Manager in Österreich: Hohes Verantwortungsgefühl, aber wenig Zeit für Selbstreflexion

von in HR am Dienstag, 15. Februar 2011 um 12:36

Unternehmensleitungen, die im Team agieren, treffen bessere Entscheidungen. Davon sind der Großteil der Führungskräfte in Österreich, Deutschland und der Schweiz überzeugt. Wenn es darum geht, aus Fehlern zu lernen, hinken heimische Chefs jedoch ihren Kollegen aus den Nachbarländern hinterher, besagt der aktuelle Hernstein Management Report. Als relativ groß würden österreichische Führungskräfte hingegen ihren persönlichen Einfluss auf die Selbsterneuerungsfähigkeit der Unternehmen einschätzen, so die Studie.

Wie gut eine Unternehmensleitung als Team operiert, entscheidet maßgeblich, wie erfolgreich ein Betrieb im Endeffekt ist, wenn es darum geht, sich akutellen Marktbedingungen anzupassen: Davon sind zwei von drei österreichischen Führungskräften überzeugt (68 Prozent). Insgesamt befragte die OGM im Auftrag vom Hernstein Institut für Management und Leadership 302 Führungskräfte von Großbetrieben in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

„Für viele Fragestellungen in Unternehmen gibt es keine vorgefertigten, abrufbaren Lösungen. Das gilt vor allem für komplexe Herausforderungen bei denen Management-Teams einfach bessere Entscheidungen treffen. Mit einem Führungsteam, das gut zusammen arbeitet, ist ein Unternehmen für Veränderungen am besten gewappnet“, bekräftigt Katharina Lichtmannegger, Leiterin des Hernstein-Instituts.

Verglichen mit anderen Faktoren, die für die Selbsterneuerung in Unternehmen nach Ansicht der österreichischen Manager wichtig seien, nimmt das Teamwork der Spitzenkräfte einen Top-Platz ein (siehe Grafik).

Nur jeder Zweite lernt aus Fehlern

Verglichen mit Deutschland wird hierzulande weniger Wert auf andere Management-Eigenschaften gelegt, wenn es darum geht, Prozesse zu verändern oder neu zu generieren: Eine ausgeprägte Fehlerkultur – also die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen und daraufhin etwas besser zu machen – ist lediglich für jeden zweiten Manager in Österreich wichtig (53 Prozent). Schweizer Manager sehen darin in acht von zehn Fällen (79 Prozent) eine wesentliche Voraussetzung für die Selbsterneuerung ihrer Unternehmen, deutsche sogar zu 88 Prozent!

Die Bereitschaft zur Selbstreflexion (33 Prozent) ist in österreichischen Führungskadern ebenso vergleichbar gering ausgeprägt, so die Studie.

Manager fühlen sich persönlich verantwortlich

Selbstbewusst geben sich heimische Manager hingegen, wenn es darum geht, ihre eigene Rolle in Selbsterneuerungsprozessen einzuschätzen: Zwar werde das Thema in Österreich vergleichbar wenig in Unternehmen diskutiert, dafür glauben fast drei Viertel (72 Prozent) der heimischen Unternehmer, dass von ihnen ein wesentlicher Einfluss auf die Selbsterneuerung der von ihnen geleiteten Konzerne ausgeht. Weniger wichtig sehen im Vergleich dazu deutsche Manager (67 Prozent) oder Schweizer (60 Prozent) den von ihnen ausgehenden Innovationsimpuls.

Warum das so ist, erklärt Hernstein-Leiterin Lichtmannegger in den spezifisch österreichischen Unternehmensstrukturen: „Eigentümer sehen sich verantwortlicher und spüren mehr Selbstbetroffenheit. Sie können auch schneller und flexibler reagieren als Großkonzerne, die an internationale Strategien gebunden sind.“ Das habe jedoch nicht nur Vorteile, so die Expertin: „Auf der anderen Seite sind große Unternehmen gewohnt, mit Veränderungen umzugehen. Insofern erklärt dies ihre Offenheit dem Thema Selbsterneuerung gegenüber.“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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