Kündigung & Co.: „Personaler kommen oft zum Negativ-Handkuss“

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt, HR am Dienstag, 12. März 2013 um 09:54

Scheiden tut weh. Auch oder gerade dann, wenn es um eine berufliche Trenunng geht. Das Thema Offboarding ist kein einfaches – egal ob Kündigung, Pensionierung oder freiwilliger Abgang. Betroffen sind immer zwei Seiten: Die Arbeitnehmer selbst und oft auch jene Personen, die Kündigungen aussprechen. Das sind noch dazu oft die Falschen, wie Offboarding-Experte Norbert Kiesling im Interview erklärt. „Personaler müssen sich auf die Füße stellen“, tritt er für professionelleres Offboarding-Management in heimischen Unternehmen ein.

Eine Kündigung hat meist massive Auswirkungen

Egal ob Kündigung, Stellenabbau oder Pensionierung – beim Ausscheiden von Mitarbeitern kann sehr viel schief laufen. Müsste es aber nicht. Doch im Gegensatz zum Onboarding – dem Empfangen neuer Mitarbeiter – wird das Offboarding oft grob vernachlässigt. Vielleicht gibt es noch Regeln für das technische Offboarding wie etwa die Rückgabe von Diensthandy oder Laptop, selten aber für den Menschen dahinter. Wie folgendes Interview zeigt, ist dies jedoch von großer Bedeutung – egal, ob ein Job freiwillig, durch Kündigung, Stellenabbau oder Pensionierung zu Ende geht.

Wieso sind Kündigungen so ein heikles Thema?

Norbert Kiesling

Norbert Kiesling: Der Beginn einer Beziehung ist normalerweise immer freundlich und beim Auseinandergehen hat man sich bereits irgendwo auseinandergelebt, aus welchen Gründen auch immer. Eine Trennung fällt in der Regel schwerer, weil sich die Unterschiede hervortun. Interessens- und Zielkonflikte sind das Thema und es geht um die Frage, wie damit umgegangen wird.

Wie sind heimische Unternehmen beim On- bzw. Offboarding aufgestellt?

Norbert Kiesling: Der höhere Prozentsatz nimmt natürlich freundlicher auf, hat dafür sogar Programme vorgesehen. Beim Ausscheiden (Kündigung, Pensionierung) währenddessen wird viel zu wenig gemacht. Da muss noch der Unterschied gemacht werden zwischen internationalen und rein österreichischen Unternehmen: Bei letzteren ist es so, dass sich sehr wenige strategisch mit Offboarding-Prozessen beschäftigen.

Warum ist Offboarding-Management wichtig?

Norbert Kiesling: Aus verschiedensten Gründen. Zum einen muss man davon ausgehen, dass es für das Unternehmen auch eine soziale Verantwortung gibt. Und zwar unabhängig davon, wie lange ein Mitarbeiter bei dem Unternehmen beschäftigt war. Denn wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel 15 Jahre für das Unternehmen tätig war, dann muss es ja einen Zeitraum gegeben haben, wo es gepasst hat, wo er konstruktiv etwas für das Unternehmen gebracht hat. Dass man sich aus den unterschiedlichsten Gründen auseinander gelebt hat ist ein zweites Kapitel, mit dem man auch verantwortungsvoll umgehen muss. Das zweite wesentliche Thema ist sicherlich, dass ich mich um das Unternehmensimage sorge: Ich möchte, dass der Mitarbeiter, der das Unternehmen verlässt, später auch gut darüber spricht. Zudem ist es wichtig für die bleibenden Mitarbeiter zu sehen, dass respektvoll mit ihren scheidenden Kollegen umgegangen wird.

„Die Konsequenz für den Mitarbeiter ist die gleiche: Er hat keine Arbeit“

Besteht dabei ein großer Unterschied, wer weshalb kündigt?

