Krabbelstube, Leihoma, Tagesmutter: Welche Kinderbetreuung passt zu Ihrem Job?

von in Arbeitsleben am Montag, 5. März 2012 um 11:53

Der Wiedereinstieg in den Job nach der Karenz  – rechtlich vorgesehen sind in Österreich dafür maximal zwei Jahre – zieht so einige Überlegungen mit sich. So sehr bei vielen die Freude auf den „Beginn des neuen Lebens“ überwiegt, besteht doch auch große Unsicherheit hinsichtlich Vereinbarkeit von Kind und Karriere. Einerseits bei der Frage, in welcher Form die Kinder betreut werden sollen, andererseits vor allem auch wegen der in Österreich nach wie vor gängigen Meinung, die Kinder seien tagsüber am besten bei den eigenen Eltern aufgehoben. Wir haben mit der psychoanalytisch-pädagogischen  Erziehungsberaterin Mag.a Olga Felhofer über dieses Thema gesprochen.

Von Michaela Grininger

karriere.at: Frau Felhofer, was halten Sie generell von einer Fremdbetreuung für Kinder unter drei Jahren?

Olga Felhofer: Ich – und viele KollegInnen teilen diese Meinung – finde es bereichernd auch für die ganz kleinen Kinder, wenn sie unter Kindern sind. Viele Studien vor allem aus skandinavischen Ländern zeigen, dass es für das Kind sehr wohl von Vorteil ist, auch schon unter drei Jahren mit anderen Kindern zusammen betreut zu werden. Allerdings hapert es in  Österreich noch sehr am Angebot. Vor allem am Land gibt es kaum Betreuungsplätze.

karriere.at: Welche Art der Fremdbetreuung empfehlen Sie?

Felhofer: Ich spreche mich hier klar für Krabbelstuben aus, auch wenn es viele wunderbare Tagesmütter und Großeltern gibt, die Großartiges leisten. Krabbelstuben sind in jeder Hinsicht speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern abgestimmt. Zudem wird die Institution von offizieller Seite immer wieder überprüft und die Aufsichtspersonen sind zwingend pädagogisch ausgebildet.

karriere.at: Viele Eltern, allen voran die Mütter, haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie ihre Kleinsten in fremde Hände geben. Was raten Sie diesen Frauen und Müttern?

Felhofer: Kinder profitieren von der Fremdbetreuung und vor allem profitieren Kinder von einer Mutter, die ausgeglichen ist. Diese Ausgeglichenheit hängt bei vielen eben von der Zeit ab, die die Mutter alleine für sich – egal ob in der Arbeit oder bei einer Freizeitbeschäftigung – hat. Deshalb ist es aus pädagogischer Hinsicht sehr wohl empfehlenswert, wenn Kind und Eltern regelmäßig getrennte Wege gehen.

Kinderbetreuung je nach Arbeitszeit

Olga Felhofer_Credit_Martin Bruner

Olga Felhofer

Zunächst geht es also darum, die Frage zu klären, wie die zukünftigen Arbeitszeiten aussehen sollen. Halbtags, Teilzeit, Vollzeit? Und wie sollen die Arbeitsstunden aufgeteilt werden, sofern Sie überhaupt in der glücklichen Lage sind, diese selbst mitbestimmen zu können? Sind drei ganze Tage besser oder doch fünf Vormittage? Oder überhaupt nur drei Vormittage und, und, und… Zu dieser Entscheidung muss anschließend die passende Kinderbetreuungsform gefunden werden – am besten noch während der Karenz, denn Betreuungsplätze sind rar.

Die Krabbelstube

Vorteile: Kinder sind unter Kindern. Die Institution ist perfekt auf die Bedürfnisse von kleinen Kindern abgestimmt, sowohl was die Räumlichkeiten betrifft, als auch hinsichtlich der Tagesplanung. Die BetreuerInnen sind pädagogisch bestens ausgebildet.
Nachteile:
Sie müssen Ihre Arbeitszeiten den fixen Öffnungszeiten anpassen. Zudem fallen bis zum Alter von zweieinhalb Jahren einkommensabhängige Kosten an. Vor allem in größeren Städten ist es häufig so, dass die Krabbelstube mit dem Kindergarten zusammen geführt wird. Das heißt, dass die Kleinsten in einer Gruppe mit bis zu 5, 6-Jährigen sind. Obwohl die altersgemischten Gruppen sehr wohl aus pädagogischer Sicht Vorteile haben – die Großen lernen von den Kleinen usw. – führt dies oft zu einer Überforderung von Kleinst- bzw. Kleinkindern.

Tagesmutter

Vorteil: Ihr Kind hat gleichgesinnte Spielgefährten und eine fixe Betreuungsperson, die in einer familiären Atmosphäre auf das Kind aufpasst. Mit bis zu fünf Kindern befindet sich das Kind in einer kleinen Gruppe, in der die Tagesmutter auf spezielle Bedürfnisse eingehen kann.
Nachteil:
Das Kind baut zur Tagesmutter eine starke Bindung auf, von der es sich mit drei Jahren wieder lösen muss. Da es nur einer kurzen Ausbildung bedarf um Tagesmutter zu werden, ist die Betreuungsqualität oft sehr unterschiedlich. Im Gegenteil zur Krabbelstube, in der es fixe Vorgaben gibt, liegt es im Ermessen der jeweiligen Betreuerin, wie intensiv sie sich mit den Kindern beschäftigt. Eine Kostenübersicht finden Sie auf der Homepage des Hilfswerks Österreich unter www.hilfswerk.at. Weitere Infos finden Sie unter www.tagesmutter-suche.at

Großeltern

Vorteil: Das Kind kann in seiner gewohnten Umgebung bleiben und erfährt ein Maximum an Nestwärme und Rundumbetreuung. Es wird also von einer Person betreut, die es von Geburt weg kennt und von der es auch auf seinem weiteren Lebensweg begleitet wird.
Nachteil:
In vielen Fällen ist die Betreuungsperson sehr auf das Kind fixiert was zu einer „Überbetreung“ führen kann, die dem Kind nicht unbedingt gut tut. Zudem fehlt oft der Kontakt zu anderen Kindern. Eine intensive Einbindung der Großeltern in die Erziehung zieht außerdem oft Konflikte zwischen Eltern und Großeltern nach sich.

Mutter und Vater im Wechsel

Vorteil: Das Kind kann zu Hause bleiben, mit jeweils einem Elternteil. Es ist also in seiner gewohnten Umgebung und hat einmal den Vater, einmal die Mutter ganz für sich.
Nachteil:
Intensives Zeitmanagement – im Job und zu Hause – ist notwendig, dafür bleibt wenig Zeit für die ganze Familie zusammen. Oft fehlt der Kontakt zu anderen Kindern.

Fazit: Jede Art der Kinderbetreuung hat Vor- und Nachteile, bei jeder Variante wird es Punkte geben, die Sie selbst anders machen würden. Doch auch dieser Input ist wichtig für Ihr Kind. Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl!

Bildnachweis: colourbox.com, Martin Bruner

Redaktion

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