Kindergarten Team: „Ich spiel nur mit, wenn ich Meister werde.“

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 16. Juni 2011 um 13:35

Klischee lass nach: Männer lieben den Wettbewerb. Mann gegen Mann. Sie lieben es, zu gewinnen. Und wenn sie es tun, dann wollen sie ihren Erfolg auch alleine auskosten. Interessante Ergebnisse zum Teamverhalten bei Männern und Frauen liefert nun eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB): Bevor männliche Leistungsträger mit „schwächeren“ Teammitgliedern zusammenarbeiten, gehen sie lieber gleich den Soloweg. Wie schon im Kindergarten, oder?

Die Arbeit in Projektgruppen kann wunderbar funktionieren – der Ideenwettbewerb spornt jedes Teammitglied zu Höchstleistungen an, jeder gibt sein Bestes, will mit seiner Idee das entscheidende Quäntchen zum Erfolg beitragen. Ist das so, dann dürfte Teamleiter bei der Auswahl der Beteiligten ein gutes Händchen bewiesen haben. Und: Die Möglichkeit gehabt haben, Leute auszuwählen, die von den männlichen Leistungsträgern zumindest als gleichwertige Partner eingestuft worden sind. Eingangs zitierte Studie (erschienen in der aktuellen Ausgabe der WZB-Vierteljahreszeitschrift) belegt nämlich eindrucksvoll, dass Männer nur gerne in Teams spielen, wenn sie mit diesen auch die Chance auf die Meisterschaft sehen.

Angst vor schwachen Teamplayern

Kernaussage der Untersuchung: Geht es darum, sich als Einzelkämpfer zu behaupten, trauen sich Männer – wissenschaftlich belegt – in der Regel eher zu, sich im Wettbewerb zu messen. Anders läuft die Sache jedoch, wenn es darum geht, Wettkampf-Aufgaben in Teams zu bewältigen: Da sei plötzlich kein Unterschied zwischen den Geschlechtern mehr feststellbar, so die Forscher. Warum? Weil einfach weniger Männer antraten – aus Angst vor schwachen Teammitgliedern. Und: Es waren hauptsächlich männliche Leistungsträger, die den Wettbewerb im Team scheuten, solange sie ihre Teammitglieder nicht kannten. Gegenprobe: Bekamen sie gleich starke Partner zur Seite gestellt, waren sie plötzlich auch zum Teambewerb bereit.

Wie im Kindergarten

Fazit der Wissenschaftler: Will man in Unternehmen Teams einsetzen, in denen sich weibliche und männliche Leistungsträger gleichermaßen wohlfühlen, sollte darauf geachtet werden, dass den männlichen Leistungsträgern ein zumindest gleich starker Partner zur Seite gestellt wird.

Erinnerungen an den Kindergarten werden wach: Fußballwiese, es geht darum, zwei Teams zu formen – und jedes Mal dieselbe Aufregung: „Ich spiel‘ nur mit, wenn ich mit dem XY in einer Mannschaft spiele. Sonst gehe ich heim.“ Super.

Motivierte Leistungsträger nützen allen

Was nun kindisch klingt, und bei vielen Frauen womöglich Kopfschütteln über den Geltungsdrang leistungsorienterter Männer hervorrufen mag (zu Recht natürlich!), liefert in Wahrheit aber auch eine wertvolle Ergänzung zur Erforschung von Teamverhalten. Denn der Erfolg von Projektgruppen hängt eben einmal oft von Leistungsträgern ab. Männlichen und weiblichen. Weil jedes Team seine Narzissten, seine Cristiano Ronaldos braucht, genauso wie seine Arbeitstiere – so eine US-Studie, über die wir vor einigen Monaten berichtet haben. Und diese – oft ebenso launischen wie selbstbewussten Diven – zur Gruppen-Mitarbeit zu motivieren ist oft nicht das einfachste, wie wohl jeder Abteilungsleiter aus Erfahrung zu berichten weiß.

Frei nach dem Motto: Wenn Männer schon so kindisch ticken – geben wir ihnen wenigstens das Gefühl, in der Meistermannschaft zu spielen.

Weitere Erkenntnis: Uneingeschränkter Respekt vor den Motivationskünsten jedes 2.Klasse-Fußballtrainers.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren