Krankenstand: Wie krank man ist, entscheidet der Chef

von in Arbeitsleben am Freitag, 14. Dezember 2012 um 11:25

Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Fieber. Gliederschmerzen. Vom nächtlichen Schüttelfrost ganz zu schweigen. Mit einem Wort: krank! Ein Phänomen, das ständig tausende Arbeitnehmer betrifft – was grundsätzlich auch gar kein Problem sein sollte. Denn Kranksein gehört einfach dazu. Nur: Jeder kennt Kollegen, die sich trotz Grippe an den Arbeitsplatz schleppen. Doch nicht nur aus übersteigertem Ehrgeiz, ergab nun eine Studie. Denn ein großer Teil der Führungskräfte würde ihre Mitarbeiter auch bei Fieber nicht heimschicken.

Man kennt das Dilemma: Eigentlich sollte man das Bett hüten, weil der Körper eindeutige Signale sendet. Trotzdem geht man arbeiten. Weil ein Projekt fertig werden muss. Weil zwei Kollegen auf Urlaub sind und Arbeit liegen bleiben würde. Oder: Weil man weiß, dass Kranksein im Unternehmen einfach nicht toleriert wird. Richtig gehört – das gibt es! Und zwar öfter als man glauben möchte.

Nach Zahlen der Arbeiterkammer lassen sich vier von zehn Kranken nicht vom Arbeiten abhalten. Auch weil sie Angst vor Kündigungen während des Krankenstandes hätten.

Fakten, die nun durch neue Studienergebnisse der Personalberatung LAB & Company und der Hochschule Coburg ergänzt werden. Glaubt man der (deutschen) Untersuchung, für die 1.500 Führungskräfte befragt wurden, würden die meisten Chefs ihre kranken Mitarbeiter zwar heimschicken. Ein nicht unerheblicher Teil der befragten Manager übt aber durchaus Druck von oben aus, damit kranke oder kränkelnde Mitarbeiter auf alle Fälle erscheinen. Oder ihren Job „zumindest“ von zuhause aus zu erledigen. Man darf natürlich spekulieren, dass die erhobenen Werte auch in Österreich nicht anders ausfallen würden.

 

Manager: Hart zu anderen – hart zu sich selbst

Härte im Krankheitsfall ist nicht nur von oben nach unten angesagt. Denn viele Führungskräfte agieren selbst nach dem Motto „Chuck Norris wird nicht krank. Die Krankheit wird Chuck Norris“: Jeder zweite Manager (46,8 Prozent) geht eigenen Angaben zufolge krank zur Arbeit und weiß, dass er weniger Leistung bringt. Weitere elf Prozent sind davon überzeugt, trotz Krankheit die volle Leistung zu bringen. Und mehr als ein Viertel sagt, man arbeite im Krankheitsfall einfach von zu Hause aus.

„Wir waren von den Umfrageergebnissen erschrocken. Offenbar ist die Bereitschaft, die eigene Gesundheit und die seiner Mitarbeiter als übergeordnetes und auch betriebswirtschaftlich wertvolles Gut anzusehen, in Deutschland schwach ausgeprägt“, resümiert Eberhard Nöfer, Professor für Soziale Arbeit und Gesundheit an der Hochschule Coburg.

Bildnachweis: colourbox, LAB & Company

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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