Knapp daneben: Wie Scheitern die Motivation erhöhen kann

von in Arbeitsleben am Freitag, 19. Februar 2016 um 11:43

Scheitern ist unangenehm, macht wütend oder traurig. Besonders dann, wenn man knapp vor dem Ziel einen Misserfolg verbuchen muss. Forschungen zufolge gibt es aber einen Lichtblick: Kurz vor dem Ziel zu scheitern bringt uns eine Menge Motivation für neue Aufgaben. Warum das so ist und wie man bei neuen Aufgaben davon profitieren kann, wurde im Rahmen eines Experiments untersucht.

Fast hätte es mit der Beförderung geklappt, beinahe hätte man den Job bekommen – am Ende wurde leider doch nichts daraus. Das ist ganz schön ärgerlich, es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille: Knappes Scheitern hat auch positive Seiten. Wie man von knappen Misserfolgen profitieren kann, haben die beiden Forscherinnen Monica Wadhwa und JeeHye Christine Kim untersucht. Die Plattform Forschung erleben hat auf die Studie aufmerksam gemacht.

Die Besonderheit am knappen Scheitern

Was ist das Besondere an einem Sieg, der knapp – aber doch – ein Misserfolg wurde? Den beiden Forscherinnen zufolge liegt der Schlüssel in der Motivation, die man im Endspurt aufbringt. Wer dann doch scheitert, verliert diese positive Energie nicht auf einen Schlag sondern überträgt sie auf andere Möglichkeiten. Es würde sich also lohnen, auch nach einem Misserfolg sofort an anderen Aufgaben weiterzuarbeiten und sich dafür anzustrengen. Scheinbar ist diese gesteigerte Motivation nicht zu finden, wenn Erfolg nie in greifbarer Nähe war oder das Ziel erreicht wurde.

Diese Annahme wurde im Rahmen eines Tests mit Probanden überprüft: Dafür wurden Teilnehmer gebeten, ein Handyspiel zu testen. Im Spiel versteckten sich unter 16 Kacheln Felsen und Diamenten. Wer alle Diamanen fand, ohne auf einen Fels zu stoßen, hatte gewonnen. In diesem Fall winkte eine zusäztliche Belohnung. Ein Sieg war aufgrund der Programmierung des Spiels jedoch ausgeschlossen. Vom Spiel gab es unterschiedliche Versionen, die sich in der Art der Niederlage unterschieden. Einigen Probanden blieb die Aussicht auf ein siegreiches Ende immer verwehrt, indem sie gleich beim Aufdecken der zweiten Kachel auf einen Felsen stießen. Andere Teilnehmer scheiterten später und deckten erst beim letzten Versuch doch einen Felsen auf – der Erfolg war hier schon zum Greifen nahe. Abschließend erhielten alle Teilnehmer als Entlohnung eine Tafel Schokolade, die sie am Ende des Flurs abholen mussten. Dabei wurde die Zeit gemessen, die sie für die Strecke zur süßen Belohnung benötigten. Wer würde motivierter und schneller sein?

Es bestätigte sich die Vermutung der Projektleiter: Teilnehmer, die nur knapp am Gewinn vorbeigeschrammt waren, legten den Weg schneller zurück, als die anderen Versuchsteilnehmer. Die Motivation, sich mit etwas Süßem zu belohnen, könnten natürlich auch Anzeichen für Frust sein. In weiteren Studien strengten sich Personen nach einem knappen Misserfolg bei einem zweiten, kniffligen Spiel um Geld jedoch mehr an – sogar mehr als die Gewinner des ersten Spiels.

Jetzt erst recht!

An einer Aufgabe zu scheitern birgt also nicht nur Nachteile, sondern kann uns sogar eine extra Portion Motivation für neue Projekte bescheren. Vorausgesetzt, man ärgert sich über verpasste Chancen nicht zu lange sondern stürzt sich möglichst zeitnah mit Elan auf neue Aufgaben.

Bildnachweis: BoBaa22/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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