Neuanfang: Impulse für die Karriere nach der Karriere

von in Arbeitsleben am Dienstag, 24. November 2015 um 11:33

War das schon alles? Mit Mitte 40 oder Anfang 50 wird aus dieser Frage vielleicht ein Gedanke, der einen nicht mehr loslässt. Der Wunsch, sich beruflich zu verändern, macht auch vor dem Alter nicht halt. Und auch wenn man sich in einigen Jahren den Ruhestand verabschiedet: Bin ich schon bereit, mich aus dem Berufsleben komplett zu verabschieden – und kann ich es mir finanziell leisten? Im Gespräch mit Christian Heppe, Karriereberater bei von Rundstedt, über die Laufbahn nach der Karriere.

Christian Heppe Karriereberatung von Rundstedt

Christian Heppe

Karriere, Ehrenamt oder Ruhestand?

Wie gestalte ich die Zeit nach meiner beruflichen Tätigkeit? Und falls der Ruhestand noch nicht greifbar ist: Womit möchte ich die letzten Jahre der Berufstätigkeit verbringen? Im Büro, bei den Enkelkindern oder doch lieber auf Weltreise? Egal, ob man mit seinem bisherigen Karriereverlauf zufrieden war oder ob man noch einmal nachbessern möchte: Die Frage nach einer zweiten Karriere und neuen Möglichkeiten taucht auch in der zweiten Lebenshälfte auf. Christian Heppe berät bei von Rundstedt Menschen, die ihre Karriere im Alter noch einmal überdenken oder die Zeit nach der Berufstätigkeit aktiv gestalten möchten. Wir haben uns mit ihm über Karriereplanung für Best Agers unterhalten und um Impulse für die „zweite Karriere“ gebeten.

In der zweiten Lebenshälfte noch einmal eine berufliche Veränderung anpacken – ein Trend?

Heppe: Das Thema „Mid career crisis“ schlägt bei den meisten mit Mitte 40 auf. Sie sind im Karrierehamsterrad gelaufen, hatten zu Beginn ihrer Laufbahn eine bestimmte Zielsetzung, die sie erreichen wollten. Mit Mitte 40 / Anfang 50 stellt sich die Frage: Was will ich in meinem beruflichen Leben noch erreichen? Was ist mir wichtig? Die Frage nach der „zweiten Karriere“ stellt sich für viele nicht aus finanziellem Druck heraus, sondern aus der Frage der Sinnhaftigkeit. Oftmals geht es auch um die Zeit nach der Karriere: Was erfüllt mein Leben im Ruhestand? Dann bewerben sich Menschen manchmal auch ganz aktiv aus Konzernstrukturen heraus, suchen sich ein selbstbestimmteres Umfeld oder nutzen eine Karriereberatung.

Wie findet man heraus, wofür man die letzte berufliche Etappe nutzen möchte?

Heppe: Aus unserer Erfahrung ist dazu oft externer Austausch und Unterstützung notwendig: Das hält eine Struktur bereit, die es ermöglicht, sich die richtigen Fragen zu stellen. Um die Frage nach dem „Danach“ zu beantworten, kann z. B. ein Lebenspanorama erstellt werden: Wo war ich beruflich und privat besonders zufrieden? Welche Faktoren spielten hier eine Rolle? Wann gab es Krisen? Was hat mich stolz gemacht? Die Phasen, die besonders wichtig waren, können dann noch einmal genauer analysieren werden, um zu sehen, wo so ein Umfeld wieder auffindbar wäre. Wer seine Werte und Stärken kennt, kann diese dann in einer neuen Tätigkeit oder Rolle erfolgreich einbringen.

Thema Gehalt: Werden hier Abstriche gemacht?

