Facebook-Fail: „Kranke“ stolpert über Disco-Fotos

von in Arbeitsrecht, Social am Freitag, 1. Juni 2012 um 11:01

Dumm gelaufen oder einfach nur dreist? Diese Frage drängt sich beim Lesen nachfolgender (wahren) Geschichte förmlich auf. Ihren Krankenstand hat eine Kellnerin, so die Wirtschaftskammer OÖ heute in einer Aussendung, nicht nur missbraucht, sondern auch noch selbst – und das ganz freiwillig – auf Facebook kommentiert. Die WKO OÖ, die den Fall gemeinsam mit dem gehörnten Arbeitgeber aufrollte, will Sozialmissbrauch dieser Art von nun an regelmäßig öffentlich machen.

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Krankmeldung per SMS

Passiert ist die fast unglaubliche Geschichte Ende April. Die Kellnerin kam morgens zu spät zur Arbeit, vom Vorgesetzten darauf angesprochen, verließ sie mit den Worten „Ihr könnt mich alle und außerdem habe ich zu Hause den Elektriker“ das Unternehmen. Eine Stunde später traf per SMS die Krankmeldung ein, kurz darauf die Arbeitsunfähigkeitsmeldung, ausgestellt von einem praktischen Arzt. Diese Vorgangsweise ist vielen Unternehmern nur gut bekannt – und fordert nicht nur Flexibilität, sondern auch volle Entgeltfortzahlungspflicht. Nach einer Intervention der WKO wurde die Frau zum Chefarzt der OÖGKK vorgeladen, auch dieser befand sie für krank und schrieb sie bis Anfang Mai arbeitsunfähig.

Partyfotos live aus der Disco

Was kurz darauf folgte, dürfte wohl neben dem Arbeitgeber auch die beiden Ärzte überrascht haben: Noch vor Ablauf des Krankenstandes besuchte die „Patientin“ ein bekanntes Tanzlokal und ließ sich im Kreis ihrer Freundinnen mehrfach fotografieren. Aber nicht genug – die Fotos, die das feuchtfröhliche Feiern zeigen, waren wenig später auf Facebook zu sehen. Die offenbar bestens gelaunte Frau ergänzte die Zechtour noch mit einem Facebook-Posting, wonach „Alkohol grausam sei und sie nie mehr fortgehen werde.“

Drei Prozent „erschummelt“

Krankenstandsmissbrauch, so die WKO in der Aussendung, ist keine Seltenheit – allein in OÖ gibt es 234.000 erschummelte Krankenstandstage jährlich. „Man muss betonen, dass nur drei Prozent aller Krankenstandstage erschummelt sind. Diese wenigen schwarzen Schafe schaden der Wirtschaft und den ehrlichen Arbeitnehmern jedoch enorm“, so ein Sprecher. Dass Krankenstandsmissbrauch so sorgfältig und offen zugänglich dokumentiert wird, bezeichnet Präsident Rudolf Trauner als „an Unverfrorenheit kaum noch zu überbieten.“ Als eine Reaktion sollen solche Fälle von Betrug am Arbeitgeber bzw. gegenüber jenen seriösen Arbeitnehmern, für die ein Krankenstand stets der letzte Ausweg ist, künftig publik gemacht werden.

Immer daran denken: Jeder kennt jeden

Dass man im Internet bzw. auf Plattformen wie Facebook, Twitter & Co. aufpassen sollte, ist keine Neuigkeit. Das Prinzip „jeder kennt jeden“ – und wenn auch um zehn Ecken – lässt die Gefahr für unangenehme oder peinliche Zufälle direkt proportional mit der Anzahl der Freunde steigen. Auch wenn man nicht mit seinem Chef befreundet ist – woher weiß man, ob der Chef nicht ein Schulfreund vom Cousin der Nichte der besten Freundin ist und diese beim zufälligen Treffen im Lebensmittelgeschäft auf einen zu sprechen kommen? Peinliche Postings zum Schmunzeln bzw. Fremdschämen gibt es übrigens auf den Seiten webfail.at oder socialfail.de – aber Vorsicht: Suchtgefahr!

Fotonachweis: Colourbox

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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