Mission: Bewerbungsgespräch – Den richtigen Informationen auf der Spur!

von in Arbeitsmarkt, Bewerbung, Jobsuche, Social am Donnerstag, 17. November 2011 um 14:16

Das Angebot klingt verlockend! Endlich werden Kompetenz und Know-how geschätzt und nicht nur das, auch das Gehalt macht einen Riesensprung! Wer könnte bei diesem Job-Angebot NEIN sagen? Der erste Arbeitstag? Katastrophe! Was als Führungsposition angepriesen wurde, erweist sich als besserer Praktikanten-Job. Die netten Kollegen? Fehlanzeige! Was nun? Wie gut haben Sie sich über das neue Unternehmen informiert? Wir präsentieren: Die Info-Roadmap zum neuen Job.

Vor einem Vorstellungsgespräch gehen einem viele Fragen durch den Kopf. Natürlich haben Sie die Stellenanzeige genau durchgelesen und sich über die Voraussetzungen informiert. Aber wie sieht es mit dem Unternehmen selbst aus? Haben Sie die „Hard Facts“ schon verinnerlicht? Sind Sie sicher, dass Sie gut ins Unternehmen passen? Was sagen Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiter über das Unternehmen? Ist es wirklich so, wie es sich nach außen darstellt? Relevante Fragen – aber wie kommt man an diese Informationen? Natürlich großteils online! Doch Vorsicht: Es wartet ein regelrechter Info-Irrgarten. karriere.at hat für Sie eine Karte mit allen relevanten Anlaufstellen und Plattformen zusammengestellt, damit Sie Ihr Info-Weg hoffentlich zum ersehnten Traumjob führt!

Welche Möglichkeiten gibt es? Und warum überhaupt?

Die Palette an Möglichkeiten, die man sich zu Nutzen machen kann, ist lang – hängt die Art der Recherche doch auch davon ab, wie sich ein Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentiert: Verzichtet es ganz auf PR und Employer Branding, müssen andere Wege gegangen werden, als wenn sich dieses im (Social) Web völlig transparent gibt. Einen guten Überblick über die Möglichkeiten und auch die Beliebtheit der einzelnen Informationskanäle gibt folgende Auswertung von Personalmarketing2null.de (Sample: 201 Studenten), die mit Sicherheit auch Relevanz für Österreich hat.

Quelle: Personalmarketing2null.de

Quelle: Personalmarketing2null.de

Karin Nakhai, REWE Group

Doch warum überhaupt die penible Vorbereitung? Reicht es nicht einfach, authentisch zu sein? Karin Nakhai, Leiterin Media Relations bei der REWE International AG (derzeit in Österreich mit der Personalmarketingkampagne „Billabuchkarriere“ on Air) weiß: „Für Bewerber ist es essentiell, sich vorab über die Firma zu informieren – wichtige Punkte sind hier beispielsweise die Branche, die Mitarbeiteranzahl, das Kerngeschäft des Unternehmens, eventuelle Auslandsniederlassungen und Ähnliches. Auch Fragen über aktuelle Themen aus der Branche oder Detailwissen über das Unternehmen, wie beispielsweise gewonnene Auszeichnungen oder Neuerungen machen einen positiven Eindruck auf Personalisten.“

Fazit Nr. 1: Systematische Info-Schnüffler haben die Nase beim Bewerben vorn!

Doch wo beginnen? Wo aufhören mit der Info-Suche? Wir haben eine kleine Recherche-Roadmap zusammengestellt:

1. Online-Jobbörsen – wo alles beginnt…

Eigentlich der Schritt vor der großen Recherche-Attacke: Wer einen Job via Online-Inserat findet, bekommt in den meisten Fällen gleich die Grundlage für die weiteren Suchschritte präsentiert, quasi ein Fundament an „Hard Facts“: Welches Leistungsspektrum wird von mir erwartet? Was kann ich vom Unternehmen an Leistungen erwarten?  Spätestens ab Jahresbeginn 2012 auch: Wie sieht das Mindestgehalt laut Kollektivvertrag aus? Wer sind Ansprechpartner? Online-Bewerbung, E-Mail oder doch per Post? Und nicht nur das: Wie sich ein Unternehmen auf einer Online-Jobbörse präsentiert, lässt auch erste Rückschlüsse zu: Welche Mittel nutzt dieses zusätzlich, um seine potenziellen Mitarbeiter anzusprechen? Ist das Inserat und Firmenprofil eher bieder, seriös, trendig, plump oder einfallslos? Erlaubt das Firmenprofil bereits einen kurzen Einblick per Video? Finden sich alle relevanten Infos und Links dort, wo man als Bewerber ins Detail gehen kann? Wie hebt sich die ausgeschriebene Stelle von vergleichbaren Angeboten des Mitbewerbs ab? Welche anderen Positionen, die in Frage kommen könnten, sind noch ausgeschrieben?

