Kinderbetreuung: Oma, bitte kommen!

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 26. April 2012 um 10:45

In der Debatte um die (mangelnde) Kinderbetreuung – bzw. wie es um diese in Österreich bestellt ist – darf ein Punkt nicht vergessen werden: die Betreuung des Nachwuchses durch die Großeltern. Wie eine aktuelle market-Umfrage zeigt, gibt es einen klaren Ruf nach den Großeltern bei Berufstätigkeit beider Eltern. Das Glück über die Großeltern ist jedoch getrübt, denn laut den befragten Eltern haben die Großeltern heute einfach zu wenig Zeit für ihre Enkerl.

Quelle: marketRettung bei Nacht- und Wochenenddienst

Die Frage, wann man die Hilfe der eigenen Eltern dringend braucht, wurde sehr eindeutig beantwortet: 64 Prozent der von market Befragten gaben an, dass Großeltern besonders dann stark benötigt werden, wenn Eltern viel Zeit in der Arbeit verbringen bzw. wenn die Arbeitszeiten der Eltern mit der Familie schwer vereinbar sind (Grafik). Sind Nacht- bzw. Wochenenddienste im Spiel, sind Großeltern die wichtigste Betreuungsalternative. Ebenfalls, wenngleich deutlich weniger stark, werden Großeltern besonders benötigt, wenn die Kinder nur von einem Elternteil erzogen werden (51 Prozent) bzw. wenn Teenager viel mit ihren Eltern streiten (49 Prozent). Dagegen sieht man in Patchwork- oder Mehrkindfamilien keinen besonderen Bedarf für Großeltern.

Wofür Großeltern da sind

Weiters gefragt wurde, wofür Großeltern da sind. 69 Prozent der 732 Befragten wünschen sich demnach, dass sich die Großeltern vor allem beim Trösten der jugendlichen Enkel (13 bis 18 Jahre) einbringen. Gemeinsame Zeit, in der geredet und erzählt wird (66 Prozent), sowie das Kochen von besonderen Lieblingsspeisen (64 Prozent) werden ebenso groß geschrieben. Dass Großeltern „Alte Familientraditionen und Rezepte weitergeben“, gehört für 62 Prozent der Befragten dazu.

Seelisch-körperliche Tankstelle der Kinder und Entlastung der Eltern

Neben diesen Wünschen, dass Oma und Opa gewissermaßen eine seelisch-körperliche Tankstelle im Alltag sein sollten, stehen fast gleichwertig die Wünsche nach Entlastung der Eltern. Darunter fallen die Versorgung von kranken Kindern, das Kochen, wenn Eltern in der Arbeit sind, sowie die Enkel zu sich zu nehmen, damit die Eltern auf Urlaub fahren können. Für knapp ein Fünftel ist es wichtig, dass Großeltern Werte vermitteln, jeder Dritte zählt auch Hilfe beim Lernen zu den Aufgaben der Omas und Opas. Finanzielle Zuwendungen gehören übrigens nur unter Vorbehalt und weitaus weniger stark zu den „Großelternpflichten“.

Eltern klagen: Großeltern haben zu wenig Zeit

Die Wünsche an die Großeltern sind weitgehend klar und unumstritten. Geht es allerdings um das Ausmaß der Unterstützung, sind sich Eltern und Großeltern nicht immer einig. Während sich letztere selbst in einem hohen Maß als Trost- und Zufluchtsort für Jugendliche sehen und meinen, dass sie genügend Zeit mit Reden und Erzählen verbringen, sieht die Elterngeneration dies gänzlich anders. Ihre Kinder, so die befragten Eltern, bekommen von den Großeltern viel zu wenig Zeit gewidmet. Oma und Opa sind  in ihren Augen  nicht der Zufluchtsort für die Kinder, den man sich wünscht.

Generationen im Wandel

Diese Lücke von Erwartung und Erfüllung erklären die Studienautoren durch eine vermehrte Individualisierung und Mobilität der Großeltern. Sie sind heute ebenso einer Fülle von Rollenerwartungen ausgesetzt – ja, Oma und Opa von heute sind rüstig, aktiv und nicht selten unternehmungslustig. Daher wird es, so die market-Experten, für sie schwieriger, den Status idealer Großeltern zu erwerben. Die physische Versorgung der Enkel zu sichern, wenn die Eltern Hilfe benötigen, ist dabei kein Problem. Zeit für die Kinder haben sie jedoch auch nicht viel mehr als deren (berufstätige) Eltern.

Fotonachweis: Colourbox, Grafiken: market

 

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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