Laufsteg Büro – Kann man zu sexy für einen Job sein?

von in Arbeitsleben am Montag, 23. August 2010 um 09:43

Frauen, die gut aussehen, haben es schwer. Zumindest wenn sie sich um Jobs in klassischen Männerdomänen bewerben, besagt eine aktuelle Studie aus den USA. Und spätestens seit jener US-Bankerin, die dieses Jahr medienwirksam gefeuert wurde, weil sie mit ihrem Sexappeal den männlichen Kollegen die Konzentration auf die Arbeit raubte, liegt die Frage auf dem Tisch: Kann man oder vor allem frau auch zu heiß für einen Job sein? karriere.at hat nachgefragt, und zwar bei unserer Expertin, Karriere.Coach Andrea Starzer.

Kaum zu glauben: Man kann zu schön für die eigene Bilderbuch-Karriere sein! Schenkt man einem Fachartikel im US-amerikanischen Journal of Social Psychology über eine Studie der Universität von Columbia Glauben, haben es attraktive Frauen in klassischen Männerberufen weitaus schwieriger als ihre männlichen Mitbewerber. In der Untersuchung wurden 60 Studenten Fotos von 200 angeblichen Jobsuchenden vorgelegt, die sich für Stellen in 26 Berufen beworben hatten – vom Nachtwächter bis zum Forschungsdirektor. Ergebnis: Je schöner die Frau, umso weniger trauten die Befragten ihr den Job als Finanzvorstand, Ingenieur, Forschungsdirektor oder Baustellenleiter zu. Wenn aber ein Mann gut aussehe, werde er in allen Bereichen gegenüber seinen weniger attraktiven Mitbewerbern vorgezogen. Soweit die Studie.

Inwieweit trifft sie aber die Realität? Wir fragten bei karriere.at-Job.Coach Andrea Starzer nach und sprachen mit ihr über gutes Aussehen, das zur Karrierefalle wird, sexy Männer und das passende Job-Outfit.

karriere.at: Ist der Ansatz der US-Studie plausibel – kann Attraktivität einer Frau bei der Bewerbung schaden, weil sie bei Vorgesetzten oft Klischees hervorrufen?

Andrea Starzer: Diesem Ansatz stimme ich nur bedingt zu. Es liegt an der Bereitschaft der Unternehmensleitung hier Bedingungen für Frauen in traditionellen Männerberufen zu schaffen. Das heißt: Wichtig ist auch Info an die Männerbelegschaft, Sanktionen positiv wie negativ ankündigen und Arbeitsregeln festlegen und kontrollieren.  Wichtig ist von Seiten der Frauen jedoch, darauf zu achten, dass mit Herz und Hirn gepunktet wird und nicht ausschließlich mit Attraktivität.

karriere.at: Dieselbe Studie besagt, dass attraktive Männer jedoch bei jeder Stelle bevorzugt werden. Warum ist das so?

Starzer: Ich denke, es hängt sehr davon ab, um welche Position es sich handelt, ob die Attraktivität eine wichtige Rolle spielt. In diesem Zusammenhang wird sie vielleicht mit gepflegtem, vertrauenswürdigen Auftreten verwechselt.

karriere.at: Jedem ist noch der Falle jener New Yorker Bankerin im Gedächtnis, die im Frühling gekündigt wurde, weil sie mit ihren sexy Outfits angeblich ihre Kollegen vom Arbeiten abhielt. Wie sexy darf man im Job sein?

Starzer: Ich denke, es ist mitunter Führungsaufgabe, Mitarbeitern und MitarbeiterInnen, die Bekleidungsvorschriften „verletzen“, entsprechend zu unterweisen, wenn dieser Eindruck entsteht. Man weist ja auch darauf hin, dass im Geschäftsbereich nicht gegessen werden soll. Warum also hier besondere Scheu zeigen?

karriere.at: Wie lässt sich herausfinden, welches Outfit bei der Bewerbung angemessen ist?

Starzer: Bereits beim Erstkontakt, das kann schon am Empfang sein, „erlebt“ man etwas von der Kultur des Unternehmens. Tritt der Personalist in Jeans auf, sagt es genauso viel aus, wie wenn der Verkaufsleiter im Anzug erscheint. Meine Empfehlung an Bewerber: Machen Sie sich schlau! Schauen Sie sich unter anderem den Internetauftritt des Unternehmens an, um auch zu erleben, ob Sie zu dieser Firmenkultur passen. Wenn Sie unsicher sind, was Sie im Unternehmen erwarten wird, fragen Sie den Personalisten!

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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