die Studie „Zukunft des Mitarbeiterengagements“ der Personalmanagementberatung Hewitt unter 150 Unternehmen. Ergebnis: Zwar befragten 85 Prozent der Betriebe innerhalb der letzten beiden Jahre ihre Angestellten nach deren Meinung. Lediglich 16 Prozent schafften es jedoch, das Engagement ihrer Mitarbeiter auch zu steigern.
Dieser niedrige Wert rühre daher, dass nur die wenigsten Unternehmen bereit wären, ihre Unternehmens-Policys auch nach dem Feedback ihrer Mitarbeiter neu oder anders zu gestalten. „In vielen Organisationen ist die Mitarbeiterbefragung immer noch ein administrativer Schritt, eine Datensammlung, die man pro forma macht“, erklärt Nicole Schadewald von Hewitt Associates.

Gerade in den letzten beiden Krisenjahren habe weltweit knapp die Hälfte der Unternehmen an Mitarbeiterengagement eingebüßt, verweist Schadewald auf globale Hewitt-Studien: Unternehmen mussten Kosten senken, schlanker agieren, schneller wachsen und schneller entwickeln. „Dabei waren sie auf die Mithilfe ihrer Mitarbeiter angewiesen und hätten erkennen müssen, wie wichtig es ist, die Besten nicht nur zu halten, sondern auch zu motivieren“, meint die Expertin. Gerade jetzt, in Zeiten des Aufschwungs, müsste auf die allmählichen Ermüdungserscheinungen der Belegschaften reagiert werden.

Wie man Mitarbeiter erfolgreich einbindet, sei eine der wichtigsten Aufgaben der Human-Ressources-Abteilungen, so Schadewald: „Bei Unternehmen mit hohem Mitarbeiterengagement werden ‚Antworten‘ auf die Mitarbeiter-Feedbacks gegeben. HR steuert als Businesspartner, die Verantwortung übernehmen die Führungskräfte.“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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