Ja zum Schreibtischchaos! Unordnung fördert die Kreativität

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 15. Juli 2015 um 10:37

Wenn sich Papierberge gefährlich zur Seite neigen, der Stiftbecher überquillt und zahlreiche Post-Its und Kaffeetassen den Arbeitsplatz schmücken, fühlt sich so mancher kreative Geist erst richtig wohl. In einer Versuchsreihe haben Forscher die Vor-und Nachteile von chaotischen oder besonders ordentlichenen Umgebungen untersucht.

Chaos vs. Clean Desk

Kollegen oder Chefs schütteln angesichts des vollgeräumten Schreibtischs die Köpfe: So kann man doch nicht arbeiten. Doch, kann man, denkt der Liebhaber des gepflegten Chaos auf dem Arbeitsplatz. Während die einen ohne aufgeräumte Umgebung nicht arbeiten können, brauchen die anderen einen Schreibtisch, von dessen Tischplatte manchmal nicht viel zu sehen ist.

Ist aufgeräumt immer gut?

US-Psychologen sind der Sache auf den Grund gegangen: Wer macht im Büro das Rennen – der aufgeräumte Schreibtisch oder der chaotische Arbeitsplatz? Drei Versuche führte die Psychologin Kathleen D. Vohs von der Universität in Minnesota in präparierten Büroräumen durch. Ein Raum war penibel aufgeräumt, im anderen herrschte ziemliches Bürochaos. 34 Studierende mussten in diesen Zimmern gefakte Fragebögen ausfüllen. Anschließend wurden sie gefragt, ob sie im Rahmen einer universitären Wohltätigkeitsorganisation Geld spenden möchten, um Spielzeug und Bücher für bedürftige Kinder zu kaufen. Nach Beendigung des Experiments wurden die Probanden verabschiedet – ihr Weg führte schlussendlich noch an zwei Körben mit Snacks vorbei: Äpfel und Schokoriegel.

Chaos Arbeitsplatz

Das Testergebnis zeigte, dass von jene Studierenden, die im ordentlichen Büro ihren Fragebogen ausfüllten, 82 Prozent für die Wohltätigkeitsorganisation spendeten. Aus der Gruppe im „Chaosbüro“ waren es nur 47 Prozent. Die Gruppe aus dem ordentlichen Zimmer spendete außerdem viel höhere Summen. Beim Verlassen der Testsituation entschieden sich außerdem zwei Drittel für den gesunden Apfel und gegen einen Schokoriegel – in der Chaos-Gruppe war es nur ein Fünftel. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass Ordnung Eigenschaften wie Großzügigkeit und einen gesunden Lebensstil fördert.

Unordnung macht kreativ

Schneidet die Chaosgruppe in einem anderen Experiment besser ab? In einer weiteren Studie sollten 48 Probanden über neue Einsatzmöglichkeiten für Tischtennisbälle nachdenken – wieder in jeweils einem ordentlichen oder einem unaufgeräumten Büro. Beide Gruppen lieferten annähernd gleich viele Ideen ab, kreativer und origineller zeigten sich aber jene Probanden, die im Chaosbüro über neuen Ideen brüteten. Die unaufgeräumte Umgebung würde laut Vohs Kreativität und neue Denkweisen fördern. Und noch ein dritter Versuch wurde unternommen: Versuchspersonen wurden gebeten, von einer Getränkekarte einen Smoothie mit einem bestimmten „Booster“ zu wählen. Der Gesundheitsboost wurde einmal als Klassiker und einmal als Neuheit speziell auf der Karte ausgewiesen. Es zeigte sich, dass Probanden im aufgeräumten Zimmer öfter den Klassiker wählen, während Teilnehmer im unaufgeräumten Raum eher zur Neuheit neigten.

Ordnung für die Routinierten – Chaos für die Kreativen

Ein aufgeräumter Arbeitsplatz ist also schön und gut – macht man sich aber ans Austüfteln neuer, kreativer Ideen kommt etwas Chaos ganz gelegen. Die Unordnung stimuliert Forschungen zufolge das Gehirn, sich auf die Suche nach neuen Lösungswegen, Impulsen und Denkansätzen zu machen. Wer einer routinierten Arbeit nachgeht, ist auf einem gut aufgeräumten Arbeitsplatz aber besser aufgehoben. Letztendlich zählt aber nur eines: Das Wohlfühlen in der eigenen Arbeitsumgebung.

Bildnachweis: Ollyy / Shutterstock; Tinatin / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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