Facebook-Update: 19 Karriere-Pages aus Österreich

von in HR, Social am Mittwoch, 25. April 2012 um 12:12

Nun ist es wieder ein Vierteljahr her, dass wir hier im Blog von karriere.at einen Blick auf die Landschaft der Karriere-Pages von Arbeitgebern aus Österreich geworfen haben. Also Arbeitgeberpräsenzen auf Facebook, die über die Lehre und Karrieremöglichkeiten informieren und tiefe (hoffentlich) authentische Einblicke ins Unternehmen vermitteln. Es wird also mal wieder Zeit, einen Blick auf diese Bemühungen zu werfen. Ausgewertet wurden die Seiten dabei übrigens mit freundlicher Unterstützung von Allfacebook | Stats.

Ein Gastartikel von Henner Knabenreich/personalmarketing2null

Der Dialog ist das Ziel

Henner Knabenreich, personalmarketing2null

Henner Knabenreich, personalmarketing2null.de

Natürlich geht es bei diesen Bemühungen nicht darum, die Inhalte seiner Karriere- oder Lehrlingswebsite 1:1 auf Facebook widerzuspiegeln. Nein, vielmehr geht es darum, hier in den Dialog (also Interaktion zwischen Interessenten, Mitarbeitern und Unternehmensvertretern) zu treten und sich auch von der Tonalität und dem Auftritt dem Medium Facebook anzupassen und nicht umgekehrt. Sonst funktioniert das Ganze nämlich eher nicht, wie zahllose Beispiele beweisen. Auch gilt es nicht, auf das bloße Wachstum der Fans zu schielen und dieses mit dubiosen Gewinnspielen oder erkauften Fans zu erschleichen. Solche Zahlen sehen nach außen zwar toll aus und lassen sich nach innen z. B. dem Vorstand gegenüber gut verkaufen, sagen aber gar nichts, rein gar nichts über die tatsächliche Qualität oder den Erfolg solcher Seiten aus.

45,25 Prozent der Online-Bevölkerung sind auf Facebook

Werfen wir also zunächst einmal einen Blick auf die Entwicklung von Facebook in Österreich im Allgemeinen: Derzeit sind 2.779.940 Menschen aus Österreich aus Facebook vertreten, das entspricht 45,25 % der Online-Bevölkerung. 53 % davon sind in der Altersklasse von 18 bis 34, 16 % in der Altersklasse von 13 bis 17 Jahren vertreten. Ein wahres Paradies also für Unternehmen, um Nachwuchs auf sich aufmerksam zu machen und im Nachgang zu rekrutieren, oder?

Erwähnenswerte Neuzugänge

Schauen wir mal. Im Vergleich zu Januar haben sich ein paar Neuzugänge ergeben, mittlerweile zähle ich 19 mehr oder weniger erwähnenswerte Karriereseiten österreichischer Unternehmen auf Facebook. Immerhin sechs mehr, wobei Lehre bei Porsche bereits seit Februar 2011 auf Facebook vertreten ist und mir wohl durch die Lappen gegangen ist. (Kleine Anekdote am Rande: die deutsche Karriere-Seite ist übrigens erst vor Kurzem an den Start gegangen, und damit als letzter deutscher Autobauer. Wie glaubhaft ist es aber, auf Facebook vertreten zu sein, Social Media aber per se für alle Mitarbeiter zu verbieten und an einer Bewerbung per Post (!) festzuhalten?)

Der Handel ist online am stärksten vertreten

Die am stärksten auf Facebook vertretene Branche auf Facebook ist übrigens der Handel. Gleich fünf Seiten informieren über Lehre- und Karrieremöglichkeiten im österreichischen Einzel- und Großhandel: Leiner, kika (die beide mehr oder weniger das gleiche Konzept verfolgen, was nicht verwundert, da ja letztendlich ein Konzern dahinter steckt), BIPA, BILLA und Haberkorn als „jüngster“ Zuwachs. Da bekommt das Video „I handel“ der Initiative Handel Vorarlberg doch gleich eine andere Bedeutung.

