Konflikte im Team – „Nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen suchen!“

von in Arbeitsleben am Dienstag, 18. September 2012 um 07:48

„Stressfaktor Kollegen: Gibt es Probleme im Team?“, lautete die Frage einer karriere.at-Umfrage, deren Auswertung heute präsentiert wurde. Das Ergebnis: Drei von vier der befragten Arbeitnehmer gaben an, dass es Konflikte im Team gibt, lediglich ein Viertel der 590 Befragten (26 Prozent) gibt an, dass das Verhältnis zu den Kollegen in Ordnung sei. Seitens der Arbeitgeber werden die Konflikte ebenfalls registriert – jeder Zweite der befragten Unternehmensvertreter ist davon überzeugt, dass sich die Reibereien unter Kollegen negativ auf die Produktivität des Teams auswirken.

24 Prozent halten sich von Auseinandersetzungen fern

Meinungsverschiedenheiten, so sagte jeder vierte Arbeitnehmer, sind im Job an der Tagesordnung. Ebenso viele berichten von Konflikten im Team, sagen jedoch, dass diese in der Regel ausdiskutiert werden. 24 Prozent der Befragten halten sich von Auseinandersetzungen fern. Ganz in Ordnung und ohne Konflikte ist das Verhältnis zu den Kollegen nur bei einem Viertel der Befragten. Seitens der Arbeitgeber sind es hingegen nur 12 Prozent, die keine Konflikte im Team wahrnehmen. Ebenso viele sagen, dass die Mitarbeiter zwar Streitigkeiten haben, diese jedoch selbst unter sich regeln. 29 Prozent der 207 befragten Arbeitgeber berichten, dass sie von Zeit zu Zeit als Mediator zwischen den Streitparteien eingreifen. Doch warum entstehen Konflikte und lassen sich diese vermeiden?

Unterschiedliche Vorstellungen

„Ein Konflikt entsteht, wenn zwei oder mehr Personen Gleiches zur selben Zeit machen wollen und dazu unterschiedliche Vorstellungen haben. Oder wenn diese Personen ein gemeinsames Ziel erreichen sollen, und ihre Vorstellungen, wie dies zu bewältigen ist sich voneinander unterscheiden“, erklärt Konfliktmanagerin Manuela Reimann. Kurz gesagt entsteht ein Konflikt demnach dann, wenn unterschiedliche Vorstellungen aufeinander treffen und es unmöglich erscheint, beide gleichzeitig zu verwirklichen. „Wie sehr der Konflikt dann eskaliert, also wie heftig und dramatisch er verläuft, wird daran liegen, wie wir mit diesen Konflikten umgehen.“

Offene oder geschlossene Fenster?

Manuela Reimann

Manuela Reimann

Doch lassen sich Konflikte vermeiden? „Konflikte gehören zu unserem Alltag und haben eine wichtige Funktion in sozialen Systemen: Sie zeigen an, dass eine Veränderung notwendig ist“, so Reimann. „Dass ein Konflikt entsteht, kann man nicht verhindern. Jeder von uns hat unterschiedliche Vorstellungen, Wahrnehmungen und Werte. DIe tägliche Diskussion „Offene oder geschlossene Fenster?“, unterschiedliche Arbeitsstile, Zeitmanagement usw. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Nicht die Tatsache, dass ein Konflikt entsteht ist dramatisch, sondern dass wir oft wenig gute Strategien für den Umgang mit den Streitigkeiten zur Verfügung haben.“

„Reibereien erzeugen Wärme und die ist grundsätzlich etwas Gutes“

Auch die Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger spricht sich für die Wichtigkeit von Auseinandersetzungen aus. „Konflikte gehören zum menschlichen Leben. Reibereien erzeugen Wärme und Wärme ist grundsätzlich etwas Gutes. Konflikte per se vermeiden zu wollen, macht keinen Sinn.  Leider erlebe ich in Teams aber oft, dass Meinungsverschiedenheiten umschifft werden, obwohl sie eben da sind. Es muss und kann aber nicht konfliktfrei ablaufen, vielmehr geht es darum, wie Konflikte ausgetragen werden.“ Dies sei gefährlich, denn „wer alles unter den Teppich kehrt, macht nur den Teppich schmutzig‘.

