Lückenfüller im Lebenslauf: Lügen verboten!

von in Bewerbung, Jobsuche am Mittwoch, 2. März 2011 um 14:17

Wer einmal lügt dem glaubt man nicht. Bestes Beispiel aus der Karrierewelt: Der deutsche Neo-Ex-Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg, der über seinen offenbar zu Unrecht erworbenen „Dr.“ purzelte. Er zog die Konsequenzen – und gab seinen Job auf. Dass ehrlich am längsten währt, gilt jedenfalls auch in weitaus weniger gehobenen Berufsschichten. Wer beispielsweise in seinem Bewerbungsschreiben den Lebenslauf schönt oder gar allfällige Lücken im CV phantasievoll stopft, riskiert viel. Wie also mit Arbeitslosigkeit, Krankheiten und „Auszeiten“ im Lebenslauf umgehen?

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Da stehen sie nun im Lebenslauf, diese drei verdammten Monate. Schwarz auf weiß: „Arbeitslos“. Nicht gerade prickelnd für den Personalchef, der das Bewerbungsschreiben in Kürze in Händen halten soll. Was tun? Ganz auslassen? Oder gar etwas erfinden, frei nach dem Motto „Werden sie schon nicht nachprüfen…“?

Den CV ein bisschen schönen?

Achtung: Sehr dünnes Eis, auf das sich Märchenerzähler begeben! Übersteht man mit dem gefälschten Curriculum Vitae nämlich gar noch das Vorstellungsgespräch ohne aufzufliegen, so lauern im Berufsalltag noch tausende Chancen, bei denen man über seinen Fake-Lebenslauf stolpern kann. Oder aufgedeckt wird – denn frustrierte oder neidische Kollegen lauern überall. Gerade wenn diese sich selbst lieber auf dem begehrten Posten sehen. Also besser bei der Wahrheit bleiben. Oder noch besser: Die Wahrheit sagen und optimal formulieren, taktisch klug handeln und auf alles vorbereitet sein.

Leitfaden: Lückenfüller im Lebenslauf

Arbeitslosigkeit

Jänner 2010-April 2010: Arbeitslos. – Auch wenn es stimmt: Eine Formulierung wie diese wertet den Lebenslauf nicht unbedingt auf. Versucht Zeiten, in denen ihr auf der Suche nach einem neuen Job wart, so positiv wie möglich darzustellen: „Arbeitssuchend“ klingt auf jeden Fall besser als „Arbeitslos“. Denn jeder Personalchef weiß auch: Wer eine Stellensuche aktiv und engagiert betreibt, ist alles andere als untätig. Und ein solches Engagement ist auch durchaus erwähnenswert. Fällt die letzte Arbeitssuche in die  Zeiten vergangener „Krises“, so ist die Zeit ohne Job auch leichter argumentierbar. Das gilt gerade, dann wenn ihr bei einer bekannten Firma gearbeitet habt, die schließen musste, umstrukturiert wurde oder wo der Personal-Rotstift mit medialer Aufmerksamkeit angesetzt wurde.
Habt ihr in der Zeit Ihrer Arbeitssuche Kurse, Aus- und Weiterbildungen absolviert, euch ehrenamtlich engagiert oder sogar geringfügig im Rahmen eurer Fähigkeiten gearbeitet, so ist das ein weiterer Beweis eurer Aktivität. In diesem Fall könnt ihr die Monate ohne Job auch gut als „berufliche Neu- oder Umorientierung“ deklarieren.

Arbeitgeber-Kündigung

Noch mehr Fingerspitzen-Gefühl erfordert es, wenn ihr den Job aus eigenem Verschulden verloren habt und nicht, wie oben beschrieben, aus wirtschaftlichen Zwängen des Unternehmens heraus. Für die Bewerbung und den Lebenslauf bedeutet das: Schweigepflicht über Betriebs-Interna! Denn resultiert die Kündigung beispielsweise aus persönlichen Differenzen mit dem ehemaligen Chef, so schwingt für einen Personalverantwortlichen  – selbst wenn ihr recht habt oder euch im Recht fühlt – stets eine Prise „Querkopf“ mit. Innerbetriebliche Spannungen, Mobbingvorwürfe und dergleichen also im schriftlichen Lebenslauf keinesfalls anführen und die Zeit der Umorientierung so darstellen, wie im vorangegangenen Punkt beschrieben.

Krankheit

Längere Krankheitsphasen, die eine geregelte Arbeit nicht zulassen, sollte man ebenfalls angeben, da auch diese auf lange Sicht nicht verborgen bleiben. Allerdings gilt hier ebenfalls: Nicht die konkrete Krankheit angeben, sondern als „längere Krankheit“ oder „Karriereunterbrechung aus gesundheitlichen Gründen“ anführen. Sollte die Erkrankung im darauffolgenden Bewerbungsgespräch dann explizit angesprochen werden, so habt ihr besonders bei Krankheitsbildern wie Burnout oder Depressionen die Möglichkeit, diese aus eurer persönlichen Sicht darzulegen und zu erklären, welche Rahmenbedingungen es waren, die eure Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen haben.

Weltreise bzw. „Auszeit“

  • Gerade Zeiten zwischen verschiedenen Lebensabschnitten wie nach der Matura, zwischen Wehr-/Zivildienst und Studienbeginn oder nach dem Studienabschluss sind beliebte Zeiten, um sich eine „Auszeit“ zu gönnen – oft verbunden mit längeren Auslandsaufenthalten. Solche redlich „verdienten“ Ziele können im Lebenslauf ohne größere Bedenken angeführt werden, vor allem wenn sie offensichtlichen Zusatznutzen und vertiefendes Wissen für das eigene Berufsbild geben (Sprachaufenthalte etc.).
  • Auch längere Reisen, die nicht in diese „klassischen Auszeit-Zeiten“ fallen, sollte man jedenfalls angeben. Sollte man im Bewerbungsgespräch dann auf die Motivationen dafür angesprochen werden, so gilt es auch hier, Diplomatie walten zu lassen: „Mich hat der Job schon so angekotzt und deshalb bin ich für drei Monate einfach abgehauen…“, solltet ihr in eurer Erklärung besser ersetzen durch: „Die Phase meiner beruflichen Neuorientierung habe ich für diese Auslandsreise genützt, die schon lange ein Lebenstraum von mir war.“ – Sprich: Sie vermitteln dem Personalverantwortlichen, dass ihr euren langjährigen Wunsch vernünftigerweise in eine Phase des beruflichen Stillstandes verlagert haben und nun mit neuer Kraft im neuen Job durchstarten möchtet.

Bildnachweis: file404/Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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