Seiten speziell für Lehrlinge

Interessant auch: Acht der Karriereseiten wenden sich explizit an Lehrlinge. Wenn wir uns aber einmal die Bemühungen der Unternehmen im Detail anschauen, so lässt sich sehr schnell feststellen, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist: Mal gerade 22.786 Fans verteilen sich auf diese 19 Seiten, davon trägt den größten Batzen Porsche, gefolgt von BILLAbuchkarriere und Allianz Karriere. Und wenn wir nun diese knapp 23.000 Fans ins Verhältnis zu den potenziellen Bewerbern setzen, macht sich doch sehr schnell Ernüchterung breit: Von den knapp 2 Millionen zu erreichenden Österreichern sind mal gerade 1,18 % Fan einer solchen Karriereseite (keine Angst, in Deutschland sind es auch nur etwas mehr als 4 %, in der Schweiz nicht einmal 1 %, insofern befindet sich man sich da in bester Gesellschaft)!

Viele Unternehmen sind zu anonym im Web

Nun gut, die Fans sind ja nicht der entscheidende Faktor. Letztendlich geht es ja im Social Web nur um eins, um die Interaktion. Also um das sich Austauschen unter Menschen (!).  Und sich zu „outen“, also sich mit Gesicht zu erkennen geben und sich vorstellen, fördert die Kommunikation ungemein. Umso verwundert es mich immer wieder, dass sich die Unternehmen da so schwer tun und nicht Farbe bekennen, wer sich dann da nun um die lieben Fans bemüht. Und da zeigt sich mir immer wieder, dass das Medium Facebook da nicht verstanden wird und nicht in letzter Konsequenz genutzt wird. Auch in Österreich. Gerade einmal Allianz und Haberkorn stellen sich und das Team vor, PwC immerhin auf dem Coverfoto, bei Voestalpine und VEM präsentieren sich sogar die Seiteninhaber. Aber auf der Mehrzahl, vierzehn Seiten (!) ist Schweigen und man vertraut sich (wenn man es denn tut) einem anonymen Unternehmen an.

BILLAbuchkarriere lockt Fans aus der Reserve

Abgesehen davon geht es auf solchen Facebookseiten auch nicht um einen Monolog und das Absetzen möglichst vieler Meldungen (die dann im Zweifelsfall dazu führen, dass sie als Spam empfunden werden und zu einem „Gefällt mir nicht mehr“ führen), sondern um das Schaffen relevanter Inhalte, die das Interesse wecken und zum Dialog anregen. Und Dialog, so traurig das auch sein mag, geht nun mal über einen Like hinaus. Mal schauen, wer hier den Bogen raus hat und wirklich seine Fans begeistern kann: Da finden wir dann einen „alten Bekannten“ wieder. BILLAbuchkarriere versteht es mal wieder, die Fans aus der Reserve zu locken. Auch wenn Porsche mehr als doppelt so viele Fans hat – doppelt so viel wird nicht interagiert. Dafür wird mit einem Drittel der Fans wiederum auf der Seite der Allianz fast so viel interagiert, wie bei Porsche. Good Job, Mr. Bilina und Team!

Testsieger Newcomer Haberkorn

Und für alle, die noch einen Beweis dafür suchen, dass es nicht auf die Masse der Fans ankommt, sondern auf die richtigen, der sollte sich mal den Newcomer Haberkorn anschauen: Da geht es mit 152 Fans richtig ab auf der Pinnwand. Schön, dass das also auch funktioniert. Die Seite ist auf jeden Fall einen Blick wert und sollte für viele andere als Inspiration dienen. Sollte ich also einen Gewinner küren, so wäre das in diesem Falle das Handelsunternehmen aus Österreich. Hoffen wir, dass sich die Seite so weiterentwickelt und man nicht doch irgendwann wieder auf den Trichter verfällt, hunderte Fans mit einer iPad-Verlosung gewinnen zu wollen.

Fotonachweis: colourbox, personalmarketing2null

Redaktion

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