Karriere oder Familie – Wiedereinstieg schwer gemacht!

von in Arbeitsmarkt, Bewerbung am Mittwoch, 9. November 2011 um 13:09

Wir schreiben das Jahr 2011. Da sollte bei der Frage „Karriere oder Familie?“ doch alles geklärt sein. Die Gesellschaft hat sich verändert und veraltete Ansichten sind passé. Etwa die Frauen-an-den-Herd-Mentalität. Heute machen Frauen Karriere! Auch bei der Kindererziehung herrscht Gleichberechtigung. Zumindest am Papier. In der Realität lastet die Kindererziehung in vielen Fällen immer noch auf den Schultern der Mutter. Zunächst hofft man: Ist das Kind erst im Kindergarten, kann man ja wieder in den alten Job zurück. Leicht gesagt! In drei Jahren verändert sich vieles am Arbeitsmarkt und auch der alte Job ist nicht so sicher, wie man glaubt! Oft steht man vor der Wahl: Karriere oder Familie.

Kinderbetreuung ist harte Arbeit – danach wieder in den alten Job einzusteigen meist noch schwerer. Das zeigt auch die aktuelle Arbeitsmarktanalyse der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK). Denn immer noch gilt: Mama bleibt beim Kind und Papa bringt das Geld nach Hause! Das spiegelt sich auch deutlich in der Betreuungsquote wider. Von den 142.034 Beziehern von Kinderbetreuungsgeld waren nur 4,6 Prozent Männer. Natürlich weil der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen in dieser Hinsicht eine große Rolle spielt.

Lange Pause, schwerer Einstieg!

Ein Hauptgrund für den schweren Wiedereinstieg ins Unternehmen ist die Dauer der Unterbrechungsphase. So ist noch immer die lange Karenz-Variante (30+6) bei 67 Prozent der Österreicher populär. Ein Grund dafür ist sicher auch das mangelnde Angebot an Kinderbetreuungsplätzen. Das zeigt vor allem der Stadt-Land-Vergleich. Während in Wien die Betreuungsquote bei Kindern unter zwei Jahren bei 28 Prozent liegt, misst diese in Oberösterreich gerade mal 10 Prozent. „Damit ist die Hürde beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben für oberösterreichische Mütter größer als für jene in anderen Bundesländern“, sagt AK-Präsident Johann Kalliauer.

Erfreulich sei allerdings die Resonanz auf das jüngste Karenzmodell: Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld. Auf die Dauer von 12+2 Monaten werden bis zu 80 Prozent des früheren Gehalts ausgezahlt. Sicherlich auch ein Ansporn für junge Väter, die Kinderbetreuung nicht nur den Müttern zu überlassen. Schon jetzt entfällt auf diese Variante ein höherer Anteil als auf die Varianten 12+2 und 15+3.

Ungenütztes Potenzial

Rund 216.000 nicht erwerbstätige Frauen warten auf ihre Rückkehr auf den Arbeitsmarkt. Davon auch ein großer Anteil an Müttern. Ein Drittel davon könnte innerhalb von zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen. Knapp 30 Prozent der Mütter, deren jüngstes Kind das zweite Lebensjahr noch nicht erreicht hat, arbeiten überwiegend in Teilzeit. „Frauen sind mit widersprüchlichen Signalen konfrontiert. Einerseits ist eine höhere Geburtenrate erwünscht, andererseits gibt es wenig Unterstützung, wenn es darum geht, sie bei der Kinderbetreuung zu entlasten“, analysiert Kalliauer.

Ein erster Schritt: Hürden nehmen!

Um es jungen Eltern zu ermöglichen rasch in ihre Jobs zurückzukehren, müssen erst noch einige Hürden genommen werden. So müssen beispielsweise die Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren stark ausgebaut und verbessert werden. „Diese Angelegenheit nur der Öffentlichkeit zu überlassen wäre von den Unternehmen blauäugig“, meint Kalliauer. So wie es in anderen Ländern schon längst State-of-the-Art ist, sollten auch bei uns Betriebskindergärten und -krabbelstuben eingeführt werden, die es den Eltern ermöglichen Beruf und Familie zu vereinen.

Auch der Gestaltungsfreiraum von jungen Eltern sollte flexibel bei der Lage und Dauer der Arbeit sein. Die AK fordert weiters, gesetzliche Schikanen zu beseitigen. Dazu gehört, den Kündigungsschutz in der Karenz auf die Dauer des möglichen Bezugs anzuheben. Dasselbe gilt für die Elternteilzeit, die sechs Jahre in Anspruch genommen werden kann und dennoch nur vier Jahre Kündigungsschutz bietet.

Mitarbeiterbindung stärken

Ein Kind bedeutet für junge Eltern meist eine große Veränderung. Zwischen Zweifeln und Ängsten mischt sich auch immer die Frage: Muss ich jetzt auf meine Karriere verzichten? In vielen anderen Ländern wurde diese Hürde bereits erheblich gesenkt. So ist es in Norwegen und Schweden beispielsweise möglich, dass Kinder nach drei Monaten in Krabbelstuben gegeben werden und die Eltern wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren. Hier muss Österreich noch stark zulegen! Kinderbetreuung ist nicht nur Sache des Staats. Auch Unternehmen können durch eine interne Kinderbetreuungseinrichtung die Mitarbeiterbindung enorm stärken! Positiver Nebeneffekt: Eine positive Auswirkung auf die Arbeitgebermarke. Und die Vereinbarkeit von Karriere und Familie.

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren