Managementfehler & Co.: 91 Arbeitstage pro Jahr gehen verloren

von in HR am Mittwoch, 15. Dezember 2010 um 15:23

Managementfehler, mangelnde Führungsqualitäten, Kommunikationsprobleme. Drei Faktoren, die als Ursachen für folgende Studienergebnisse herhalten müssen: 41 Prozent der Arbeitszeit in österreichischen Betrieben verstreicht – einfach so, ungenutzt, unproduktiv. Auf ein ganzes Arbeitsjahr hochgerechnet geht der österreichische Durchschnitts-Arbeitnehmer also 91 Tage lang in die Arbeit ohne irgendeinen Nutzen zu bringen. Das besagt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Czipin Consulting.

„In Österreichs Unternehmen macht der Produktivitätszuwachs seit geraumer Zeit Pause“, resümiert Alois Czipin über die aktuelle CZIPIN Produktivitätsstudie 2010. 4.200 Stunden lang wertete man für die Studie über zwei Jahre hinweg die Produktivität von einzelnen Arbeitsplätzen in 400 österreichischen Unternehmen aus – mit ernüchterndem Ergebnis:
41 Prozent der gesamten Arbeitszeit gehen in einem Durchschnitts-Unternehmen pro Jahr verloren. Auf ein Arbeitsjahr mit 220 Arbeitstagen hochgerechnet bedeutet das, dass 91 Arbeitstage pro Mitarbeiter im Produktivitäts-Leerlauf verbracht werden. Verglichen mit dem Vorjahr, ergebe dies ein Minus von drei Prozent, betont Czipin. Somit sei man in Österreich bei der vergeudeten Arbeitszeit auf den Status von vor 1998 zurückgefallen.

Die Gründe für die schlechten Werte entstünden vielfach im eigenen Haus, berichtet der Studienautor: „Produktivitätsverluste, wie wir sie derzeit in Österreichs Unternehmen beobachten, entstehen aus einer Bandbreite von Ursachen. Auffällig an den Resultaten des aktuellen Berichtes ist allerdings der hohe Anteil von Managementfehlern“, betont Czipin.

Denn die Liste der Gründe für schlechte Produktivitätswerte führe mit großem Abstand der Faktor „Mangelnde Planung und Steuerung“ an, weswegen laut Studie im Jahr 2009 allein 50 Arbeitstage dem Leerlauf geopfert werden mussten. Zählt man noch den Faktor der schwach ausgeprägten Führungsqualitäten dazu, ergibt sich insgesamt ein Wert von 64 Tagen. Soll heißen: Zwei von drei unproduktiven Tagen gehen ausschließlich auf die Kappe von Führungskräften. Fehlende Arbeitsmoral und mangelnde Qualifikation der Mitarbeiter fallen dabei weitaus weniger ins Gewicht. Allein auf Mitarbeiterseite anzusetzen um die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, sei jedenfalls der falsche Weg, ist Co-Studienautor Werner Girth überzeugt: „Weder technologische Aufrüstung noch sturer personeller Abbau können Unternehmen aus der Produktivitätsfalle retten, jedenfalls nicht ohne grundlegende Veränderung des Verhaltens aller Führungskräfte.“

Führungskräfte sollen gestalten, nicht verwalten

Der Grund für das schlechte Abschneiden der Führungskräfte liege darin, dass diese vier Fünftel ihrer Arbeitszeit eben nicht für Gestaltung, sondern für Verwaltungstätigkeiten aufwenden (müssen). Die Zahlenwerte: 44 Prozent der Arbeitszeit von leitenden Angestellten wird für administrative Tätigkeiten verwendet, weitere 20 Prozent werden im Schnitt für Arbeiten verplant, die eigentlich auch ein Mitarbeiter erledigen könnte. Weitere 17 Prozent der Zeit sei noch verfügbar. Lediglich ein knappes Fünftel der Zeit (19 Prozent) wird tatsächlich für Gestaltungs- und Führungsaufgaben verwendet.
Ziel müsse es sein, das Verhältnis Gestaltung-Verwaltung nachhaltig zu verändern, betonen die Experten. Durch sinnvolleren Einsatz von Führungskräften könne die Produktivität im Unternehmen um 10 Prozent gehoben werden, so die Studienautoren.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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