Microsoft Wien lebt seit zwei Jahren das neue Arbeiten

von in Arbeitsleben, HR, Social am Mittwoch, 2. Oktober 2013 um 10:38

Microsoft schafft es jedes Jahr wieder unter die begehrtesten Arbeitgeber der Studenten. „Hier will ich hin!“ denken wohl viele, die das Wiener Office einmal von Innen gesehen haben. Kreatives Design und modernste Technik vereint unter einem Dach und per Rutsche verbunden: 2011 wurde das Headquarter von Microsoft Österreich komplett umgestaltet, zwei Jahre später zieht der IT-Riese erste Bilanz. Die Frage lautet nach wie vor: Ist Österreich bereit für modernes, flexibles Arbeiten?

Nicht das größte Wandervolk

Martina Klenkhart

Martina Klenkhart

Das Microsoft-Headquarter, das jährlich unzählige Besucher in den 12. Wiener Bezirk lockt, haben wir im Blog bereits vorgestellt. Nun, zwei Jahre nach dem großen Umbau, ist es Zeit für eine erste Bilanz. Wie wurde es aufgenommen, das flexible Arbeiten ohne fixen Arbeitsplatz- bzw. zeiten? Martina Klenkhart, Product Marketing Manager von Microsoft Österreich, zeigt im Interview auf, was funktioniert und welche Bereiche noch verbessert werden können. So viel sei vorweg verraten: Wir Österreicher sind – was unseren Arbeitsplatz betrifft – nicht das größte Wandervolk.

Tour de Microsoft

Die „Mallorca-Methode“ ist unerwünscht

Die Theorie des flexiblen Arbeitens: Arbeiten wann und wo man will. „Fünf Prozent der rund 310 Mitarbeiter haben einen fixen Arbeitsplatz, allen anderen steht es frei, wo sie arbeiten möchten“, berichtet Klenkhart. Die Mallorca-Methode, also das Reservieren eines Tisches, ist nicht erwünscht. Jeder Mitarbeiter hat einen Spind für persönliche Sachen, die Arbeitsplätze sollen am Ende eines Arbeitstages wieder leer hinterlassen werden. Und wie es bei einem IT-Giganten nicht anders zu erwarten wäre, spielt die Technik eine enorm große Rolle. Jeder Mitarbeiter wird mit Smartphone, Laptop bzw. Tablet sowie Headset ausgestattet und kann so von überall aus arbeiten. Da jedes Meeting parallel auch als Online-Meeting aufgesetzt wird, ist die Anwesenheit im Office selbst zum Teil Luxus.

Deutliche Trends nach zwei Jahren

Showcase MicrosoftMehr als 60 Meetingräume, die thematisch von „Garden“ über „Bar“ bis hin zu „Space Port“ reichen, stehen den Mitarbeitern ebenso zur Verfügung, wie zahlreiche offene Arbeitsplätze oder Telefonboxen. Zwei Jahre nach Start des Vorzeigeprojekts lassen sich nun bereits Trends des neuen Arbeitens erkennen. Fangen wir bei der oben beschriebenen freien Arbeitsplatzwahl an: Fast jedem Mitarbeiter steht wie erwähnt frei, an welchem Arbeitsplatz er sich niederlassen möchte. Und dies Tag für Tag. Manche Mitarbeiter nutzen die neue Flexibilität täglich, in einigen Abteilungen – etwa dem Vertrieb – haben sich jedoch gewisse Sitzordnungen bewährt. „Wir wollen und werden niemanden zwingen, sich jeden Tag woanders hin zu setzen“, erklärt Klenkhart.

Mitarbeiter sind stolz auf „ihr“ Gebäude

Showcase MicrosoftDas neue Office ist jedoch mehr als bloß die freie Arbeitsplatzwahl. Die offenen Arbeitsplätze, moderne Meetingräume sowie Kommunikationskultur sind die Eckpfeiler des Microsoft-Headquarters. „Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Gebäude ist groß, viele waren auch an der Planung beteiligt. Die Touren durch das Office mit Kunden, Partnern oder Gästen machen die Mitarbeiter freiwillig“, berichtet Klenkhart. Ziel des Projekts ist und war, dem Trend des neuen Arbeitens gerecht zu werden und als Arbeitgeber erfolgreich und attraktiv zu sein. Dies scheint gelungen, denkt man etwa an die Arbeitgeberattraktivität für heimische Studenten. In Zusammenarbeit mit der FH Krems wurden die ersten zwei Jahre nun analysiert – hier die wichtigsten Ergebnisse:

Die Nachteile:

  1. transparenzVerluste in der Erreichbarkeit: „Als negativ werten wir, dass das Gefühl der Erreichbarkeit zurückgegangen ist. Als Reaktion darauf bieten wir Schulungen zur Nutzung von Microsoft Lync sowie der  sozialen Netzwerke für Autausch und Fragen an“, so Klenkhart. So kann man, ist ein Kollege oder der Chef nicht mehr erreichbar, eventuell von anderer Seite rasch eine Antwort bekommen.
  2. Zu viel Transparenz: Die eingesetzten Glaswände wurden als große Ablenkung empfunden, nachträglich installierte Leinwände schafften Abhilfe. Generell kam das Feedback, dass die Transparenz auch zu viel sein kann und sich die Mitarbeiter Rückzugsmöglichkeiten im Office wünschen.

Die Vorteile:

  1. verkehr_pendelnWeniger E-Mails: Die E-Mail-Flut konnte in den ersten beiden Jahren um 19 Prozent reduziert werden. Durch neue Strukturen gibt es 22 Prozent weniger Attachments.
  2. Schneller erreichbar: Durch Instant Messaging erreichen sich die Mitarbeiter schneller. Die Festnetzkosten konnten hingegen um neun Prozent gesenkt werden.
  3. Hohe Mitarbeiterzufriedenheit: Die Mitarbeiterzufriedenheit ist hoch, liegt aktuell bei 8,4 (auf einer zehnstufigen Skala). Weiters sind 96 Prozent der Mitarbeiter stolz auf die Vorreiterrolle ihres Arbeitgebers bei Thema „New World of Work“.
  4. Produktivität steigt: Die allgemeine Produktivität ist um 3,5 Prozent gestiegen, beim Home Office wird ein Plus von 2,5 Prozent verzeichnet.
  5. Flexibilität als Gewinn: Für 82 Prozent der Mitarbeiter ist die neue Flexibilität ein Gewinn.
  6. Mehr Spaß und Kreativität bei der Arbeit haben 76 Prozent der Microsoft-Crew.
  7. Umweltfaktor: Die Betriebs- und Mietkosten wurden um 12 Prozent reduziert, beim Strom wurde acht Prozent eingespart.
  8. Zeitersparnis: Die Mitarbeiter pendeln im Schnitt 50 Stunden weniger pro Jahr.

Bildnachweis: Microsoft Österreich, Shebeko / Quelle Shutterstock, Artens / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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