Mehrarbeit durch Smartphone & Co. gefährdet die Gesundheit

von in Arbeitsleben am Freitag, 22. Juni 2012 um 10:05

Die Arbeit im Büro zu lassen ist eine Kunst, die nicht viele Arbeitnehmer beherrschen. In stressigen Zeiten oder während wichtigen Projekten ist der Kopf meist auch nach Dienstschluss noch im Dienst, sorgt man sich um seine Arbeitsstelle oder läuft etwas nicht rund, fällt das Abschalten ebenfalls schwer. Smartphones, Laptops und Tablets, die einen jederzeit in die Arbeit einsteigen lassen, erhöhen Stresspegel sowie Arbeitsstunden und sind zudem gesundheitsgefährdend.

Haltungsschäden sind vorprogrammiert

Zu diesem Ergebnis kommt, wie pressetext berichtet, eine aktuelle Studie der Chartered Society of Physiotherapy in England. Eine Online-Umfrage der physiotherapeutischen Gesellschaft unter 2010 Personen ergab, dass beinahe zwei Drittel der Befragten auch außerhalb ihrer Arbeitszeit Tätigkeiten für ihr Unternehmen verrichten. Geschieht dies regelmäßig, treten häufig stressbedingte Erkrankungen auf. Zudem, so die Studienautoren, besteht die Gefahr von Haltungsschäden durch die zusätzliche Zeit hinter dem Bildschirm. „Die Tendenz zur Mehrarbeit wegen neuer technischer Hilfsmittel gibt es auch bei uns. Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit geht zunehmend verloren, weil die Menschen durchgehend erreichbar sind. Zudem werden abendliche Arbeitssessions von zuhause oft nicht als Überstunden gewertet. Wir empfehlen, nicht regelmäßig in der Freizeit zu arbeiten“, kommentiert Alexander Heider, Leiter der Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Arbeit der Arbeiterkammer Wien, das Studienergebnis.

 „Der Einzelne trägt immer mehr Verantwortung“

Als „hochgradig besorgniserregend“ bezeichnet auch die Vorsitzende der britischen Vereinigung, Helena Johnson, die Studienergebnisse. Über eine kurze Zeit sei Mehrarbeit von zuhause oder unterwegs zwar vertretbar, regelmäßig und auf längere Zeit führe diese jedoch zu Rücken- und Nackenschmerzen sowie psychischen Erkrankungen. „Der Einzelne trägt immer mehr Verantwortung. Das ist einerseits positiv, andererseits darf der Druck aber nicht so hoch werden, dass die Erwartungen in der regulären Arbeitszeit nicht mehr erfüllt werden können“, so Heider. Denn wenn der Druck zu groß wird, bleibt den Arbeitnehmern nichts anderes übrig, als die Arbeit an den Abenden oder Wochenenden zu verrichten. Doch diese Zeit, da sind sich Psychologen einig, sollte Freizeit bleiben: Denn die Wochenenden sind wichtig für die Psyche, sogar die Zufriedenheit mit sich selbst und das persönliche Wohlbefinden sind an den Wochenenden größer. Zudem ist dies wichtige Zeit für die Familie, die unter der Woche oftmals arbeitsbedingt zu kurz kommt.

Die Unternehmen in die Pflicht nehmen

„Wir raten Betroffenen dringend, die Situation mit dem Arbeitgeber zu besprechen. Betriebsräte, Arbeiterkammer und Gewerkschaften bieten Unterstützung“, so Heider. Untätigkeit führe nur zu ernsthaften Problemen. „In einer Studie haben wir ermittelt, dass neben den psychiatrischen und körperlichen Erkrankungen auch die Kosten für das Gesundheitswesen enorm steigen“, so der AK-Experte. Gefordert seien auch die Betriebe, die ebenfalls Interesse an einer gesunden Belegschaft haben müssen.

Der richtige Umgang muss erst gelernt werden

„Der richtige Umgang mit den neuen Kommunikationsmitteln ist auch ein persönlicher Lernprozess“, betont Heider, dass auch die überdurchschnittlich engagierten Angestellten umdenken müssten. Denn vor allem unbezahlte Arbeit in der Freizeit sei gefährlich, da sie noch mehr Stress verursache und noch dazu das Familienklima belasten kann. Als ein erfolgreiches Best Practice-Beispiel, wie ein Unternehmen den Mitarbeitern bei der Wahrung der Freizeit unter die Arme greifen kann, nennt er den VW Konzern. „Dieser hat die Gefahr erkannt und leitet außerhalb der Arbeitszeit keine E-Mails mehr an die Angestellten weiter. So kann durch die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen dafür gesorgt werden, dass Mitarbeiter nicht versucht sind, ihre Freizeit zu opfern.“

In diesem Sinne raten wir: Genießen Sie ihr Wochenende!

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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