Heppe: Mitte 40 / Anfang 50 sind viele besser reflektiert und erkennen, dass neben Finanzen auch andere Faktoren wie Kreativität, Gesundheit und Work-Life-Balance im Leben eine große Rolle spielen. Von daher nimmt das Gewicht des Gehalts ab, viele sagen sich: Ich verzichte auf zehn oder zwanzig Prozent meines Gehalts, wenn ich dafür mehr zu Hause sein kann oder mir andere Wünsche erfülle. Die Bereitschaft, finanzielle Abstriche zu machen, ist grundsätzlich da – natürlich gestaltet sich das aber bei jedem individuell.

Welchen Zeithorizont muss man ins Auge fassen, wenn man eine Veränderung anstrebt?

Heppe: Wenn es nur um den Wechsel vom Beruf in den Ruhestand geht, dann sollte man sich spätestens ein bis zwei Jahre davor mit möglichen, neuen Lebensmodellen auseinandersetzen. Wenn es darum geht, wie man die letzten fünf oder zehn Jahre im Berufsleben gestalten möchte, empfehlen wir, mit Mitte 40 oder Anfang 50 intensiver daran zu arbeiten. Es kommt auch auf die jeweilige Persönlichkeitsstruktur an, sie passt sich unseren unterschiedlichen Lebensphasen an. Manche sind sicherheitsorientiert und tun sich mit Veränderungen schwer – solche Menschen sollten sich mit dem Thema möglichst früh auseinandersetzen. Wer Veränderungen spannend findet, dem fällt der Gedanke an etwas Neues wahrscheinlich etwas leichter.

Karriere 50 plus

Stichwort Ruhestand: Welche Möglichkeiten gibt es dafür?

Heppe: Letztendlich gibt es vielfältige Modelle: Ich kann eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben oder beruflich weiterhin aktiv bleiben – viele Unternehmen öffnen sich dafür bereits und bieten an, in beratender Tätigkeit aktiv zu bleiben. Noch ein Stichwort: Familie 2.0 – wie bunt wird das Familienbild? Es gibt z.B. Mehrgenerationenhäuser, in denen die ältere Generation die jüngere unterstützt. Unsere Einschätzung ist, dass das Familienbild in Zukunft wieder näher zusammenrückt. Auf der anderen Seite spielt auch die Entwicklung der Renten eine Rolle: Wie bin ich finanziell abgesichert? Manche müssen schauen, wie sie ihren Lebensstandard sichern und wie man auch im Ruhestand noch Geld dazuverdienen kann.

Ist bei den Arbeitgebern bereits Bewusstsein für das Thema und die Wünsche älterer Arbeitnehmer da?

Heppe: Ja, es gibt hier schon eine deutliche Tendenz: Die Beschäftigungsquote der Erwerbstätigen 50 plus ist in den vergangenen Jahren bereits gestiegen. Aus Gesprächen mit Arbeitgebern weiß ich, dass es konkrete Modelle und Maßnahmen zum Thema gibt – auch, um mit dem Fachkräftemangel umzugehen. Blickt man 20 Jahre zurück, sieht man, dass sich hier einiges verändert hat und ich denke, das wird sich auch so weiterentwickeln. Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Bank setzt auf Ausbildung für Mitarbeiter über 50, die noch einmal einen neuen Karriereweg einschlagen möchten – einer unserer Klienten hat genau dieses Angebot angenommen. Die sogenannten „Best Ager“ bringen eine Menge Erfahrung mit, unterschiedliche Erlebnisse haben ihr Leben geprägt und das ermöglicht es ihnen, sich gut auf unterschiedliche Situationen einzustellen. Oftmals sind sie auch selbstreflektierter. Einen älteren Mitarbeiter kann man in der Regel gut selbstständig arbeiten lassen und sie sind häufig auch eine gute Ergänzung in einem altersgemischten Team.

Zur Person

Christian Heppe leitet bei von Rundstedt die Kundenbetreuung Niedersachsen. Er unterstützt u.a. Personen beim Übergang in die dritte Lebensphase, wenn das berufliche Leben endet. Mit dem Thema Karrierewege verschiedener Altersgruppen hat er sich bereits in seiner Diplomarbeit auseinandergesetzt.

Bildnachweis: Peerayot/Shutterstock; Ruslan Guzov / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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