2. Google – die Mutter aller Suchalgorithmen

Hier beginnt die eigentliche Recherchearbeit und hier endet sie dann auch wieder: Wer via Google beginnt, erhält zunächst – und mit den einfachsten Suchbegriffen – ein relativ umfassendes Stimmunsgbild über das Unternehmen: Wie aktiv ist es online? Ist es Marktführer oder findet man es gleich gar nicht unter den Ergebnissen? Was schreiben Medien über das Unternehmen? Gab es Führungswechsel, Insolvenz-Probleme oder gar Auseinandersetzungen mit dem Arbeitsgericht? Wichtig: Alle Kategorien (News, Blogs, Bilder etc.) durchsuchen und Suchbegriffe miteinander kombinieren.  Und ganz zum Schluss der Recherche – wenn alles, von der Unternehmensseite bis zur Bewertungsplattform durchgeackert wurde: Versuchen, die Fragen zu klären, die noch offen geblieben sind.

3. Die Unternehmenswebsite: Was Betriebe über sich selbst sagen wollen

Henner Knabenreich, personalmarketing2null

Henner Knabenreich, personalmarketing2null

Die Unternehmenswebsite selbst ist logischerweise DAS Info-Tool, wenn es darum geht, harte Fakten zu sammeln. „Meiner Meinung nach das Herzstück aller Recruiting-Aktivitäten und auch die wichtigste Seite für Job-Interessierte“, ist Personalmarketing2Null-Geschäftsführer Henner Knabenreich überzeugt. Was das Unternehmen macht, laufende Großprojekte, Bilanzen, Kooperationen bis hin zu den Presse-Infos, die in der Regel auch Fotos von Ansprechpartnern und Firmenchefs enthalten (oft unter dem Menüpunkt „Presse-Downloads“ zu finden). Hier sagt das Unternehmen, was es von sich sagen will, wie es wahrgenommen werden will und was seine USPs sind. Natürlich ist das meist PR-geschönt – wenn Misstrauen aufkeimen sollte: Zurück zu Google und Medienberichte checken!
Fast jedes größere Unternehmen betreibt auf seiner Firmenwebsite auch eine eigene Karriere-Seite, die im Idealfall mit allen wesentlichen Infos zum Bewerbungsprozess, ausgeschriebenen Jobs, Ansprechpartnern aber auch zu Trainee-Programmen und möglichen Karrierewegen aufwartet. Knabenreichs Tipp an Unternehmen: „Von Bildern bis hin zu Mitarbeitervideos findet man hier alle Informationen, die man benötigt. Die Interessenten sollten aktiv angesprochen werden und nicht mit Floskeln und langweiligen Pressetexten terrorisiert werden. Hier gilt: So sieht dein Arbeitsplatz aus und das sagen deine Kollegen darüber.“

4. Social Media – Wie „social“ ist das Unternehmen wirklich?

Fast jeder Bewerber nutzt sie als Privatperson, Unternehmen immer häufiger: Social Networks. Während Buisiness-Networks wie Xing oder (mittlerweile) LinkedIn über weite Strecken von Personalisten zum aktiven Recruiting verwendet werden, etabliert sich mittlerweile auch bei immer mehr Unternehmen Facebook als verlängerter Arm der Firmen- bzw. Karrierewebsite. Betreibt der Wunsch-Arbeitgeber eine eigene Karriere-Fanpage im größten aller sozialen Netzwerke – Glück  gehabt! Denn diese bieten Bewerbern einen wesentlichen Pluspunkt: Dialog! „Gerade Social-Media-Auftritte sind dazu prädestiniert: Für die Kommunikation zwischen Interessierten, Mitarbeitern und dem Unternehmen selbst“, weiß Knabenreich. Also: Nicht scheu sein und Fragen stellen! Bekommen Sie eine (brauchbare) Antwort – Gratulation! Sie sind bei einem serviceorientierten Unternehmen gelandet, das auf Kommunikation auf Augenhöhe setzt und Bewerber nicht als Bittsteller versteht.
Auch hier: Zusatzangebote beachten! Viele Facebook-Karrierepages verfügen über eigene Reiter mit Unternemensvideos, aktuellen Jobangeboten und über umfassende Bildergalerien. Faustregel wiederum: Unternehmen, die wissen was ihre Zielgruppe wünscht, haben die besseren Karrierepages.