„Über die verschiedenen Konfliktarten allein könnte man ein Buch schreiben“

Christa Schirl-Russegger

Christa Schirl-Russegger

Ursachen für Reibereien gibt es unzählige: „Über die verschiedenen Konfliktarten allein könnte man ein Buch schreiben“, so die Arbeitspsychologin. Einige Beispiele sind etwa Rollenkonflikte (Freund und Kollege), Verteilungskonflikte (die andere Abteilung hat neue Computer, wir nicht), Beziehungskonflikte hervorgerufen durch Mißverständnisse, Vorurteile, Neid oder Misstrauen sowie klassische Bedürfniskonflikte (ich brauche frei, mein Chef sagt nein) bis hin zum interen Konflikt etwa vom Chef, der gar kein Chef mehr sein möchte oder dem Angestellten, der lieber zu seiner Familie gehen würde, als abends länger im Büro zu bleiben. „Oft sind Konflikte auch strukturbedingt und entstehen zum Beispiel durch unklare Zuständigkeiten, Arbeitsabläufe oder Hierarchien“, so Schirl-Russegger. Das Problem ist – privat kann man sich überlegen, mit wem man sich umgibt. Im Beruf hingegen muss man oft mit Menschen zusammenarbeiten, die einem nicht liegen oder eben unterschiedliche Interessen vertreten.

Die vier Schritte zum Umgang mit Konflikten

Jedes Teammitglied kann sich im Umgang mit Meinungsverschiedenheiten üben. Grundsätzlich, so die Expertin, rücken diese immer mehr ins Zentrum der Führungskräfte. „Wer eine gute Führungskraft sein will, braucht gute Strategien, wie Konflikte erkannt und gelöst werden können. Auch geht es darum zu erkennen, welcher Konflikttyp man ist.“

  1. Das Erkennen: Das Erkennen von Konflikten ist nicht leicht, es hängt zudem von vielen Faktoren ab, wie rasch Konflikte erkannt werden. Grundsätzlich gibt es aber einige Anzeichen für Konflikte, die allgemein gültig sind. Dazu gehören etwa das Zurückhalten von Informationen, Gruppenbildungen, atmosphärische Störungen sowie das Nachlassen der Produktivität. „Wenn viel Energie in den Konflikt geht, leidet die Arbeit meist stark“, erklärt die Psychologin.
  2. Das Konfliktlösen: Um einen Konflikt im Team zu lösen, muss man zuerst klären, worum es eigentlich geht. Denn oft sind Konflikte bloße Stellvertreter-Konflikte, der wahre Kern wird nicht angesprochen. Man sollte sich dazu Fragen stellen wie „Was ist der Person wichtig?“, „Worum geht es dem Team?“ oder „Was ändert sich für das Team, wenn diese oder jene Änderung eintrifft – oder eben nicht?“ Beim Konfliktmanagement geht es zudem immer darum, eine Win-Win-Situation herzustellen, es gibt bei Konfliktlösungen keine Verlierer oder Gewinner. Wichtig ist es, die gemeinsamen Interessen zu sehen und zu befriedigen. Denn bei der Konfliktlösung suche ich nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen. In diesem Zusammenhang geht es auch darum, dass die Menschen lernen müssen, einander zuzuhören. Zudem – man muss nicht immer derselben Meinung sein, auch das gehört gelernt.
  3. Die Konflikttypen: In einer Konfliktsituation reagieren Menschen unterschiedlich. Grundsätzlich gibt es welche, die kämpfen, welche die fliehen, sich anpassen, ein Problem verdrängen und es gibt die Konfliktlöser, die verhandeln und nach Lösungen suchen. Im Idealfall ist der Chef oder Teamleiter ein Konfliktlöser, eines ist jedoch ganz wichtig: Zur Lösung eines Konfliktes braucht man die Bereitschaft aller Beteiligten.
  4. Die Konfliktkultur: Konflikte kann und soll man, wie eingangs erwähnt, nicht vermeiden. Um vorzubeugen, dass diese eskalieren, sollte jedoch eine Konfliktkultur eingeführt werden, die im Fall des Falles angewandt wird. Dies bedeutet, dass sich das Team auf Regeln einigt, wie mit Konflikten umgegangen wird. Diese Regeln sollten unbedingt gemeinsam erarbeitet und transparent gemacht werden. Weiters ist es wichtig, eine Teamkultur zu fördern, in der miteinander gesprochen wird, der persönliche Kontakt und ein offenes Ohr sind dabei das A und O. Gemeinsame Freizeitaktivitäten etwa bieten den Raum für Gespräche in entspannter Atmosphäre. Es soll die Möglichkeit für persönliche Gespräche geben, ein anonymer Kummerkasten kann jenen helfen, die sich schwer tun, ihre Probleme direkt zu besprechen.

Bildnachweis: cydonna / Quelle Photocase, Colourbox, Schirl, Reimann

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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