Kreativer im Job? Sarkasmus machts möglich

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 29. September 2016 um 10:23

„Überarbeite dich bloß nicht!“ Hast du das schon einmal aus dem Mund eines Arbeitskollegen gehört? In einer Situation, die nicht unbedingt vor Fleiß gestrotzt hat? Und hat da ein gewisser Unterton mitgeschwungen, der einem verrät, dass nicht Mitleid oder Besorgnis aus dieser Person gesprochen haben, sondern eher Spott? Dürfen wir vorstellen: das ist Sarkasmus. Sowas hat am Arbeitsplatz nichts verloren? Oh doch – denn laut einer Studie kann Sarkasmus unsere Kreativität steigern.

Du willst deinem Gegenüber etwas mitteilen, es direkt anzusprechen wäre aber zu wenig subtil: tada – Sarkasmus ist dein Retter in der Not! Bis jetzt ging man davon aus, dass sarkastische Bemerkungen – vor allem in einem professionellen Umfeld wie im Job – meist negative Wirkung haben und großes Konfliktpotenzial bergen. Warum es sich trotzdem lohnt, seine Kollegen ab und an mal zu triezen?

Little bit of sarcasm never killed nobody…

Forschung erleben! hat kürzlich darüber berichtet, dass ein Forschungsteam um Li Huang sich mit den Einflüssen von Sarkasmus auf die Kreativität beschäftigte und konnte dem Phänomen auch eine sehr positive Seite abgewinnen.

Aber warum soll ausgerechnet die Kreativität durch Sarkasmus gefördert werden? Eine sarkastische Nachricht ist im Grunde genommen eine verschlüsselte, da eine Abweichung zwischen dem Gesagtem und dem Gemeinten besteht. Der Empfänger so einer Nachricht muss diese dementsprechend entschlüsseln – also den wahren Sinn hinter der sarkastischen Bemerkung des Gegenübers erkennen. So müssen beide vom Gesagten und Gemeinten abstrahieren. Diese Abstraktionsfähigkeit ist allgemein auch die Grundlage dafür, neue Lösungen zu finden und kreativ zu sein. Folglich vermutete das Forschungsteam, dass abstraktes Denken auch durch Sarkasmus angestoßen wird und dadurch wiederum die Kreativität beider Gesprächspartner gefördert wird.

Kreativer durch Sarkasmus

Überprüft hat man diese Überlegungen folgendermaßen: In mehreren Experimenten mussten einige Teilnehmer in einer simulierten Unterhaltung auf einen Kommentar reagieren – entweder sarkastisch oder ehrlich, beziehungsweise spontan mit der ersten Antwort, die ihnen einfiel. Deren Gegenüber sollte sich vorstellen, ihr Gesprächspartner hätte diesen Kommentar sarkastisch beziehungsweise aufrichtig geäußert. Anschließend sollten alle eine Kreativitätsaufgabe bearbeiten, in der sie ein Wort finden mussten, das zu einer vorgegebenen Gruppe anderer Wörter gehörte. Zudem wurden anschließend alle Teilnehmer aufgefordert anzugeben, wie hoch sie das Konfliktpotenzial der Unterhaltung einschätzten.

Oscar Wilde meinte: „Sarkasmus ist die niedrigste Form von Humor, aber die höchste Form von Intelligenz.“

Erwartungsgemäß wurde die simulierte Unterhaltung deutlich öfter als Konflikt empfunden, wenn Sarkasmus im Spiel war. Auch die Vermutung des Forschungsteams bewahrheitete sich, dass die Teilnehmenden beider Gesprächsrollen deutlich besser bei der Kreativitätsaufgabe abschnitten, wenn sie Sarkasmus anstatt einer aufrichtigen Haltung oder einer spontanen Reaktion anwenden sollten. Außerdem konnte das Forschungsteam zeigen, dass deutlich weniger oft von einem Konflikt ausgegangen wurde, wenn der vorgestellte Gesprächspartner eine Person war, der die Teilnehmer sehr vertrauten.

 

Kleine Kunde des Spotts

Sarkasmus fördert Kreativität

Ist das echt Humor? Obwohl recht nah aneinander und irgendwie verwandt – Ironie, Sarkasmus und Zynismus sind nicht das Gleiche, in einigen Fällen aber tatsächlich schwer zu trennen. Hier eine kleine Anleitung zum Aufpeppen des Büroalltags:

Ironie

Ist ein rhetorisches Stilmittel und bedeutet streng genommen nur das Gegenteil vom Gemeinten. Das setzt gemeinsames Wissen über den Ironiegehalt einer Äußerung bei beiden Gesprächspartnern voraus, da die Ironie sonst missverstanden wird.

Beispiel: Ein Kollege verschüttet unabsichtlich sein Getränk über deinen Laptop, worauf du antwortest: „Toll gemacht!“

Sarkasmus

Beißender Spott oder Hohn, im Unterschied zur Ironie keine Technik, sondern eine Absicht. Verwirrend aber wahr: Sarkasmus kann zusätzlich ironisch ausgedrückt werden – beispielsweise wenn man sich nur indirekt sarkastisch äußert, also nicht direkt das zu verspottende Merkmal anspricht.

Beispiel: Die Vorgesetzte geht an einem Mitarbeiter vorbei, der am Schreibtisch lümmelt und nicht allzu sehr mit Arbeit eingedeckt zu sein scheint, und meint: „Überarbeiten Sie sich bloß nicht!“

Zynismus

Ist eher als Geisteshaltung zu verstehen: Normen und gesellschaftliche Konventionen werden verworfen und lächerlich gemacht. Zynische Bemerkungen können aber durchaus ironisch oder sarkastisch ausfallen – das macht die Charakterisierung recht schwierig.

Beispiel: „Glück ist, wenn das Pech die anderen trifft.“ (Horaz)

Das nächste Mal, wenn dir also jemand mit Sarkasmus begegnet – siehs positiv oder konter einfach mit „Hast du etwa Kreativbedarf?“

 

Bildnachweis: Paranamir/Shutterstock; kudla/Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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