Wunsch vs. Wirklichkeit: Arbeitest du noch oder schläfst du schon, Kollege?!

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 12. Juli 2012 um 10:30

Konflikte gibt es immer – und zwar große und kleine. Zu den kleinen gehören jene, die wir zwar täglich erleben, denen wir aber aus Vernunft oder Pflichtbewusstsein wenig Raum geben. Da wäre zum Beispiel das dringende Bedürfnis nach einem Mittagsschlaf, obwohl man im Büro ist und in wenigen Minuten ein wichtiges Meeting beginnt. Experten haben nun untersucht, was unsere grundlegendsten Bedürfnisse im Alltag sind und wie wir reagieren, wenn wir diese nicht befriedigen können.

Das Team um den Verhaltensforscher Wilhelm Hofmann von der University of Chicago hat 205 Erwachsene für eine Woche per Handy zu ihren Bedürfnissen befragt – und das zu unterschiedlichen Zeiten und bis zu sieben Mal am Tag, wie die Plattform Forschung Erleben berichtet. Das ganze lief so ab, dass die Teilnehmer über das spezielle Handy per Fragebogen über ihre aktuellen Bedürfnisse sowie deren Stärke befragt wurden. Ebenfalls abgefragt wurde, ob durch das Bedürfnis eine Konfliktsituation entstanden ist sowie ob die Testpersonen Alkohol getrunken hatten.

Essen, Schlaf, Trinken

Als häufigste Bedürfnisse wurden von den Befragten die grundlegendsten genannt: nämlich Essen (28 Prozent), Schlaf (10 Prozent) und Trinken (9 Prozent). Auf den Plätzen liegen die Mediennutzung (8 Prozent), Hygiene (6 Prozent), Rauchen und Sex (je 5 Prozent). Ebenfalls genannt wurde Arbeit und Kaffee mit je 3 Prozent. Für die Forscher beruhigend war die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der berichteten Bedürfnisse nicht in Konflikt mit persönlichen Zielen standen, nur neun Prozent der Wünsche waren zu der abgefragten Zeit konfliktreich. In knapp der Hälfte der Fälle haben die Befragten ihren tiefen Wünschen übrigens widerstanden. Sie haben also nicht während der Arbeitszeit geschlafen oder während des wichtigen Meetings zu essen begonnen.

Dass ein Nickerchen am Arbeitsplatz ganz schön peinlich werden kann, zeigt folgender Clip:

Frauen belasten Konfliktsituationen stärker

Frauen, so das Ergebnis der Studie, berichteten deutlich mehr von Konflikten zu persönlichen Zielen als Männer, in ihrem Widerstand bzw. der Frage, ob sie ihren Bedürfnissen nachgegangen sind, gibt es jedoch keine signifikanten Unterschiede. Auch Perfektionisten berichteten von mehr Konflikt zu den eigenen Zielen, sie nannten jedoch auch mehr versuchten Widerstand, den Bedürfnissen zu widerstehen. ABER – auch sie unterschieden sich in ihrem tatsächlichen Verhalten nicht von den Nicht-Perfektionisten. Daraus könnte man schließen, dass – egal ob Frau oder Mann und egal ob Perfektionist oder Chaot – vor allem die Grundbedürfnisse Hunger, Müdigkeit und Durst können stärker als der eigene Wille sein.

Stark bleiben, damit der Kollege nicht zubeißt

Wie stark unsere Fähigkeit ist, standhaft zu bleiben und einem konfliktbesetztem Befürfnis nicht nachzugeben, hängt wie alles im Leben stark von anderen Menschen ab. So kann die Anwesenheit anderer Personen helfen, dem Verlangen zu widerstehen. Jedoch freilich nur, wenn die anderen Personen nicht selbst essen, trinken, schlafen, im Internet surfen oder rauchen. Deshalb: Wer auf Diät ist, sollte sich auch im Büro Gleichgesinnte suchen, wer seinen Kaffeekonsum reduzieren möchte, nicht jedes Mal die Kollegin in die Kaffeeküche begleiten. So einfach in der Theorie. Fakt ist aber, dass Gleichgesinnte tatsächlich helfen, nicht umsonst gäbe es für so viele Probleme Gruppen, zu denen sich viele Menschen gemäß dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ zusammengeschlossen haben. Übrigens ein kleiner Zusatz zur Studie: Alkohol lässt bekanntlich Hemmungen fallen. Dies gilt auch für den allerbesten Vorsatz wie etwa jenem, bald ins Bett zu gehen, um für den nächsten Arbeitstag fit und ausgeschlafen zu sein. Unser Tipp: Blicken Sie Ihren Kollegen tief in die Augen, dann wissen Sie, wen Sie sich als Partner für das nächste „Ich-verzichte-auf-Schokolade“-Projekt aussuchen sollten.

Fotonachweis: Colourbox, Susann Städter / Quelle Photocase

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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