Mitarbeiterbefragung: Haben Chefs Angst vor schlechtem Feedback?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 22. August 2013 um 10:12

Mitarbeiterbefragung – schon wieder? Ein Satz, der in vielen Unternehmen zu hören ist, wenn die Fragebögen ausgeteilt werden. Fest steht nämlich: Befragungen bringen nur etwas, wenn auch unangenehme Themen darin enthalten sind. Dass dies jedoch nicht immer der Fall ist, belegt eine akutelle Studie: Sechs von zehn Unternehmen verzichten nämlich gleich ganz darauf, das Management von der Belegschaft bewerten zu lassen.

Was tut man in der Regel, wenn wo etwas nicht ganz so reibungslos läuft oder gar Probleme aufwirft? Man fragt jene nach Rat, die es eigentlich wissen müssten. Sprich: Die Beteiligten. Im Unternehmenskontext sind dies die Mitarbeiter, die Arbeitsprozesse von innen kennen und meist auch wissen, was wie besser gemacht werden könnte. Und genau dafür gibt es Mitarbeiterbefragungen. Oder für viele Unternehmen gesprochen: Dafür gäbe es Mitarbeiterbefragungen.

Mitarbeiter-Feedback oft unerwünscht

Denn viele Betriebe verzichten gleich ganz auf dieses Instrument oder lassen unanagenehme Themen gleich außen vor. So fand die Personalberatung Rochus Mummert in einer Studie heraus, dass sechs von zehn Unternehmen die eigene Führungsetage nicht durch die Mitarbeiter bewerten lassen. „Eine Befragung, bei der die vermutlich unangenehmsten Themen einfach ignoriert werden, sollte aber eigentlich besser gleich ganz gelassen werden, wenn die Führungskräfte weiterhin von ihren Mitarbeitern ernst genommen werden möchten“, geht Hans Schlipat, Studienleiter und Managing Partner der Rochus-Mummert-Gruppe, mit den Betrieben hart ins Gericht.

Nicht nur thematisch, auch zeitlich gäbe es großen Handlungsbedarf: Vier von zehn Unternehmen hätten laut Studie in den vergangenen beiden Jahren keine Befragung der Belegschaft durchgeführt. Effekt der Unregelmäßigkeit: Betriebe bringen sich einerseits um vergleichbare Ergebnisse. Andererseits gerät die Unternehmensleitung durch sporadische Mitarbeiter-Fragebögen unter Aktionismus-Verdacht.

Feedback-Kultur macht Führungskultur möglich

„Unternehmen, die glauben, auf die Perspektive der Mitarbeiter verzichten zu können, werden in Sachen Führungs- und Leistungskultur nicht nur stehenbleiben, sondern sogar zurückfallen“, ist Schlipat sicher.

Worauf es bei Mitarbeiterbefragungen wirklich ankommt, beschreibt Erich Laminger, Geschäftsführer von Great Place to Work, im karriere.blog-Interview: „Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg einer Mitarbeiterbefragung ist, dass die Befragung extern gemacht wird. Der Sinn einer solchen ist ja ein unverfälschtes Feedback von den Mitarbeitern zu bekommen. Es geht darum zu erfahren, wie sie die Arbeit erleben, was sie als gut bewerten und wo sie Defizite sehen.“

Bildnachweis: Melpomene/ Quelle Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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