Jetzt ist es amtlich: Wer mitreden darf, bringt mehr Leistung

von in Arbeitsleben, HR am Dienstag, 1. Februar 2011 um 10:53

Dass der produktive Output von vielen Unternehmen aufgrund von Fehlentscheidungen, Kommunikationsproblemen und mangelhaften Führungsqualitäten durchaus optimierbar wäre, war bereits einmal Thema dieses Blogs. Nun zeigt eine Studie erstmals: Mitarbeiter, die in ihren Unternehmen mitbestimmen dürfen, bringen wesentlich mehr Leistung.

Man weiß es ja aus eigener Erfahrung: Ein Projekt, hinter dem man selbst steht, verfolgt man ungleich engagierter als eines, bei dem man nur einen ausführenden Part innehat. Eigentlich Hausverstand.

Logisch, ein basisdemokratisch geführtes Unternehmen wird es wohl nie geben. Kann es auch nicht, denn letztendlich muss jemand seinen Kopf für Entscheidungen hinhalten. Trotzdem: Jeder zweite Unternehmer (47 Prozent) heftet sich nach den Ergebnissen einer karriere.at-Umfrage auf die Fahnen, seine Mitarbeiter miteinzubeziehen, wenn diese ihr Feedback kompetent vorbringen. 20 weitere Prozent hören immer auf ihre Angestellten, wenn  wichtige Entscheidungen anstehen. Angestellte sehen dies logischerweise oft anders: Jeder Dritte (35 Prozent) sagt, im Job nie um die Meinung gefragt zu werden, wie folgende Grafik der Arbeitnehmer-Ergebnisse zeigt.

Eine aktuelle Studie, erschienen beim Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), sollte den Autokraten unter den Chefs nun Beine machen: Nach deren Ergebnissen bringen Menschen, die an betrieblichen Entscheidungsprozessen mitbestimmen dürfen, deutlich mehr Leistung und steigern die Produktivität.

Der Publikation zugrunde liegt eine Untersuchung von US-Forschern: 180 Probanden konnten in einer Versuchsanordnung in Dreiergruppen durch das Lösen von Rechenaufgaben Geld verdienen. Die Hälfte der Teams konnte selbst entscheiden, ob das erwirtschaftete Geld auf alle Teammitglieder aufgeteilt, oder jedes Mitglied nach Leistung entlohnt werden würde. Die andere Hälfte wurde einfach bezahlt.

Das Resultat: Jene Versuchsteilnehmer, die mitbestimmen konnten, waren deutlich leistungsbereiter und arbeiteten um sieben Prozent mehr Aufgaben ab als die andere Gruppe. Doch auch ihre Produktivität – also die Zahl der richtig gelösten Aufgaben – stieg um bemerkenswerte neun Prozent.

Was ebenfalls bemerkenswert ist: Das gewählte Lohnmodell (Einzel- oder Teamprämie) hatte keinerlei Auswirkung auf die Leistungssteigerung, so die Wissenschaftler. Wichtig sei lediglich, dass die Teammitgleder mitentscheiden konnten. Verhaltensökonom Jeffrey Carpenter: „Auch wenn sich die betriebliche Praxis unter Laborbedingungen nicht vollständig abbilden lässt, liefern diese Beobachtungen ein starkes ökonomisches Argument für mehr Demokratie am Arbeitsplatz.“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren