Schleimen verboten! Karriere mit Charakter ist möglich

von in Arbeitsleben am Montag, 27. Februar 2012 um 12:08

Erinnern Sie sich noch an den Unterwerfel? Einer der Karrierekiller-Charaktere unserer Werbekampagne? Ein Kollegentyp, wie er in fast jedem Unternehmen zu finden ist. Immer in der Nähe des Chefs und der erste beim Ja-Sagen. Stets ein treuer Diener ohne großes eigenes Ego. Trotzdem oder deshalb: Die Karriereleiter hat er irgendwie erklommen. Genauso wie sein Freund, der sich seinen Weg nach oben mit Ellenbogen freigeräumt hat. Dass es auch anders geht, zeigt nun Karriereexperte Christoph Burger auf – mit seinem neuen Buch: „Karriere ohne Schleimspur. Wie Sie Charakter zeigen und trotzdem Erfolg haben“.

Sie sind meist in der Nähe der Führungskräfte-Büros zu finden. Sie haben sich über Jahre hinweg antrainiert, die nächsten Arbeitsschritte des Chefs vorherzusehen und bereits in diese Richtung mit der Arbeit zu beginnen. Sie sagen schnell und laut „Ja“ und sorgen selten für Diskussionen zu laufenden Projekten. Schleimer hat es immer gegeben. Und es wird sie immer geben. Und nicht selten sitzen sie relativ weit oben auf der Karriereleiter. Weil man sich eben auch strategisch unterwerfen kann, um sich bei Vorgesetzten für nächsthöhere Positionen zu empfehlen. Voraussetzung: Die Führungsriege eines Unternehmens stuft die Eigenschaft der Charakterfestigkeit als weniger wichtig ein wie blindes Befehlsempfängertum. Der Psychologe, Karrierexperte, Trainer und Führungskräftecoach Christoph Burger ist überzeugt: Die Hochblüte der Schleimer ist vorbei. Der Faktor Charakter sollte wieder stärker zur bestimmenden Größe bei der Karriereplanung werden.

Karriere braucht Persönlichkeit

Doch warum? „Der Arbeitsmarkt dreht sich allmählich zurück zur Situation, wie zuletzt Ausgang der 1970er-Jahre gegeben war: Qualifizierte Kräfte können sich ihren Arbeitgeber aussuchen – statt umgekehrt. Zweitens: Die Globalisierung zieht immer weitere Kreise. Alles, was leicht kopiert werden kann, wandert in Billiglohnländer ab. Das betrifft auch viele Arbeitsplätze. Wer dagegen originell ist und einen unverwechselbaren Charakter besitzt, der bleibt gefragt. Drittens hat uns die Gehirnforschung gezeigt: Die Persönlichkeit eines Erwachsenen ist viel weniger wandlungsfähig, wie wir immer dachten. Wir müssen daher die eigenen Ziele anpassen und die Karriere auf den Persönlichkeitstyp hin abstimmen. Es ist nicht für jeden alles erreichbar und sinnvoll“, erklärt Christoph Burger.

Viele Menschen würden beispielsweise bestimmte Branchen oder Berufe wie den Vertrieb anstreben, weil sie dort gute Gehaltsaussichten haben. Weil vielen das Verkaufen aber nicht liege, fehlt ihnen auf Dauer die Zufriedenheit. Dasselbe gilt für Manager: Das vermeintliche Prestige einer Führungsposition macht nur bedingt glücklich, wenn man sich eigentlich in einer Fachkarriere besser aufgehoben fühlen würde.

Charakter – Leitmotive – Ziele

Um seine Karriereplanung mit dem eigenen Charakter abzustimmen, empfiehlt der Autor, drei Schritte für sich selbst zu definieren: Erstens die eigenen grundlegenden Charakterzüge, die als „Leitplanken“ in der Berufslaufbahn dienen. Zweitens sollte man sich seiner Leitsätze oder Leitideen bewusst werden. Wer sich darüber klar sei, könne ans Formulieren von Zielen gehen, meint Burger: „Am besten geht man davon aus, wie man seinen 80sten Geburtstag erleben möchte. Sollen dann viele kommen? Auch Enkel? Will man wirklich nur für berufliche Erfolge gelobt werden oder wünscht man sich auch, auf eine große und glückliche Familie zu blicken? Oder möchte man erkennen können, wie das eigene Engagement im Ehrenamt das Zusammenleben der Menschen verbessert hat? Wenn man sich darüber klar ist, können die mittel- und kurzfristigen Ziele festgelegt werden. Die sollten dann konkret, positiv formuliert, erreichbar und terminiert sein.“

Zentrales Element für starke Charaktere sei die Kommunikation, so Burger: „Die Faustregel ist: Je ausgeprägter die Persönlichkeit, desto geschickter muss man kommunizieren. Wer Charakter zeigt und sich ausdrücken kann, hat riesige Vorteile gegenüber jenen Mitarbeitern, die nur dem Chef nach dem Mund reden.“

Bildnachweis: colourbox.com, Linde international

 

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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