Anarchie in der Teeküche? Das Brechen von Regeln lässt uns kreativer werden

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 23. Oktober 2014 um 10:20

Viele Regeln bestimmen unseren Alltag und sorgen dafür, dass das Miteinander nicht in Chaos ausartet. Werden Regeln gebrochen, wird das allgemein als negativ angesehen. Forscher gehen aber davon aus, dass sich das Missachten von Vorschriften positiv auf die eigene Kreativität auswirkt. Dient es der eigenen Ideenfindung also, sein schmutziges Geschirr in der Teeküche einmal nicht wegzuräumen?

Kreativität und Normen vertragen sich nicht gut

Kreative Menschen schauen über den Tellerrand hinaus und weichen von allgemeingültigen Normen gelegentlich auch ab. Die Forscher nahmen demnach an, dass Menschen, die unehrlich handeln, bei Kreativitätsaufgaben besonders gut abschneiden. Grund dafür ist, dass sie weniger das Gefühl haben, an Regeln gebunden zu sein. Die Plattform Forschung Erleben hat die Arbeit zu diesem Thema genauer analysiert.

Unehrlichkeit als Nährboden für Kreativität

Ehrlichkeit BerufIn einer ihrer Studien teilten Gino und Wiltermuth die Teilnehmenden in zwei Gruppen ein. Unter Zeitdruck mussten beide Gruppen Anagramme lösen und ihre eigene Leistung danach anhand eines Maßstabs beurteilen. Bei einer Gruppe war der Maßstab realistisch angesetzt. Teilnehmende, die gut bei den Anagrammen abgeschnitten hatten, wurden auch als gut eingestuft und Teilnehmende, die schlechte Leistungen erbracht hatten, bekamen eine schlechte Bewertung. Es bestand also kein Grund, bei der Selbsteinstufung zu lügen.

Selbstbetrug tut manchmal gut

Bei der zweiten Gruppe war der Maßstab so manipuliert, dass selbst gute Leistungen in der Aufgabe als schlecht eingestuft wurden. Die Teilnehmenden wurden dadurch dazu verleitet, eine bessere Selbsteinstufung vorzunehmen als die, die der Maßstab ergab. Die Teilnehmenden dieser Gruppe wurden also dazu verführt, unehrlich zu sein. Im Anschluss an die Anagrammaufgabe und die Selbsteinstufung fanden zwei Kreativitätstests statt. Zum einen mussten alle Teilnehmenden unter Zeitdruck so viele Verwendungsmöglichkeiten für eine Zeitung wie möglich finden. Zum anderen mussten sie  für Wortgruppen aus drei Wörtern, die alle drei nichts miteinander zu tun hatten, ein jeweils viertes Wort finden, das in einer Beziehung zu allen drei Wörtern der Gruppe stand.

Öfter einmal über den Tellerrand schauen

Die Ergebnisse sprechen für die Annahme der Forscher. Teilnehmende, die dazu verführt worden waren, sich besser einzustufen als sie tatsächlich abgeschnitten hatten, machten wirklich öfter unehrliche Einstufungen – verglichen mit jenen der „ehrlichen Gruppe“. Außerdem schnitten Teilnehmende in der „unehrlichen Gruppe“ tatsächlich in beiden Kreativitätsaufgaben besser ab. In weiteren Studien haben Gino und Wiltermuth auch herausgefunden, was diesen Effekt vermutlich bewirkt.  Die Forschenden konnten zeigen, dass Personen, die sich unehrlich verhalten, weniger das Gefühl haben an Regeln gebunden zu sein. Deshalb ist es ihnen möglich bei Kreativaufgaben eher über den Tellerrand zu schauen und dadurch besser abzuschneiden.

Kreativer werden – schön und gut, dabei aber nicht auf die Kollegen vergessen

Normen zu missachten kann also auch gute Konsequenzen haben. Der eigenen Kreativität kann man auf die Sprünge helfen, wenn man sich nicht strikt an Regeln hält. Allerdings darf das natürlich nicht als Freifahrtschein zum Brechen aller Vorschriften angesehen werden,  denn viele Regeln- nicht alle – sind durchaus sinnvoll und wichtig. Wer im Job dauerhaft Vorschriften missachtet, kann es außerdem mit seinen Kollegen oder der Führungskraft zu tun bekommen.

Bildnachweis: marekuliasz / Shutterstock; PathDoc / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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