Norbert Kiesling: Nein, denn am Ende des Tages ist die Konsequenz für den Mitarbeiter die gleiche. Er hat keine Arbeit – aus welchen Gründen auch immer. Wichtig ist die Frage: Wie wird es kommuniziert? Weiters ist es wichtig, die Mitarbeiter rechtzeitig in Empfang zu nehmen und ihnen dabei zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Dies muss rasch passieren, ist vielleicht auch schon während einer Freistellung sinnvoll.

„Schlecht ist immer, wenn es auf das Personalbüro abgeschoben wird“

Worauf sollten die Unternehmen beim Offboarding-Prozess Acht geben?

Norbert Kiesling: Ein Großteil der Verantwortung liegt hier bei der direkten Führungskraft im Unternehmen selbst. Wichtig ist hier die Vorkommunikation. Schlecht ist immer, wenn es auf das Personalbüro oder die Personalisten abgeschoben wird, die schlechte Nachricht zu überbringen. Das Personalbüro kommt in diesem Fall zum Handkuss, es sind jedoch die falschen Beteiligten, die in die Vorgeschichte meist nicht involviert waren. Die entsprechende Führungskraft hat stattdessen zu agieren und die Personalisten müssen sich auf die Füße stellen und von den direkten Führungskräften einfordern, diese unangenehmen Dinge nicht auf sie abzuschieben.

Welche Praxisbeispiele gibt es, wo etwas ganz falsch gelaufen ist?

Norbert Kiesling: Es ist sicherlich jeder Fall individuell anders. Vor allem in der Kommunikation, das ist das Wesentliche, warum es falsch läuft. Dass zu lange mit der Entscheidung zu kündigen gewartet wurde und dass die unterschiedlichen Positionen so weit auseinander gedriftet sind, dass kaum noch eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden ist. Leider ist es oft auch so, dass der Mitarbeiter zu einem sehr späten Stadium die Botschaft erhält, dass zum Beispiel die Leistung nicht mehr passt. Das ist dann problematisch. Die Regel ist jedoch so, dass, wenn auf Offboarding zurückgegriffen wird, es relativ gut abläuft.

Was sagen Sie dazu, dass Mitarbeiter angehalten werden, rechtzeitig ihren Abgang anzukündigen? Ist das in der Realität umsetzbar?

Norbert Kiesling: Ich denke nicht, dass es leicht zu handhaben ist, wenn ein Mitarbeiter den Wunsch äußert, das Unternehmen kurz- oder mittelfristig verlassen zu wollen. Damit es gar nicht so weit kommt, sollte im Unternehmen auf Karriereplanung gesetzt werden. So können Mitarbeiter motiviert und gebunden werden.

„Pensionierung ist psychische Belastung, auf die man sich jedoch einstellen kann“

Zum Thema Pensionierung: Glauben Sie, dass es realistisch ist, dass ältere Mitarbeiter weiter mit ihrem Wissen zur Verfügung stehen?

Norbert Kiesling: Persönlich bin ich davon 100-prozentig überzeugt, dass jedes Unternehmen davon profitieren würde. Ich glaube aber, dass derzeit oft der Verdienst eine Barriere ist. Dabei geht es den Mitarbeitern nicht um Geld sondern darum, weiter involviert zu sein. Ältere können sehr, sehr viel beitragen. Die Pensionierung ist übrigens ein Offboarding, das viel zu wenig thematisiert wird. Kündigungen an sich sind ein schwieriges Thema und wir stellen fest, dass die Leute das psychisch immer schwerer verkraften. Die Pensionierung ist ebenfalls eine psychische Belastung, auf die man sich jedoch schon Jahre einstellen kann.

Zur Person: Norbert Kiesling

Norbert Kiesling ist seit gut einem Jahr Geschäftsführer des Consultingbüros Schuster & Associates. Der HTL-Ingenieur ist nach einer Elektrotechnik-Karriere im Ausland mit 48 Jahren nach Österreich zurückgekehrt, hat Kunstgeschichte studiert und ist über seine Frau, eine Psychotherapeutin und Psychologin, zum Thema Offboarding gekommen. Sein Wissen als Manager gibt der Offboarding-Experte auch in Schulungen weiter.

Bildnachweis: Sharpshutter / Quelle Shutterstock, privat

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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