Kontrolle im Job – Chef, wir müssen reden!

von in Arbeitsleben, HR am Mittwoch, 5. Oktober 2011 um 12:27

Deadlines? Kein Problem! Wenn da nicht eine klitzekleine Kleinigkeit wäre! Das Ergebnis muss vom Chef abgesegnet werden! Und das kann dauern, denn auch der hat einen vollen Terminkalender. Wie schön wäre es, wenn der Vorgesetzte doch Vertrauen ins Mitarbeiter-Können hätte… In der Job-Realität lautet die Devise aber eher: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Ist das immer so? karriere.at hat sich dem Thema Freiraum und Kontrolle in Österreichs Büros mit einer Umfrage gewidmet. Mit überraschendem Ergebnis: Die Mehrheit der Mitarbeiter fühlt sich durch den Chef wenig eingeschränkt!

„Wie viel Freiheit haben Sie im Job?“ und „Wie viel Kontrolle muss sein?“, wollte karriere.at in der aktuellen September Umfrage wissen. 528 Arbeitnehmer und 223 Arbeitgeber nahmen an der Umfrage teil und zeigten einmal mehr, wie unterschiedlich Ansichten sein können. Während die Mehrheit der Führungskräfte zu stärkeren Kontrollen bei ihren Mitarbeitern neigen, hat der Großteil der Arbeitnehmer eher das Gefühl, weitgehend selbstständig oder mit eingeschränkter Kontrolle arbeiten zu können.

Die Schar der Cheflieblinge

Jeder vierte Mitarbeiter ist laut Umfrageergebnis überzeugt, das Vertrauen seines Chefs zu haben. 41 Prozent haben immer noch „ausreichend“ Freiraum und müssen nur gelegentlich beim Chef zum Rapport. Fast scheint es so, dass der „Kontrollfreak“ Chef zu einer langsam aussterbenden Gattung zählt: Denn nur knapp jeder Fünfte gab an, sich gegenüber seinem Chef ständig rechtfertigen zu müssen. „Es ist nur natürlich, dass Führungskräfte über den Arbeitsfortschritt in ihren Abteilungen Bescheid wissen wollen. Ob sich ein Mitarbeiter aber durch seine Vorgesetzten in seinem Freiraum eingeschränkt fühlt, hängt definitiv von der Art der Kontrolle ab“, ist Jürgen Smid, Geschäftsführer von karriere.at überzeugt.

Anders sieht die Situation allerdinsg auf der Seite der Arbeitgeber aus. Kontrolle steht weiterhin auf der Tagesordnung. Ob die Kontrolle über regelmäßige Berichte erfolgt (26 Prozent) oder nur „situationsabhängig“ (46 Prozent) stattfindet – Fakt ist: Kontrolle ist derzeit der Hauptbestandteil der Führung von Mitarbeitern. Lediglich 13 Prozent der Befragten gaben an, ihren Mitarbeitern voll und ganz zu vertrauen. „Freiräume sind wichtig, um kreativ und selbstständig nach Lösungen zu suchen und eigenverantwortlich zu handeln. Wichtig ist daher, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitern gewisse Handlungsspielräume zugestehen und diese ihre Kompetenzen innerhalb dieser Bereiche eigenverantwortlich anwenden dürfen“, rät Smid.

Kontrolle – Der perfekte Führungsstil?

Wie kann ein solcher Unterschied zwischen den beiden Wahrnehmungen herrschen? Während Arbeitnehmer der Meinung sind, selbstständig arbeiten zu können, sehen Arbeitgeber Kontrolle als einen wichtigen Faktor im täglichen Arbeitsprozess. Entscheidend ist, wie Kontrolle kommuniziert wird. „Gibt es beispielsweise zu Berichten konstruktives, wertschätzendes Feedback, wird sich ein Mitarbeiter weniger kontrolliert, sondern in seiner Expertise bestätigt fühlen. Will eine Führungskraft jedoch über jedes nach außen gehende E-Mail Bescheid wissen, wird dem Angestellten vermittelt, dass man ihm nicht völlig vertraut. Mit dem Effekt, dass stark kontrollierte Mitarbeiter bestenfalls für ihre Vorgesetzten arbeiten, nicht jedoch für sich selbst oder gar für ein übergeordnetes Unternehmensziel“, analysiert Smid.

Was denkt ihr: Wie viel Kontrolle muss sein? Fühlt ihr euch vom Chef überwacht? Oder gehört ihr zu jenen, die ihre Arbeitsschritte gerne von „oben“ abgesegnet haben?

Redaktion

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