Wenn die Kreativität flöten geht – Wege zu neuer Inspiration

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 24. Februar 2011 um 10:50

Kreativität ist in vielen Jobs der Treibstoff, der den Wagen am Laufen hält. Eine Quelle neuer Ideen, aus der man Tag für Tag selbstverständlich schöpft und über die man erst dann nachdenkt, wenn sie plötzlich nicht mehr sprudelt. Panik. Was tun, wenn Ende der Woche ein Projekt fertig sein soll, die Idee dazu aber noch fehlt? Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger erklärt, wie Kreativität im Unterbewusstsein entsteht, wie man sie hegt, pflegt und Wege zu ihr findet.

Als Art-Direktorin in einer Werbeagentur zählt es zu meinen Hauptaufgaben, kreativ und zielgruppenorientiert Kampagnen umzusetzen. Unsere Agentur ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Ich merke, dass es mir im hektischen Büro-Alltag immer schwerer fällt, kreative Ideen zu entwickeln. Wie kann ich meine Kreativität neu entflammen?

Kreativität ist die großartige Fähigkeit, schöpferisch zu sein und Neues zu erschaffen, das Sinn macht, also etwas zu kreieren, dass es in dieser Form noch nicht gibt und auf die Welt gebracht werden sollte. Das Gute daran: Alle Menschen haben die Anlage, kreativ zu sein. Kreativität entsteht neuropsychologisch in unserer rechten Gehirnhälfte. In unserer Gesellschaft wird aber vor allem die linke Gehirnhälfte trainiert. Sie ist für logisches Denken, Zahlenverständnis und Intellekt zuständig. In der Schule haben wir gelernt, Aufgaben korrekt zu lösen. Kreative Lösungsvorschläge waren oft nicht willkommen.

Kreativität muss man trainieren

Kreativität ist eine Fähigkeit, die trainiert werden muss. Der Kreativitätsprozess verläuft in folgenden Schritten: Zuerst müssen Sie Ihre Aufgabenstellung genau festlegen – am Besten schriftlich: Was genau suchen Sie? Für Kreativität brauchen Sie ein konkretes Ziel. Nur dann weiß Ihr Unterbewusstsein, wonach es suchen soll. Darauffolgt die Phase des „scheinbaren Nichtstuns“. In dieser Phase arbeitet Ihr Unterbewusstsein ganz aktiv. Manche Menschen scheitern in dieser Phase, weil sie zu wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und in die optimale Lösung haben. Lernen Sie, diese Zeit auszuhalten, auch wenn Sie das Gefühl  haben, dass nichts weitergeht.

Kreativität braucht Training

Kreativität braucht Ruhe und Zeit. Die besten Ideen blitzen auf, wenn wir ganz entspannt sind. Daher gilt: Sorgen Sie für Entspannung und Inspiration! Hektik und Kreativität vertragen sich nicht. Wenn ein Gedankenblitz kommt, bringen Sie ihn sofort zu Papier, so verrückt und kreativ er auch sein mag. Es wäre eine Falle, etwas völlig Neues entwickeln zu wollen. Fast alle Erfindungen sind Weiterentwicklungen. Lassen Sie sich von bestehenden Dingen inspirieren! Kreative Prozesse werden auch angeregt, wenn Sie bestehende Routine unterbrechen und etwas ganz anderes tun. Verändern Sie Ihre morgendliche Routine: Verzichten Sie auf die Morgendusche. Gönnen Sie sich ein Bad. Nehmen Sie einen anderen Weg zur Arbeit. Frühstücken Sie in einem Cafe, in dem Sie noch nie waren. Trinken Sie grünen Tee statt Espresso. Sie werden sich wundern, wir Ihre Kreativität ins Laufen kommt, wenn Sie neue Wege beschreiten!

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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