Kind + Karriere = Kompromiss?

von in Arbeitsleben, HR am Donnerstag, 23. Juli 2015 um 10:27

Karriere als Mutter? Mit welchen Schwierigkeiten berufstätige Mütter im Job zu kämpfen haben, hat die 1. Frankfurter Karrierestudie untersucht. Die befragten Frauen kennen aber nicht nur die Stolpersteine, sondern verraten auch, mit welchen Maßnahmen man die Situation berufstätiger Mütter verbessern kann.

Familienplanung als Hindernis

Mutterschaft und Karriere sind noch nicht selbstverständlich. Die 1. Frankfurter Karrierestudie „Karriereperspektiven berufstätiger Mütter“ belegt Diskriminierungen in der Arbeitswelt. Für die Online-Befragung durch die Frankfurt University of Applied Sciences wurden 1.801 Teilnehmerinnen in Fach- und Führungspositionen befragt. Untersucht wurde die Lebenssituation und die Interessen berufstätiger Mütter.

Nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen

Mehr als drei Viertel der befragten, berufstätigen Mütter gelingt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zwar, sie ist aber auch das größte Karrierehindernis. Erklären lässt sich das laut Studie mit der Doppelbelastung, die Frauen vor zeitliche und gesellschaftliche Herausforderungen stellt. Besonders Frauen mit Führungsverantwortung bekommen das zu spüren: Sie fühlen sich stärker durch etablierte Männernetzwerke behindert. Frauen ohne Führungsverantwortung hadern vor allem damit, überhaupt die Chance zum Aufstieg zu bekommen. 42 Prozent der Studienteilnehmerinnen gaben an, dass ihnen Beruf und Familie gleich wichtig sind. Es geht also nicht um die Frage „Karriere oder Kinder“, sondern um die Verknüpfung von „Karriere und Kindern“.

Erkenntnisse der Studie

  • Jede dritte schwangere Mitarbeiterin wird von Vorgesetzten nicht ermutigt, frühzeitig ins Unternehmen zurückzukehren.
  • Ein Drittel der Frauen schätzen die Haltung ihrer Vorgesetzten gegenüber der Schwangerschaft als negativ ein.
  • Jede vierte Mutter kann nach der Karenz ihre alte Position nicht wieder übernehmen. Die Gründe: Der Arbeitsplatz wurde mit einem anderen Arbeitnehmer dauerhaft besetzt (25 Prozent) oder überhaupt gestrichen (5 Prozent).
  • 66 Prozent der Frauen mussten sich bei der Rückkehr in den Job mit einem niedrigeren Tätigkeitsniveau, schlechterer Bezahlung oder geringen Aufstiegschancen abfinden.
  • 37 Prozent mussten die Streichung einer anstehenden Gehaltserhöhung hinnehmen.

„Gesellschaftspolitisch ist dies ein fatales Signal. Beruflich engagierten Frauen wird vor Augen geführt, welche negativen Folgen eine Schwangerschaft für die eigene Karriere haben kann“, sagt Yvonne Ziegler, die die Studie zusammen mit Regine Graml und Caprice Weissenrieder von der Frankfurt UAS durchführte.

Kind oder Karriere

Karriere als Mutter: Die Wünsche der Frauen

Was die Vertretungsregelung und die Rückkehr ins Berufsleben betrifft, sehen Frauen viele Verbesserungsmöglichkeiten: Die gemeinsame Suche einer Vetretung für die Zeit der Abwesenheit würden Mütter begrüßen. Einladungen zu Firmenevents und die Möglichkeit, mit Kollegen in Kontakt zu bleiben, stehen ebenfalls auf der Wunschliste. Weiterbildungsmöglichkeiten können dafür sorgen, dass man auch fachlich am Ball bleibt.

Teilzeit? Ja, aber qualifziert

Um Familie und Beruf möglichst gut unter einen Hut zu bekommen, wünscht sich die Hälfte der befragten Frauen flexiblere Arbeitszeiten. Eine geringere Stundenbelastung würde ein Drittel begrüßen. Arbeitszeitkonten oder Jobsharing-Modelle würden ebenfalls bei der Vereinbarkeit von Kind und Karriere helfen. Arbeitgeber erfüllen diese Wünsche zumindest teilweise, bei 16 Prozent der Befragten gibt es aber keines der genannten Modelle. Frauen, die nach der Karenzzeit in eine Teilzeitposition zurückkehren, möchten dies nicht als „Lückenfüller“ tun: 82 Prozent legen laut Studie besonderen Wert auf „qualifizierte Teilzeittätigkeit“. „Allerdings ist es mir wichtig davor zu warnen, Teilzeit als DIE Lösung für das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sehen. Frauen dürfen sich eben gerade nicht in die Teilzeit-Ecke drängen lassen. Vielmehr müssen sich hier dringend die gesellschafts- und unternehmenspolitischen Rahmenbedingungen ändern“, so Regine Graml.

Zur Studie

Die Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Yvonne Ziegler, Prof. Dr. Regine Graml und Caprice Weissenrieder vom Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht der FRA-UAS führten im Sommer 2010 eine Onlinebefragung durch, deren Ergebnisse sie unter Mitarbeit von Astrid Kramer und Ursula Zeppenfeld aktuell unter dem Titel „Karriereperspektiven berufstätiger Mütter – 1. Frankfurter Karrierestudie“ im Cuvillier Verlag veröffentlicht haben.

Bildnachweis: Sergey Nivens / Shutterstock; Africa Studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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