Kritik vom Kollegen – Wer gackert denn da?

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 9. Dezember 2010 um 10:26

Ein Kollege kritisiert Sie bei jeder Gelegenheit. Bei jeder. Und Ihnen fällt es zunehmend schwer, sich nicht Ihr großes Engagement und Ihren Spaß an der Arbeit nehmen zu lassen. Wie man am besten auf Kritik aus den Reihen der lieben Kollegenschaft reagiert, wie man diesen den Wind aus den Segeln nimmt und warum Kollegen oft wie Hühner denken, erklärt Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger in ihrem heutigen Artikel.

In meinem Beruf bin ich sehr engagiert, aber es gibt einen Punkt, der mir bei Besprechungen zu schaffen macht. Ein Abteilungsleiter, dessen Arbeitshaltung durch geringste Motivation und äußerst wenig Innovation geprägt ist, neigt dazu, ständig meine Ideen und meine Vorgehensweisen zu kritisieren. Mich ärgert dies sehr. Ich möchte weiterhin engagiert und motiviert arbeiten. Wie kann ich damit umgehen?

Bevor Sie entscheiden, ob Sie sich mit Kritik auseinander setzen wollen, ist es wichtig, darauf zu achten, wer die Kritik übt und welche Motive der Kritiker hat. Nicht immer sind Kritiker gute Freunde, die auf Fehler hinweisen.
Giovanni Guareschi hat recht, wenn er sagt: „Ein Kritiker ist eine Henne, die gackert, wenn andere Eier legen!“ Ihr Kritiker scheint sich nicht dadurch auszuzeichnen, dass er ihre Sache besser kann als sie. Er tritt damit in die Fußstapfen vieler Vorgänger: Ähnlich wie ein Fußball-Kritiker, der noch nie in der Bundesliga gespielt hat, kritisiert er munter darauf los, ohne selbst aktiv zu sein. Vielleicht hilft Ihnen dieses Bild von der gackernden Henne, die aus dem Frust heraus gackert, weil sie selbst keine Eier legen kann?

Kritik differenziert betrachten!

Gleichzeitig ist Ihr Kollege ein großes Lerngeschenk für Sie: Möglichweise enthält seine Kritik eine wichtige Information, die noch nicht bedacht wurde. Daher: Vermeiden Sie einen Gegenangriff und vermeiden Sie es, Ihre Ideen zu verteidigen. Gehen Sie einen konträren Weg, versuchen Sie innerlich ruhig zu bleiben und die Kritik distanziert zu betrachten! Zeigen Sie Interesse an den Ideen des Kritikers und fragen Sie erstmals nach. Beziehen Sie Ihren Kollegen ein, in dem Sie sich detailliert schildern lassen, was er konkret anders machen würde. Interessieren Sie sich, woher er die Erfahrung für seine Lösungsvorschläge nimmt und bitten Sie ihn, um konkrete Unterstützung bei der Umsetzung. So wird rasch klar, ob es Ihrem Kritiker wirklich um die Verbesserung der Situation geht, oder ob er aus anderen Motiven handelt. Bei unsachlicher Kritik, die darauf abzielt, Sie als Person zu treffen, ziehen Sie umgehend klare Grenzen.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist klinische und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Leiterin des Fachbereiches Therapie und Prävention des Kinderhilfswerks Österreich. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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