Kranke Praxis: Angst vor der Kündigung im Krankenstand

von in Arbeitsrecht am Mittwoch, 14. September 2011 um 13:11

„Hallo! Du, was ich dir sagen wollte: Kurier dich 100-prozentig aus! Es hat keinen Sinn, wenn du krank arbeitest. Nur übermorgen brauchen wir dich dann wieder unbedingt.“ Soweit ein im Zug zufällig aufgeschnapptes Telefonat einer Führungskraft mit einer offenbar kranken Mitarbeiterin. Preisfrage: Welche der Anweisungen wird die Rekonvaleszente befolgen? Auskurieren? Oder in zwei Tagen um jeden Preis arbeiten gehen? Wohl eher zweiteres.

Denn dass ein Arbeitnehmer mit einem (längeren) Krankenstand nicht selten am eigenen Kündigungsbaum rüttelt, bestätigte erst dieser Tage wieder eine Arbeiterkammer-Auswertung: Allein in Niederösterreich verloren heuer bereits 1.300 krankgeschriebene Arbeitnehmer ihre Jobs, berichtet Die Presse. Zu viele, um von bedauerlichen Einzelfällen zu sprechen.

Natürlich: Krankheitsfälle setzen Führungskräfte unter Druck, haben diese doch ein festgesetztes Quantum an Output und somit den wirtschaftlichen Erfolg auch im Sinne der Belegschaft zu garantieren.
Doch selbst wenn kranke Mitarbeiter mehr oder weniger freiwillig einer einvernehmlichen Vertragsauflösung zustimmen, kultivieren Unternehmen mit dieser Kranken-Praxis schnell und zu Recht ein breitenwirksames Negativ-Image. Ein Image, das in weiterer Folge sämtliche Anstrengungen zur Mitarbeitersuche erschweren kann: Vom Personalmarketing bis zum Headhunting. Und je größer das Unternehmen, umso größer der mögliche Schaden, da mit der Mitarbeiterzahl auch die Anzahl potenzieller Multiplikatoren steigt. Und gerade Bad News verbreiten sich im Kollegen-, Freundes- und Bekanntenkreis wie Lauffeuer – Stichwort Schneeballeffekt.

Image-Probleme, die ein Unternehmen wohl selten in den wirtschaftlichen Absturz führen werden, gerade wenn es professionell gegensteuert. Ob krank gekündigte Arbeitnehmer die Möglichkeit zum Gegensteuern haben, ist aber fraglich.

Fakt ist jedoch auch: Kündigungsschutz im Krankenstand gibt es in Österreich keinen. Arbeitnehmer haben daher eine Reihe von Punkten zu beachten, wenn sie krankheitsbedingt nicht arbeiten können. Hier geht es zu einem Leitfaden der Arbeiterkammer zu diesem Thema.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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