Feierabend adé – Wenn Selbst-Sabotage den Arbeitstag verlängert

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 13. Januar 2011 um 10:50

Am Morgen sieht alles noch strukturiert und leicht zu schaffen aus: Die To-Do-Liste ist gemacht und der Tag eigentlich geplant. Und doch immer wieder dasselbe Problem – zu Feierabend sind wesentliche Punkte dann wieder unerledigt. Weil man sich selbst bei seinen Planungen in die Quere gekommen ist. Wie man sich selbst dazu diszipliniert, den eigenen Tagesplan auch einzuhalten, erklärt Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger.

Ich sitze  abends relativ lange im Büro und habe jetzt analysiert, wie es dazu kommt. Wenn ich morgens die zu erledigenden Aufgaben des Tages definiere, ist mir ganz klar, was heute unbedingt erledigt werden muss. Leider komme ich mir quasi selbst in die Quere. Bevor ich die wirklich wichtigen Aufgaben erledige, fallen mir andere Dinge ein, die ich erledige, bevor ich mich an die Tagesaufgaben mache. So vergeht oft ein ganzer Vormittag. Was kann ich tun?

In vielen Arbeitsprozessen ist es üblich, dass man von außen gestört wird: ein hereinkommendes Telefonat oder ein Kollege, der dringend etwas braucht, stören den Arbeitsfluss.  Bei Ihnen ist es anders: Sie beginnen den Tag diszipliniert mit einer To-Do Liste und stören sich dann selbst bei Ihrer Arbeit. Innere Impulse halten Sie davon ab, Ihre Arbeit konzentriert anzugehen. Um diese persönliche Herausforderung zu meistern, haben Sie wichtige Schritte eingeführt: Ihre Arbeitsliste und die Analyse der Unterbrechungen. Was Ihnen noch fehlt, ist der Umgang mit Ihren persönlichen Impulsen.

Wofür lohnt es sich, pünktlich Schluss zu machen?

Ich möchte Sie einladen, folgendes Trainings-Programm zu starten. Überlegen Sie sich am Beginn des Tages, wofür Sie heute pünktlich Schluss machen möchten. Am Ende des Arbeitstages sollte etwas auf Sie warten, auf das Sie sich freuen können und das für Sie Sinn macht. Besonders eignet sich dafür ein Treffen mit Freunden, ein Abend-Kurs oder eine sportliche Aktivität. Diesen Abend-Termin notieren Sie sichtbar in Ihrem Büro, sodass Sie sich immer wieder darauf konzentrieren können, wenn ein Unterbrechungsimpuls kommt. So „müssen“ Sie pünktlich fertig werden, um Ihren sinnvollen Abend-Termin zu schaffen.

Falls Sie für einen Abend keinen Termin finden konnten, suchen Sie sich eine andere kleine Belohnung aus. Wenn Sie es schaffen, den eigenen Unterbrechungen zu widerstehen, machen Sie ein kleines Häkchen für Ihre Belohnung. Wenn Sie es schaffen, sich selbst nicht mehr als 2 Mal durch einen Impuls zu unterbrechen, gönnen Sie sich diese Belohnung. So schulen Sie nicht nur Ihre Konzentration, sondern trainieren gleichzeitig Ihre Achtsamkeit und Ihre Willenskraft.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger
ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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