Lesestoff zum Wochenende: „Überzeugend leise!“

von in Arbeitsleben am Freitag, 6. Dezember 2013 um 11:25

Leise und erfolgreich schließen sich nicht aus, im Gegenteil. So könnte man die Botschaft von dem Buch „Überzeugend leise“ zusammenfassen. Die Autorin Chris Wolf erklärt im Interview, weshalb leise Menschen nicht nur oft unterschätzt werden, sondern auch dazu neigen, sich selbst zu unterschätzen. Sie zeigt auch auf, wie introvertierte Menschen schwierige Situationen im Berufsalltag leichter meistern können.

Übrigens: Wir verlosen wieder drei Bücher – mehr dazu unten!

Weitere Artikel zum Thema

Leise Menschen erzeugen auch bei Erfolgen weniger Wirbel

Es gibt keine Belege dafür, dass extravertierte Menschen erfolgreicher wären. Weshalb denken Sie, sind dennoch viele (vor allem leise) Menschen dieser Meinung?

Chris Wolf

Chris Wolf

Chris Wolf: Ganz einfach: Die leisen Menschen vertonen vermutlich auch ihre Erfolge leiser und erzeugen dadurch weniger Wirbel.  Wir reden hier über Menschen, die eher nachdenken und noch einmal nachdenken, bevor sie etwas sagen. Diese Eigenschaft macht schnelle und laute Eigenwerbung schwierig. Zusätzlich gibt es im Arbeitsleben in vielen Bereichen eine soziale Norm, die Richtung Extraversion deutet. So sind häufig Situationen in Bewerbergesprächen oder Assessment Centers recht eindeutig auf extravertierte Menschen zugeschnitten. Alleine dadurch kann bei uns der Eindruck leicht entstehen.

„Viele glauben, sie müssten mehr aus sich herausgehen“

Sehen Introvertierte ihre Eigenschaften Ihrer Meinung nach eher als nachteilig an? Wieso?

extravertiertChris Wolf: Das ist sicher sehr unterschiedlich. Ich fürchte, es gibt eine ganze Reihe von Introvertierten, die glauben, sie müssten mal „mehr aus sich herausgehen“ oder einfach „mal emotionaler sein“ und dass ihre leise Art eben nachteilig sei. So haben bestimmt und bedauerlicherweise viele leise Menschen den Wunsch, lieber extravertiert sein zu wollen. Die Ursachen dafür sehe ich wiederum in der Norm zur Extraversion, die ich wahrnehme.

Stichwort „Schwarz-Weiß Denken“ – Was ärgert Sie persönlich am Umgang mit diesem Thema?

Chris Wolf: Ich glaube, dass Authentizität für sehr viele Jobs mit hohen kommunikativen Anteilen ein extrem wichtiger, wenn nicht der allerwichtigste Erfolgsfaktor ist. Damit meine ich, dass man sich traut, zu sich zu stehen und seine unverwechselbare Persönlichkeit mit Herzblut in die Arbeit einzubringen um dadurch erfolgreich  zu sein. Wenn einem die Außenwelt Glauben macht, es sei etwas nicht in Ordnung mit einem,  man müsse sich ändern oder verstellen, dann kann man eben nicht so erfolgreich sein, wie es möglich wäre. Mich ärgert es, wenn jemand glaubt, dass er nicht zu seiner Vorliebe stehen darf und kann.

„Beispielsituationen, in denen ich wütend werde“:

  • Wenn ein Vertriebsmitarbeiter „mal an seiner Emotionalität arbeiten soll“ – dabei hat er einfach eine andere emotionale Amplitude und viel Leidenschaft für sein Thema!
  • Wenn ein Manager in Meetings „mal mehr aus sich heraus gehen soll“, um mehr zu bewegen und einfach visibler zu sein, dabei hat er einfach ein anderes Timing und positioniert seine Themen höchst erfolgreich, wenn man ihn lässt.
  • Wenn ein Mitarbeiter zum Schlagfertigkeitstraining als Zwangsbeglückung geschickt wird, dabei hat er einfach einen leisen Humor, der höchst attraktiv ist, wenn man denn Zugang dazu hat.

Im Arbeitsalltag: Welche Situationen gibt es, die introvertierten Menschen meist schwer fallen?

schuechternChris Wolf: Häufig fallen leisen Menschen Situationen schwer, in denen sie schnell und oberflächlich mit vielen anderen Menschen zu tun haben. „Viel“ kann dabei für leise Menschen durchaus schon bei zwei anderen Personen beginnen. Beispielhaft kann das Arbeiten an Messeständen sein oder das „kontakteln“ bei Kongressen. Generell benötigen Personen mit Präferenz für Introversion etwas mehr Anstrengung und Energie fürs Netzwerken.  Allerdings könnte das Networking dann auch erfolgreicher sein …

So kann ein leiser Mensch mit Smalltalk umgehen

Haben Sie Tipps für den Umgang mit diesen Situationen?

zuhoeren_lauschenChris Wolf: Natürlich. Es ist extrem hilfreich, zu schauen, wie man mit seinen introvertierten Stärken so mit den genannten Situationen umgeht, dass der eigene Energiehaushalt stimmt und der gewünschte Erfolg eintritt. Das ist das zentrale Thema des Buches. Ein Beispiel: Wenn ein leiser Mensch sich mit dem Smalltalk schwer tut, dann kann er für sich leicht und schnell einen Weg finden, durch geeignete Fragen, die seine Zuhörfähigkeit gut zum Einsatz bringen, mit Smalltalk gut zurecht zu kommen.

„Man braucht beide“

Abschließend: Welchen Tipp würden Sie Extravertierten oder Introvertierten für den richtigen Umgang miteinander mitgeben?

Chris Wolf: Das ist einfach: Alltag und auch Arbeit funktionieren am schönsten und erfolgreichsten, wenn man sowohl mit Extravertierten als auch mit Introvertierten  zu tun hat. Man braucht beide und tatsächlich realisieren ohnehin die meisten Menschen sowohl intro- als auch extravertierte Anteile.  Ein guter Tipp ist, sich mit den Besonderheiten von leisen und lauten Menschen einmal auseinanderzusetzen und dann mit mehr Verständnis mit Introvertierten und Extravertierten umzugehen.

Zur Person: Chris Wolf

Chris Wolf arbeitet als Diplom-Psychologin seit über fünfzehn Jahren in Beratung und Training. Themen aus Marketing, Führung, Verkauf und Kommunikation mit Patienten/Angehörigen sind dabei das Thema. Die eigene Präferenz für Introversion löste das Interesse für das Thema aus und führte zu ihrer Expertise über introversionsgerechte Trainingsmethoden und Kommunikationsmittel.

cover_leiseZu Gewinnen: Drei Ausgaben von “Überzeugend leise“”

Einfach bis 15. Dezember 2013 eine E-Mail mit dem Betreff „Leise“ an marketing@karriere.at senden. Die drei Bücher werden unter allen Einsendungen verlost – der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Bildnachweis: Chris Wolf, Johan Swanepoel / Quelle Shutterstock, dreamerve / Quelle Shutterstock, Champion studio / Quelle Shutterstock

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren