Ungeliebter Karrieresprung: Ein Schritt vor, zwei zurück

von in Arbeitsleben, Bewerbung, Jobsuche am Donnerstag, 12. Mai 2011 um 14:10

Da ist er nun, endlich, der von allen erwartete Karrieresprung. Alle gratulieren. Alle freuen sich oder beneiden einen. Alle, bis auf den eigentlichen Betroffenen. Darf man das überhaupt? Einen Karrieresprung ablehnen, weil man sich denkt, dass der neue Posten nicht zu einem passt? Weil man so stark an den Herausforderungen des bisherigen Jobs hängt, in dem man gut ist und den man gerne macht? Man darf, betont Psychologin Christa Schirl-Russegger. Weil alles seine Zeit hat. Auch Karriersprünge.

Unser Vertriebsleiter geht in Pension und als Verkäufer mit den besten Ergebnissen soll ich jetzt seine Aufgabe übernehmen. Ich habe mir jetzt schon Bücher über Mitarbeiterführung gekauft und freue mich, dass mir die neue Position zu getraut wird. Gleichzeitig  merke ich aber immer mehr, dass meine Leidenschaft dem direkten Kontakt mit den Kunden gehört und ich die Leitungsposition gar nicht möchte. Ich fühle mich als „Vollblut-Verkäufer“. Was raten Sie mir?

Bevor Sie sich entscheiden, klären Sie genau ab, welche Aufgaben und Herausforderungen Sie in dieser neuen Position erwarten würden. Fragen Sie sich, was Ihre Stärken sind. Wie sieht der Job aus, der Ihnen Spaß macht? Und dann vergleichen Sie beide Listen. Möglicherweise trifft folgende Einschätzung zu:

Sie lieben den Außendienst und Ihre Unabhängigkeit draußen beim Kunden? Sie genießen Verkaufsgespräche und freuen sich über geglückte Abschlüsse? Das ist Ihre Leidenschaft? Der Schreibtisch, ständige Meetings und „Zahlen-Schaufeln“ sind nicht Ihr Ding? Sie übernehmen gerne für sich selbst und Ihre Ergebnisse die Verantwortung? Sie legen aber weniger Wert darauf, andere zu motivieren oder zu kontrollieren? Dann sind Sie in der Position des Vertriebsleiters auf dem falschen Posten.

Wagen Sie ein NEIN!

In diesem Fall suchen Sie das Gespräch mit der Personalabteilung: Stehen Sie zu sich und Ihren Stärken und sagen Sie NEIN! Sie tun sich selbst und Ihrer Firma einen großen Gefallen. Ein Aufstieg, den Sie nicht wollen, ist ein persönlicher Abstieg und daher abzulehnen. Der beste Verkäufer muss nicht der beste Mann für die Vertriebsleitung sein. Als Leiter würden ganz andere Anforderungen an Sie gestellt werden, die möglicherweise gar nicht zu Ihrer Persönlichkeit passen. Nehmen Sie es als Kompliment, dass man Ihnen die Aufgabe zutraut. Vielleicht ist irgendwann einmal die Zeit für eine andere Position reif! Nur weil Sie sich jetzt gegen die Leitungsposition entschieden haben, heißt das noch nicht, dass diese Entscheidung für immer gilt. Vertriebsleiter werden immer wieder gesucht! Suchen Sie erst dann eine neue Herausforderung, wenn es persönlich für Sie an der Zeit ist.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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