Chefsache: Zu viel Macht kann Effizienz und Teamplay im Weg stehen

von in Arbeitsleben am Freitag, 4. November 2016 um 11:36

Sprichtwörtlich verderben zu viele Köche den Brei und auch im Arbeitsleben haben viele das Gefühl: Je mehr aus der Führungsetage an einer Sache werken, desto schlechter geht die Sache aus. Zu viel Macht an einem Ort – kann das einer Sache tatsächlich abträglich sein? Dieser Frage gingen Forscher nach, die Plattform Forschung erleben hat sich das genauer angesehen.

Gescheiterte Verhandlungen, in den Sand gesetzte Projekte – das gehört zum Business und kann auch in der Politik immer wieder beobachtet werden. Aber: Scheitern Vorhaben eher, wenn Personen mit viel Macht zusammen daran arbeiten? Sind die erzielten Resultate schlechter, wenn „die von ganz oben“ zusammen daran werken?

Macht: Gut für Einzelne, schlecht für die Gruppe

Interessant ist die Frage deshalb, weil Forschungsergebnisse darauf hinweisen, dass die individuelle Leistung durch das Innehaben von Macht erhöht werden kann. Das Gefühl von Macht führt dann dazu, kreativer zu werden und Informationen effektiver zu verarbeiten. Wenn mächtige Personen alleine arbeiten, können sie sich außerdem längere Zeit gut auf eine Aufgabe konzentrieren. Wenn die invididuelle Leistung durch Macht steigt – sollte demnach nicht auch eine Gruppe aus mächtigen Personen leistungsfähiger sein?

Dieser Frage gingen die Forscher John Hildreth und Cameron Anderson in ihren Studien nach. Versuchsteilnehmer mussten dafür zu zweit einen möglichst hohen Turm bauen. Nach dem Zufallsprinzip durfte eine Person die Arbeit der anderen bewerten und am Ende auch bestimmen, wie viel Geld diese dafür bekommen sollte. Durch die Bewertung sollte ein Gefühl von viel bzw. wenig Macht hervorgerufen werden. Danach wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt: Diejenigen, die beim Turmbau viel Macht hatten und jene, die bewertet wurden und so wenig Macht hatten. Beide Gruppen mussten dann verschiedene Aufgaben lösen, z.B. kreative Nutzungsmöglichkeiten für einen Ziegelstein finden. Das Ergebnis: Die Gruppe der Mächtigen schnitt schlechter ab. Scheinbar senkt Macht die Fähigkeit von Mächtigen, mit anderen Personen zusammenzuarbeiten, die ebenfalls das Sagen haben. War für eine Aufgabe viel Koordination notwendig, zeigten die Mächtigen weniger kreative Leistung. Mussten sie sich weniger koordinieren, schnitten sie allerdings besser ab, als die Gruppe der Nichtmächtigen. Schwierigkeiten bereitete der machtvollen Gruppe jedoch, Konsens in einer Verhandlungsaufgabe zu finden.

Warum das so ist? Forscher begründen das so: Innerhalb einer mächtigen Gruppe geht es viel um den eigenen Status und Machterhalt. Erfordert eine Aufgabe viel Koordinationsaufwand, fokussieren sich Mächtige weniger auf die Aufgabe und verteilen Informationen auch weniger effektiv. Macht beeinträchtigt folglich die Fähigkeit, mit anderen mächtigen Personen zusammenzuarbeiten. Scheitert ein Vorhaben, liegt es vielleicht nicht einfach am Projekt oder den individuellen Leistungen, sondern an der Gruppendynamik mächtiger Personen.

Bildnachweis: Ollyy/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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