Mitarbeitergespräch – Notwendiges Übel oder konstruktives Feedback?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 3. November 2011 um 12:15

Mitarbeitergespräche sind wie Vorstellungsgespräche in der Hölle„, meinte eine Freundin kürzlich zu mir. Auch für die Unternehmensseite ist Mitarbeiter-Feedback mit enormem Aufwand verbunden. Wenn diese Gespräche also von beiden Seiten eher mit zusätzlicher Arbeit verbunden sind, warum sind sie dann nach wie vor fixer Bestandteil in den meisten Abteilungen des Landes? Sind Beurteilungsgespräche nur in der Theorie konstruktiv oder dienen sie dazu, die Produktivität zu verbessern? karriere.at hat nachgefragt!

„Mitarbeitergespräch – Nur Aufwand oder sinnvolles Feedback?“, diese Frage stellte karriere.at in der aktuellen Oktober-Umfrage unter 490 teilnehmenden Arbeitnehmern und 231 Arbeitgebern. Mit eindeutigem Ergebnis: Jeder zweite Mitarbeiter (51 Prozent) hält regelmäßige Feedback-Runden beim Chef für sinnvoll, solange diese mit konstruktiver Kritik verbunden sind.

Motivierend oder Deprimierend?

Beim größten Teil der Belegschaft werden Mitarbeiter-Beurteilungsrunden gut angenommen. Neben den 51 Prozent, die solche Gespräch für sehr sinnvoll halten, werden Feedback-Runden von weiteren 21 Prozent befürwortet, weil sie die Motivation steigern würden. Nur 11 Prozent halten Mitarbeitergespräche für „eher sinnlos“, da sie der Meinung sind, ihre Leistung selbst beurteilen zu können. Dem Thema Mitarbeitergespräch steht rund jeder Sechste (17 Prozent) absolut negativ gegenüber und ist der Meinung, dass diese „vergeudete Zeit und demotivierend“ sind.

Auf Unternehmensseite werden Feedback-Runden von zwei Dritteln (65 Prozent) der Arbeitgeber als nützlich angesehen – wenn diese gut vorbereitet sind. Weitere 15 Prozent geben an, nach solchen Gesprächsrunden auch eine positive Auswirkung auf die Mitarbeiter erkennen zu können. Nur 10 Prozent der befragten Arbeitgeber sehen solche Beurteilungsrunden als „notwendiges Übel“ an und weitere 10 Prozent sind der Meinung, Mitarbeitergespräche seien sinnlos, da schon ausreichend mit den Mitarbeitern kommuniziert werde.

Vorbereitung ist das A und O

„Das Um und Auf bei Mitarbeitergesprächen ist der Faktor Vorbereitung. Mitarbeiter müssen schon vor dem Gespräch wissen, was sie erwartet und was von ihnen erwartet wird. Die Themengebiete können durch einen vorgegebenen Feedback-Bogen, per Mail-Ankündigung oder auch in einer kurzen Vorbesprechung abgesteckt werden. Keinesfalls dürfen solche Termine zwischen Tür und Angel stattfinden“, analysiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid die Umfrageergebnisse.

Wie so ein Mitarbeitergespräch aussehen kann und wie es keinesfalls sein sollte, finden Sie in unserem Artikel „Antreten beim Chef! – Dos und Dont’s beim Mitarbeitergespräch“. Auch das Team von Focus Online verdeutlicht die Thematik noch einmal in dem Video „Termin beim Chef“:

Bei einem Mitarbeitergespräch sollten beide Parteien zu Wort kommen, betont Smid. „Auch Mitarbeiter sollten Feedback zu ihrer Arbeitssituation äußern und Änderungsvorschläge einbringen dürfen. Ob Mitarbeitergespräche von der Belegschaft als sinnvoll erachtet werden, hängt auch davon ab, ob deren Feedback von der Führungskraft ernst genommen wird. Selbst wenn diese angesprochene Dinge nicht ad hoc zu ändern sind, so sollte der Mitarbeiter zumindest Gründe dafür erfahren. Das kostet zwar Zeit, zeigt dem Mitarbeiter aber auch auf, dass er und seine Meinung wertvolle Bestandteile des Unternehmens sind“, rät Smid.

Redaktion

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