Knigge-Tipps für die Karriere

von in Arbeitsleben am Freitag, 14. März 2014 um 11:15

Dagmar M. Daxecker, Vereinsvorsitzende der Österreichischen Knigge Gesellschaft, erklärt im Interview, weshalb der Begriff „Knigge“ einer ist, der sehr wohl auch in der modernen Arbeitswelt seine Gültigkeit hat. Sie erklärt unter anderem, wie man Visitenkarten richtig übergibt und mit welchem Trick man es schafft, dass sich ein neuer Geschäftskontakt den eigenen Namen gut merkt.

„In der Gesellschaft hat sich viel verändert“

Dagmar M. Daxecker

Dagmar M. Daxecker

Eines sei vorweg gesagt: Wir leben und arbeiten in einer Zeit, in der vieles anders ist, als noch bei unseren Großeltern oder sogar Eltern. Stichworte wie Work-Life-Balance oder moderne Mitarbeiterführung fallen hier ein. Anerkennung, Selbstbestimmtheit, Motivation sind weitere Begriffe aus der heutigen Arbeitswelt. Der Begriff „Knigge“ hingegen klingt vielleicht auf den ersten Blick etwas aus der Mode, ist er aber nicht, so Daxecker. „In der Gesellschaft hat sich viel verändert, eines ist jedoch gleich geblieben: Es geht immer um Wertschätzung, Respekt und Anerkennung.“

Unverhofft kommt oft

Business TravelUnd natürlich: Es kommt immer auf das Unternehmen, die Branche, die Position und die Menschen an, wie das angemessene Verhalten aussieht. Aber selbst wenn es im eigenen Unternehmen locker und lässig zugeht, bringt ein Arbeitsleben ab und zu auch das Betreten von ungewohntem Terrain mit sich. Bei einer Veranstaltung oder einer Auslandsreise etwa. Und genau hier sind die Knigge-Tipps von Daxecker Gold wert. Denn auch, wenn es um etwas anderes geht, kann das richtige Begrüßen letzendlich den Ausschlag dafür geben, ob man einen Auftrag, Zuschlag oder was immer bekommt.

Allgemeine Knigge-Tipps

Daxecker hat einige wertvolle Tipps für Businessreisende und Berufseinsteiger zusammengestellt. Für alle diese gilt: Wer die Regeln kennt, ist im Vorteil. Man sollte jedoch nie sein Gegenüber, das vielleicht unsicher ist, damit in Bedrängnis bringen. Hier die Ratschläge:

  • Begrüßen: „Beim Begrüßen kann man schon eine Menge falsch machen. Beruflich zählt nur der Rang, das ist nun einmal so. Beim Begrüßen ist es deshalb üblich, dass der Ranghöhere den Namen seines Gegenübers zuerst erfährt. Das gleiche gilt übrigens für Visitenkarten.“
  • Du oder Sie? „In Österreich wird recht schnell geduzt, das kann aber auch nach hinten losgehen und als Respektlosigkeit verstanden werden. Auch hier gilt: Der Ranghöhere bietet das Du-Wort zuerst an. Er ist es übrigens auch, der beim Begrüßen zuerst die Hand reicht. „
  • Die Visitenkarte: „Eine Visitenkarte sollte immer übergeben werden und nicht etwa auf den Tisch gelegt werden. Weiters ist es wichtig, diese anzunehmen und sich zumindest kurz durchzulesen. Das ist ein Zeichen der Anerkennung und zudem kann die Information auf der Visitenkarte auch ein guter Einstieg in den Business-Small-Talk sein“, so Daxecker. Wer die Karte seines Geschäftspartners vor dessen Augen wertschätzend behandelt und auch sorgfältig einsteckt, wird beim anderen – bewusst oder unbewusst – auch ein Gefühl der Wertschätzung auslösen.
  • Mein Name istSich Vorstellen: „Stellt man sich in einer Runde vor, ist es wichtig, wie man das macht. Wer will, dass sein Name nicht nur gehört wird, sondern auch im Gedächtnis bleibt, kann sich eines Tricks bedienen. Man sagt nicht einfach seinen Namen, sondern: „Mein Name ist …“ oder „Ich heiße …“. Dadurch weiß mein Gegenüber: Jetzt kommt eine Information und merkt sich so den Namen besser.“
  • Handy: „Das Handy ist ein ganz großes Thema und zwar beruflich als auch privat. Denn mit der Geste, es auf den Tisch zu legen – egal ob im Kaffeehaus oder im Meetingraum – zeige ich: Jeder, der jetzt anruft, ist wichtiger als du. Das sollte man bedenken. Wer einen wichtigen Anruf erwartet, sollte dies vorher ansprechen – denn das ist wieder ein Zeichen der Wertschätzung.“

