Unterlobt und überarbeitet – Jeder dritte Arbeitnehmer wird nie vom Chef gelobt

von in HR am Freitag, 18. März 2011 um 13:40

Fehlendes Lob von Führungskräften ist ein Dauerbrenner in fast jedem Unternehmen. Jedem Arbeitnehmer tut es gut, wenn er nach einer harten Woche mit „Gute Arbeit beim Projekt XY“ ins Wochenende verabschiedet wird. Wie eine aktuelle Erhebung aus Deutschland nun zeigt, dürfte der größte Teil der Vorgesetzten jedoch mit anerkennenden Worten an ihre Untergebenen aber relativ sparsam sein. Frei nach dem Motto: „Nicht geschimpft ist Lob genug.“

Natürlich ist Lob immer ein zweischneidiges Schwert. Dass es für die Motivation der Belegschaft absolut unumgänglich ist, steht fest. So zeigt beispielsweise der Gallup Engagement Index, über den wir vor einigen Wochen berichtet haben, sehr deutlich, wie es um die Arbeitsmotivation in den Betrieben bestellt ist. Dass nämlich zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer angaben, sich lediglich „gering ans Unternehmen gebunden“ zu fühlen, sollte Führungskräften zu denken geben. Gerade auch deshalb, weil aus der Studie hervorgeht, dass die Werte zu wesentlichen Teilen auf Fehlverhalten von unmittelbaren Vorgesetzten zurückzuführen seien.

Andererseits will die Disziplin „Mitarbeiterlob“ von Führungskräften auch beherrscht sein: Denn dass man mit Lob auch durchaus manipulieren kann, betonen nicht nur Psychologen immer wieder.

Die Kölner Beratungsgesellschaft ServiceValue beschäftigte sich nun in einer Studie mit dem Thema Lob. Und die Ergebnisse der Untersuchung zeigen relativ klar auf, dass ein großer Teil der Arbeitnehmer ohne irgendeine Form des positiven Feedbacks vor sich hin werken (müssen). Zwar bezieht sich die Erhebung auf Deutschland, dürfte jedoch in ihren Grundtendenzen auch für Österreich aussagekräftig sein.

Kein Lob demotiviert Team

Kernaussage der Umfrage unter 2.000 Arbeitnehmern: Jeder dritte Arbeitnehmer erhält kein ernstzunehmendes Lob von Vorgesetzten. Besonders sparsam mit Lob sei man im Verkehrswesen (39 Prozent), der Industrie (37 Prozent), der Finanzwirtschaft (33 Prozent) und im Handel (32 Prozent), so die Studie. Großhandel (20 Prozent), Energiewirtschaft (21 Prozent) und die Beratungsbranche mit 23 Prozent bilden die andere Seite der Statistik – in diesen Bereichen fühlt sich nur jeder fünfte Arbeitnehmer „ungelobt“.

Ein gefährliches Spiel, betont Nienke van der Veen von ServiceValue: „Keine Kritik an die Mitarbeiter ist für viele Chefs schon genug Lob. Dies demotiviert aber nicht nur das Team, sondern spricht auch dafür, dass der Vorgesetzte mit seinen Führungsaufgaben überfordert ist.“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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