Lügen machen die Arbeit leichter?
6 von 10 machens täglich

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 8. Juni 2016 um 10:24

„Ja klar hab ich mit dem Projekt schon angefangen – bin schon total gut eingearbeitet und fast fertig!“ Kennt ihr das auch? Kleine Unwahrheiten, die uns den Arbeitstag manchmal um so viel leichter machen und unnötige Auseinandersetzungen mit Chef, Kollegen oder Kunden verhindern. Fakt ist: 60 Prozent aller Angestellten lügen täglich in der Arbeit, wie eine Studie von Viking herausgefunden hat.

Vor allem in stressigen Situationen wächst die Nase schnell. Etwa im Bewerbungsgespräch, wo man des Öfteren versucht ist , sich von seiner besten Seite zu zeigen. Oder besser gesagt: von einer Seite, die man vielleicht auch gar nicht wirklich hat… „Photoshop – ja sicher, kann ich super!“ Immerhin legt man auf Instagram regelmäßig Filter über die Fotos und schneidet hie und da was weg – so viel mehr kann das dann ja wohl nicht sein.

Die Welt der Lügen ist eine recht große: Von sogenannten „weißen Lügen“, die man gerne äußert, um andere zu schützen, über kleine Notlügen bis zu regelrechten Täuschungen (z.B. im Lebenslauf). Bei Viking hat man das Thema „Lügen am Arbeitsplatz“ in einer Umfrage mit über 500 Teilnehmern genauer unter die Lupe genommen. Was dabei herausgekommen ist, lässt uns so manches mit anderen Augen sehen: mehr als 60 Prozent lügen täglich in der Arbeit.

Wer lügt mehr? Männer oder Frauen

Laut eigenen Angaben haben weibliche Mitarbeiter eher einen Hang zu Unwahrheiten, denn 66 Prozent der Frauen geben in der Studie an, mindestens einmal täglich im Büro zu lügen. Die männlichen Teilnehmer schätzten sich da ehrlicher ein: 39 Prozent würden nach eigenen Angaben nie im Beruf lügen. Interessant: Auf die Frage „Denken Sie, dass Sie immer ehrlich in Ihrem Arbeitsumfeld sein können?“ haben nur knapp die Hälfte der weiblichen Teilnehmer mit „Ja“ geantwortet. Im Vergleich dazu fühlen sich Männer wohl nicht so sehr unter Druck gesetzt, um flunkern zu müssen: Immerhin 65 Prozent gaben an, dass sie immer ehrlich und offen sein können.

Weniger Gehalt – weniger Anlass für Lügen?

Anscheinend steht mehr Geld in direkter Verbindung mit dem Bedürfnis, des Öfteren auf Lügen zurückzugreifen. 70 Prozent der Top-Verdiener (Jahresgehalt € 40.000+) geben zu, dass sie mindestens einmal täglich im Job lügen. Diese Angaben stimmen auch mit dem Ergebnis überein, dass ein Drittel der befragen Arbeitnehmer in gut bezahlten Jobs nicht das Gefühl hat, ehrlich sein zu können. Mehr als die Hälfte der Wenigverdiener sehen laut eigenen Angaben seltener die Notwendigkeit, unaufrichtig zu sein. 52 Prozent behaupten sogar, niemals in der Arbeit zu lügen. Daraus lässt sich ein gewisser Zusammenhang zwischen der Verantwortung im Beruf und der Ehrlichkeit ableiten.

Lügen in der Arbeit nach Gehalt

Warum sind wir so verlogen?

Der „Umgang mit schwierigen Kunden“ wird von mehr als einem Drittel der Befragten mit höherem Einkommen als Grund für Lügen angegeben. Die gehaltstechnisch darunter Eingestuften würden die Wahrheit eher „beschönigen“, um einer unangenehmen Situation mit einem Kollegen aus dem Weg zu gehen. Letzteres ist auch für jede vierte Frau der Grund für eine kleine Notlüge.

Lügen Geschlechterunterschied

Was das für den Arbeitgeber heißt?

Als Arbeitgeber solle man sich fragen: Ist unsere Unternehmenskultur offen genug, um auch Probleme anzusprechen oder muss man sich als Mitarbeiter bei einer kleinen Unregelmäßigkeit gleich vor Konsequenzen fürchten? Je offener hier Teamleiter und Geschäftsführer Problemen begegnen, umso geringer wird das Bedürfnis der Mitarbeiter sein, auf Lügen auszuweichen.

Dass die meisten Teilnehmer der Viking Studie Lügen nicht dazu nutzen, um schlechte Leistungen zu verbergen oder sich das Leben zu erleichtern, sollte hierbei unbedingt als positiv hervorgehoben werden. Der Grund für eine kleine Notlüge ist in den meisten Fällen ein recht verständlicher: Man möchte es einfach allen recht machen.

Übrigens auch ein Klassiker im zwischenmenschlichen Arbeitsuniversum: „Heute Abend Teamevent? Ach, da kann ich leider nicht – da hab ich schon seit zwei Monaten einen wichtigen Termin eingetragen.“ Manchmal tut man sich und seinen Kollegen auch einen Gefallen, wenn man ein gemeinsames After-Work-Treffen aufgrund von Terminkollisionen absagt, als zuzugeben, dass man die Zeit lieber mit anderen Leuten verbringt oder es vorzieht, auf der Couch zu liegen und ein gutes Buch zu lesen.

 

Das meinen die Kollegen also wirklich…

Viking hat hier ein paar alltägliche Büro-Floskeln inklusive „Übersetzung“ in ein Video gepackt – vom Bewerbungsgespräch bis zum Umgang mit stressenden Kollegen. Das meinen die also wirklich…

 

Bildnachweis: pathdoc/Shutterstock; Viking

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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