Tipps für Business-Reisende:

Andere Länder, andere Sitten – dieser Spruch ist gerade für Dienstreisende im Ausland wichtig. Wer die Bräuche eines Landes kennt, kann sich vor Missverständnissen und Fettnäpfchen schützen. Hier ein paar Beispiele:

  • Asien: „Putzen sie sich nicht am Tisch die Nase und blicken sie ihrem Gegenüber möglichst wenig in die Augen. Beides gilt als absolut unhöflich.“
  • China: „In China spielt das Gastgeschenk eine große Rolle. Hier kommt es besonders auf die Verpackung an, ausgepackt wird das Geschenk erst später. Weiters gilt hier: Heikle Themen wie etwa die Politik des Landes nicht ansprechen.“
  • Südamerika: „Hier gibt es ein anderes Zeitverständnis, vor allem bei Einladungen nach Hause. Wird man etwa für 20 Uhr zum Essen eingeladen, wäre es sehr unhöflich, vor 21 Uhr aufzukreuzen.“
  • Russland: „Hier zählt der Status sehr viel, etwa eine teure Uhr oder viel Make-Up bei Frauen. In Russland heißt es: Mehr ist mehr.“
  • Business Knigge EnglandEngland: „Genau das Gegenteil gilt in England. Hier geht es um das Understatement, Meetings laufen sehr konservativ ab und weniger ist mehr.“
  • Vereinigte Arabische Emirate: „Hier gibt es bei Geschäftsverhandlungen immer Mittelsmänner, weil es darum geht, dass beide Parteien in Verhandlungen das Gesicht wahren. In Dubai ist übrigens ein Kaffee immer das Zeichen, dass ein Meeting beendet ist.“
  • USA: „In den Staaten ist es sehr wichtig, sich mit privaten Äußerungen zurückzuhalten. Ein schlichtes: „Ihre Assistentin ist sehr nett“ kann schon falsch verstanden werden.
  • Russland: Wer russische Gäste zu sich einlädt, sollte einen Großeinkauf nicht scheuen. Hier gilt: Der größere Teil vom Essen muss übrig bleiben, es wäre undenkbar, dass die Speisen gerade reichen.“

„Es kommt natürlich keine Knigge-Polizei, wenn man etwas falsch macht“, so Daxecker. Aber wie eingangs erwähnt, kann das richtige Verhalten wenn es eng wird schon entscheiden, ob etwas gut oder schlecht ausgeht. Und ein Mitarbeiter steht immer für das gesamte Unternehmen – demnach bedeutet schlechtes Feedback für eine Person meist auch schlechtes Feedback für die Firma.“

Zur Person: Dagmar M. Daxecker

Dagmar M. Daxecker ist die Vereinsvorsitzende der Österreichischen Knigge Gesellschaft. Die gebürtige Deutsche hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und viel Auslandserfahrung. Sie lebte unter anderem in Südafrika und war ein halbes Jahr in den USA als Verkaufsleiterin tätig, bevor sie in Österreich sesshaft wurde. Sie gibt Knigge-Seminare für Einzelpersonen, Firmen aber auch Kinder, etwa an der neuen Mittelschule in Akoven. Ihr nächstes Seminar findet übrigens am 29. März in Schloss Puchberg bei Wels statt.

Bildnachweis: Daxecker, Rawpixel /Quelle Shutterstock, lculig /Quelle Shutterstock, Rawpixel /Quelle Shutterstock, artnana /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren