Krankenstand adé – Vier von zehn gehen krank zur Arbeit!

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht am Dienstag, 10. Januar 2012 um 12:47

Es fängt mit dem Husten eines einzelnen Kollegen an – und endet meist mit dem, was man Grippewelle nennt. Und plötzlich ist ein respekabler Anteil der Belegschaft im Krankenstand. Und diejenigen, die weiter die Stellung halten, dealen mit Aspirin, Taschentüchern und Halswehtabletten. Für Arbeitgeber eine schwierige Situation, da der Output ja trotz Krankenständen erhalten bleiben muss. Aber auch für Arbeitnehmer oft ein großer Druck. Laut Arbeiterkammer gehen vier von zehn Beschäftigten sogar krank zur Arbeit.

Spätestens dann, wenn die Grippewellen übers Land ziehen, geraten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter in die Haare. Die Kernfrage: Ist wirklich jeder Krankenstandstag gerechtfertigt oder wird einfach zu viel „tachiniert„? Laut einer aktuellen Auswertung der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) fielen allein in diesem Bundesland (ca. 1,4 Millionen Einwohner) pro Jahr an die 235.000 ungerechtfertigte Krankenstandstage an. „Unsere Betriebe kostet der Krankenstandsmissbrauch jährlich 15 Millionen Euro – allein aus dem Titel der Entgeltfortzahlung“, betont WOÖ-Präsident Rudolf Trauner.

Fünf Tendenzen seien aus der Beratungstätigkeit für Unternehmen herauszulesen, so die Wirtschaftskammer:

  • Während Kündigungsfristen gehen Arbeitnehmer besonders häufig in Krankenstand.
  • Können sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht einvernehmlich auf Urlaubstage einigen, wird oft Krankenstand strapaziert. Besonders beliebt: Die Dienstage nach Ostern und Pfingsten.
  • Unternehmer ertappen ihre krankgeschrieben Angestellten beim „Pfuschen“, sporteln oder bei Lokalbesuchen.
  • Es werden rückwirkende Krankschreibungen von Ärzten ausgestellt, um Fehlzeiten im Job geradezubiegen.
  • „Automatisches“ Krankschreiben für eine Woche verlängert viele Ausfallzeiten unnötig.

Weniger Krankenstände

Vorwürfe, die Arbeitnehmervertretern den Hut hochgehen lassen: „40 Prozent der Arbeitnehmer gehen krank arbeiten. Da müssen wir ansetzen. Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, angsttfrei und in Ruhe gesund zu werden“, so Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer OÖ. Krankenstände würden sogar weniger: Während im Jahr 1980 die Krankenstandsquote bundesweit noch bei 4,8 Prozent gelegen sei, sei man nun bei 3,5 Prozent angelangt – mitunter auch, weil vier von zehn Beschäftigten krank im Job erscheinen würden. Warum diese das tun, hat die AK OÖ in einem eigenen Arbeitsgesundheitsmonitor erhoben:

  • Sechs von zehn (59 Prozent) wollen ihre Kollegen nicht im Stich lassen.
  • Ein Drittel (36 Prozent), weil Arbeit liegen bleibt.
  • Und jeder siebte – also 15 Prozent – gab an, Angst vor Konsequenzen wie Jobverlust zu haben.

Krankenstand – wie geht das richtig?

Einmal abgesehen von der obigen Debatte: Wer krank ist, sollte auch unbedingt zuhause bleiben.

Hier eine kleine Checklist, was zu tun ist, wenn man (ansteckend) krank ist und nicht in der Arbeit erscheinen kann. Wie es rechtlich aussieht erfahrt ihr in unserem Info-Artikel im Karriere.Center.

  1. Unverzüglich den Vorgesetzten kontaktieren.
  2. Arzt aufsuchen und Diagnose einholen. Laut Gesetz hat der Arbeitgeber schon ab dem ersten Tag des Krankenstandes eine schriftliche Bestätigung dafür zu fordern. Wird diese nicht eingereicht, besteht auch keine Pflicht, das Entgelt des Mitarbeiters fortzuzahlen – also Achtung: firmeninterne Bestimmungen checken!
  3. Im Krankenstand die Anweisungen des Arztes befolgen: Abgesehen von Ausgehzeiten für beispielsweise Arzt- und Apothekengänge sollte der Arbeitnehmer auch zu Hause bleiben. Wenn beispielsweise Spaziergänge Teil der Therapie sind, sollte das mit dem Arzt abgeklärt sein.
  4. Wird man im Urlaub krank, muss eine Bestätigung des Arztes eingereicht werden, sofern der Krankenstand länger als drei Tage dauert. Der Urlaub wird in Krankenstand umgewandelt.
Redaktion

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