Quelle: personalmarketing2null.de

REWE-Expertin Karin Nakhai ist vom Potenzial dieser Angebote überzeugt: „Mit Social Media können wir in der digitalen Welt erstmals in einen unkomplizierten und direkten Dialog mit potenziellen MitarbeiterInnen treten. Obwohl Social Media Karriereplattformen derzeit von den Österreichern erst wenig genutzt werden, erwarten wir hier in den nächsten Jahren einen enormen Zuwachs.“

5. Bewertungsplattformen: Der Blick hinter die Kulissen

Hier geht es ans Eingemachte. Firmen präsentieren sich mit eigenen Profilen und werden von Mitarbeitern und Ex-Mitarbeitern bewertet. Das bedeutet für Bewerber: Man hat nicht nur sämtliche Unternehmens-Benefits von Kinderbetreuung, Betriebskantine, Homeoffice-Möglichkeiten, flexibler Zeiteinteilung über Mitarbeiterhandys bis hin zum Coaching-Angebot übersichtlich auf einer Seite. Ambitionierte Firmen wissen, dass sie im Web ohnehin bewertet werden und nutzen diese Plattformen auch um das Service zu komplettieren: Mit ausgeschriebenen Jobs, Unternehmenseinblicken, Videos und den Links zu anderen Karriere-Präsenzen, die sie betreiben. Sprich: Man merkt, ob es Unternehmen ernst mit der eigenen Arbeigebermarke meinen – beispielsweise auch indem sie auf Verbesserungsvorschläge und Kritik in Kommentaren antworten. „Möchten Personalverantwortliche auch in Zukunft die besten Kandidaten für ihr Unternehmen gewinnen, müssen sie sich von althergebrachten Konzepten und Einstellungen veabschieden. Die Bewerber erwarten mittlerweile eine Kommunikation auf Augenhöhe“, ist kununu-Co-Gründer und Geschäftsführer Martin Poreda überzeugt.
Doch ähnlich PR-geschönten Unternehmenswebsites muss auch bei der Recherche auf Bewertungsplattformen eine gewisse Medienkompetenz vorausgesetzt werden: Jeder weiß, dass negative Kommentare leichter von der Hand gehen als Lob für Dinge, die gut gemacht werden. So sollte beispielsweise stets auf die Relationen geachtet werden: Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen insgesamt? Wie viele Bewertungen wurden abgegeben? Und in Verhältnis dazu sind auch die negativen Kommentare zu setzen.
Die wichtigsten Plattformen: kununu.com, arbeitgebercheck.at, kelzen.com, companize.com, bizzwatch.de oder jobvoting.de.

6. Messen, Infotage, Kontakte: Der Mensch im Fokus

Ganz klar, Angebote wie Messen, Karrieretage bei Unternehmen oder auf Unis sind Dinge, die man nur schwer wahrnehmen kann, wenn man auf die Schnelle Infos über ein Unternehmen benötigt. Gerade aber als Schul- oder Uni-Abgänger bieten sich hier beste Gelegenheiten um Infos einzuholen und zu sehen, wie ein Unternehmen „tickt“. Und zwar aus erster Hand: Oftmals stehen auf solchen Tagen nicht nur Personalverantwortliche Rede und Antwort, sondern auch „normale Mitarbeiter“, Teilnehmer von Traineeprogrammen oder Lehrlinge. Und Tipps von diesen können Gold Wert sein: Worauf wurde bei der Bewerbung besonders geachtet? Was sollte man mitbringen? Welche Qualifikationen und Interessen sind im Job dann besonders gefragt?
Ein nicht zu unterschätzener Faktor: Man hat die Chance, selbst einen ersten persönlichen Eindruck zu hinterlassen. Wer ernsthaftes Interesse an einem konkreten Unternehmen hat, sollte diese Chance nützen. Denn dieser Erstkontakt kann durchaus als Anknüpfungspunkt für Bewerbungs-Anschreiben oder Vorstellungsgespräche genutzt werden.

Top-Bewerber wissen mehr!

„Gute Vorbereitung zeugt insgesamt von Interesse am Unternehmen und an der ausgeschriebenen Position und hebt den Bewerber – oftmals unter einer großen Anzahl von Interssierten – positiv hervor. Im Bewerbungsschreiben sowie beim Vorstellungsgespräch hat der Bewerber – mit guter Vorbereitung, einem selbstsicherem Auftritt sowie Interesse und Engagement – die Möglichkeit, im Nu einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Schlecht vorbereitet, kann der Bewerber eventuell nicht überzeugen beziehungsweise können Fragen zum Lebenslauf oder warum dieser Job für den Bewerber interessant ist, unter Umständen nicht beantwortet werden“, fasst REWE-Expertin Karin Nakhai zusammen, worauf es beim Vorbereiten ankommt.

Unser Fazit: Recherche zahlt sich aus! Natürlich ist es kein Garant dafür, den Job letztendlich in der Tasche zu haben. Dennoch – es geht darum, auch auf  auf knifflige Frage optimal vorbereitet zu sein. Sie können einfacher Bezüge zwischen Unternehmensphilosophie und Fragestellung schaffen. Und das hinterlässt Eindruck beim potenziellen Arbeitgeber! Denn Interesse am Unternehmen und Neugierde an verschiedenen Prozessen im Unternehmen steht bei Personalern hoch im Kurs!

Bildnachweis: colourbox.com, REWE

Redaktion

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