Kreatives Bewerben: „Man muss aus der Masse rausstechen“

von in Bewerbung am Dienstag, 17. September 2013 um 10:26

Sich kreativ zu bewerben kann ein genialer Schachzug sein, der einem Tür und Tor öffnet. Einige haben es vorgemacht, so auch Punktefrau Christine Dingler mit ihrer Onlinebwerbung. Diese wurde Anfang Jänner quer durch fast alle Social Media Kanäle erwähnt und geteilt. Die Aktion war erfolgreich, seit bald einem halben Jahr ist Dingler für ihre Traumfirma tätig. Fazit: „Ich würde es jederzeit wieder machen“. Im Interview erklärt sie, warum Kreativ-Bewerbungen immer wichtiger werden und welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte.

Die Vorgeschichte: Christine Dingler hat einen befristeten Arbeitsvertrag, dieser läuft noch fünf Monate. Es ist Jänner 2013 und Veränderung liegt in der Luft. Der klassische Bewerbungsweg scheitert, eine neue Idee muss her. In Absprache mit ihrem aktuellen Arbeitgeber geht Dingler mit ihrer Jobsuche an die Öffentlichkeit – via Social Media.

„Was dann kam, passte alles nicht zusammen“

„Ich habe zuerst den klassischen Bewerbungsweg mit Lebenslauf und Anschreiben gewählt, tat mich damit aber schwer, weil ich finde, dass das wenig über einen als Person aussagt. Außerdem hatte auch ich bestimmte Anforderungen an den zukünftigen Arbeitgeber. Ich wollte zum Beispiel flexible Arbeitszeiten und mehr Verantwortung. Was dann kam, passte alles nicht zusammen. Die Unternehmen erfüllten meine Erwartungen nicht und umgekehrt. Da war es für mich die logische Konsequenz zu sagen: Ich suche die neue Stelle in dem Umfeld, in dem ich arbeiten will – also im Netz„, schildert Online-Profi Christine Dingler die Idee zur Idee.

Ehrliche Selbstdarstellung

Bei ihrer Bewerbung ging es Dingler darum, so viel wie möglich von der eigenen Person zu verraten und auch das eigene Verständnis der Pressearbeit, wo die berufliche Reise schließlich hingegen solte, zu vermitteln. Das Ergebnis war neben einem Artikel in ihren Blog unter anderem folgendes Video:

Nie ohne Vorab-Feedback

Um mit der eigenen Jobsuche derart offensiv an die Öffentlichkeit zu gehen, braucht man vor allem Mut und Selbstbewusstsein. „Ich hatte den Vorteil, dass ich mich aus einer bestehenden Anstellung heraus beworben habe. Zeitdruck gab es in dem Sinn keinen und ich hatte einfach ein großes Grundvertrauen, dass ich etwas Neues finde“, so Dingler. Die vielen Unterstützer sowie das bestehende Netzwerk gaben ihr die nötige Sicherheit für das Projekt Onlinebewerbung. „Ich habe mir das lange überlegt und viele Meinungen eingeholt, bevor ich damit an die Öffentlichkeit ging. Ich würde keinem empfehlen, so etwas zu machen ohne vorher Feedback einzuholen.“

40 konkrete Jobangebote

christine_dingler

Christine Dingler

Die Reaktionen auf Dinglers Aufruf waren enorm: „Ich habe 40 Anfragen mit konkreten Jobangeboten bekommen und jede Menge Gespräche geführt. Mit meiner jetzigen Chefin habe ich mich schon drei Tage später getroffen.“ Das Fazit? „Es ist kein unaufwändiger Weg, man braucht ein gutes Konzept und vor allem das richtige Netzwerk. Man muss etwas finden, womit man aus der Masse heraussticht und das bei der richtigen Zielgruppe“, so Dingler. In ihrem Fall war das Experiment Onlinebewerbung absolut erfolgreich: „Ich bin seit 1. April bei DigitalStrom und total zufrieden. Das kommt dadurch, dass in dem Artikel sehr konkret stand, was ich gerne machen möchte und wie ich bin. Das wusste meine Chefin und es gab keine Überraschungen.“

Appell an HR-Manager: „Werdet mutiger!“

social_mediaDingler ist überzeugt: Den Weg der Onlinebewerbungen werden in Zukunft immer mehr Menschen aus der Kommunikationsbranche gehen. „Das bringt Social Media mit sich. Es wirft vieles auf den Kopf, nicht nur die Zeitungsbranche.“ Einen Appell hat Dingler vor allem an HR-Manager: Werdet mutiger! „Meine Erfahrung ist, dass sich wenig Personal-Manager auf meine Bewerbung eingelassen haben. Bei mir war es so, dass die Social-Media-Verantwortlichen auf mich aufmerksam geworden sind, mich angesprochen haben und ich dann erst Kontakt zu den Personalern hatte. Social Media sollte als Chance gesehen werden, da die Bewerber sehr transparent zeigen, wer sie sind und was sie wirklich können.“

Bildnachweis: Punktefrau / Christine Dingler, 578foot / Quelle Shutterstock, Brian A Jackson / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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