Management vs. Familie: Junge Chefs wollen den Teufelskreis durchbrechen

von in Arbeitsmarkt, HR am Dienstag, 3. Juni 2014 um 10:36

Manager heute sind nicht so, wie jene von gestern oder vorgestern. Denn immer öfter und vor allem immer lauter kommt er ans Licht: Der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie. Und immer häufiger wird diesem Wunsch auch nachgegangen. Eine Reihe von persönlichen Interviews mit Betroffenen zeigt nun auf, welchen Einfluss das neue Selbstbewusstsein der jungen Vorstände auf die Arbeitswelt hat.

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Was für junge Manager zählt

Der Chef als Peitschenknaller ist out. Andere Werte und Vorstellungen von der richtigen Unternehmensführung treten dafür in den Vordergrund. Neben der Work-Life-Balance legen junge Manager immer mehr Wert auf:

  • teamfähiges Führen
  • offene Kommunikation
  • wertegetriebenes Verhalten

So weit, so gut. Auf der anderen Seite ist die Überzeugung, dass nur außergewöhnliches persönliches Engagement einen Aufstieg der Karriereleiter möglich macht, nach wie vor groß. Zu diesen Ergebnissen kommt die Auswertung von insgesamt 76 Interviews mit jungen Vorständen von Haniel und Kienbaum.

Freie Wochenenden? Meist Fehlanzeige!

Work Life BalanceDer Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie bzw. einer generell höheren Work-Life-Balance wird auch in der Führungsetage lauter und lauter. Wunsch und Wirklichkeit liegen hierbei jedoch oft weit auseinander, wie folgende Fakten zeigen: Einerseits arbeiten die jungen Vorstände im Schnitt in einer 60-Stunden-Woche, nur 38 Prozent gaben an, an den Wochenenden auch tatsächlich frei zu haben. Andererseits beschreibt ein Großteil der Befragten geordnete Familienverhältnisse als sehr wichtig für die Karriere. 30 Prozent sind mit ihrer Situation selbst unzufrieden, weitere 40 Prozent gaben an, dass ihre Partner bzw. Partnerinnen unzufrieden mit der aktuellen Situation sind.

„Wertegerüst verändert sich“

stephan gemkow

Stephan Gemkow

„Außergewöhnliches Engagement bleibt die zentrale Grundvoraussetzung für den Weg an die Unternehmensspitze. Allerdings verändert sich auch bei jungen Top-Managern das Wertegerüst: Familie und Balance gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dies hat erhebliche Konsequenzen auf die Unternehmensführung, von der Kommunikation über die Rekrutierung bis zu Karrieremodellen oder Vergütungs- und Anreizsystemen, denen sich Unternehmen heute stellen müssen“, kommentiert Stephan Gemkow, Vorstandsvorsitzender bei Haniel, die Studie.

Der Manager von heute: Im Spannungsfeld

Junge ManagerDass sich die Karrierewege verändern, und Unternehmen darauf reagieren müssen, zeigen auch die weiteren Gesprächsauswertungen. So hat die eindeutige Mehrheit (79 Prozent) der Manager bereits ein- oder mehrmals den Arbeitgeber gewechselt, 76 Prozent kommen sogar aus einer anderen Branche. Karriere in nur einem Unternehmen hingegen ist heute eher die Ausnahme. „Selbstbewusstere Führungskräfte mit breiterem Erfahrungsschatz, die sich jedoch in einem noch stärkeren Spannungsfeld zwischen beruflichen und privaten Anforderungen befinden.“ So könnte man den Manager von heute in einem Satz beschreiben. Und dies bleibt nicht ohne Auswirkungen, so Peter Sticksel, Personalleiter bei Haniel: „Die Entwicklungen, die aus der Gesprächsreihe klar zu erkennen sind, werden sich in der kommenden Generation der Top-Manager noch deutlich verstärken. Das müssen wir aufnehmen und bereits heute in unserer Führungskräfteentwicklung und gesamten Personalarbeit berücksichtigen.“

Bildnachweis: rangizzz /Quelle Shutterstock, A.KaZaK /Quelle Shutterstock, Pressmaster /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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