Kind und Karriere: Wie familienfreundlich ist Ihr Job?

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Donnerstag, 5. Januar 2012 um 13:50

Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen Mann das Geld nach Hause brachte und Frau währenddessen die Kinder hütete. Muss tatsächlich immer ein Partner auf die eigene Karriere verzichten, damit das Modell Familie und Beruf funktionieren kann. Die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim und des Stiftungslehrstuhls für Entrepreneurship der Universität Hohenheim zeigt, dass es auch Erwerbsmodelle gibt, die es ermöglichen, Familie und Beruf erfolgreich zu vereinbaren. Das Ergebnis: Selbstständige Paare sind erfolgreicher, haben ein höheres Einkommen und öfter Kinder!

Das Projekt „Durch Selbständigkeit zur Doppelkarriere“ der Universität Mannheim und Hohenheim, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird, bringt neue Erkenntnisse im Spannungsfeld Karriere oder Familie. Für die Studienergebnisse wurden Paare untersucht, die beide erwerbstätig und erfolgreich im Job sind – ‚Doppelkarriere also‘. Bei den Paaren wurde untersucht, welche Kombination aus Fixanstellung und Selbstständigkeit die beste Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet.

DINK hat ausgedient!

Double income no kids (DINK), so lautete über Jahre das gängige Karriere-Modell am Arbeitsplatz. Vor allem Frauen wurden dabei vor die Entscheidung gestellt: Will man Karriere machen oder eine Familie gründen? Entschied man sich für die Familie, blieb meist die eigene Karriere auf der Strecke. Daher wurden die beiden vorherrschenden Modelle der Doppelkarriere untersucht. Es zeigt sich, dass gerade Paare, in denen die Frauen einer selbständigen Arbeit nachgehen im Vergleich zu anderen Paaren öfter Kinder haben. Sind beide Partner selbständig, gelingt die Doppelkarriere häufiger als bei Paaren in einer anderen Erwerbskonstellation. Besonders interessant ist auch die Tatsache, dass bei einem Drittel dieser Paare das Einkommen überdurchschnittlich gut ist. Ergo, selbstständige Paare sind erfolgreicher, verdienen besser und haben häufiger Kinder als andere Paare. Ist das etwa das ideale Familienmodell?

Gleichgewicht schaffen

„Doppelkarrieren sollen nicht nur ein höheres Einkommen gewährleisten“, sagt Marc Langhauser vom ifm, Autor der Analyse: „Ihr Sinn wächst dadurch, wenn beiden Partnern nicht nur eine eigene Karriere, sondern zudem auch eine Balance zwischen Beruf und Familienleben ermöglicht wird.“ Paare in Selbstständigkeit haben eine höhere Flexibilität in Bezug auf Arbeitszeit und -ort, somit lassen sich Familie und Beruf auf jeden Fall besser vereinbaren. So zeigt die Studie: Die Konstellation ‚Frau selbständig – Mann fest angestellt‘ scheint am besten geeignet um eine Doppelkarriere, mit Kinder zu ermöglichen. 61 Prozent der untersuchten Paare in dieser Konstellation haben Kinder. „Nach unseren bisherigen Befunden kann man zum einen bestätigen, dass Selbstständigkeit prinzipiell Doppelkarrieren unterstützt und andererseits daraus schließen, dass eine Selbständigkeit für Paare grundsätzlich eine bessere Vereinbarkeit von Doppelkarriere und Familienleben ermöglicht als eine abhängige Beschäftigung“, sagt auch Mittelstandsforscher Marc Langhauser.

Bessere Betreuung notwendig

Natürlich ermöglicht die Selbständigkeit eine gewisse Flexibilität in der Kinderbetreuung, dennoch ist wichtig, dass auch die staatlich geförderten Kinderbetreuungsmöglichkeiten ausgebaut werden. Denn hier sind Frauen in Selbstständigkeit aber auch in Fixanstellung gleichermaßen betroffen und es gibt wenige Plätze mit langen Wartelisten. Auch wenn das Einkommen und der Erfolg im Beruf sicherlich Einfluss auf die Familienplanung haben, so sind die Themen Kinderbetreuung und Wiedereinstieg meist jene Hürden, die Frauen vor der Familiengründung zurückschrecken lassen.

Redaktion

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