Lügen für die Karriere: Jeder Vierte schwindelt sich nach oben

von in Arbeitsleben am Freitag, 15. Oktober 2010 um 12:05

Wer nach oben will, braucht Ellenbogen. Wer seine Skrupellosigkeit nicht vom ersten Arbeitstag an einsetzt, wird ewig der Sachbearbeiter im Großraumbüro bleiben. Und wer immer ehrlich ist, merkt irgendwann, dass man sich von einem guten Gewissen allein kein Schnitzel kaufen kann. So denken zumindest vier von zehn Arbeitnehmern laut einer deutschen Studie. Wie erkennt man aber, ob ein ansonsten so netter Kollege die Wahrheit sagt, oder ob man mit einem Pinocchio das Büro teilt?

Um bei der Karriereplanung den Konkurrenten etwas voraus zu haben, kämpfen viele Arbeitnehmer mit harten Bandagen: Vier von zehn Befragten gaben bei einer Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg im Auftrag von apotheken-umschau.de an, dass man für die Karriere „schon mal zu einer Lüge greifen“ müsse.
Was die Studie, für die mehr als 2000 Deutsche befragt wurden, auch zeigt: Männer sind mit 44,7 Prozent skrupelloser als Frauen (39,9 Prozent), wenn es darum geht Lügen für das eigene Vorankommen einzusetzen. Dass aber Lügen im Job nicht nur ein Phänomen der nach oben strebenden Jugend ist, davon können auch ältere Semester ein Lied singen. Denn die Karriere-Lüge scheint vor allem bei den Über-50-Jährigen besonders verbreitet zu sein. In dieser Altersgruppe glaubt sogar jeder zweite, dass ohne Lügen im Job einfach nichts weitergehe.

Ist Ehrlichkeit im Job ein Auslaufmodell? Möglicherweise. Denn auch das österreichische Market-Institut kam unlängst zum Ergebnis, dass ein Großteil der Menschen glaubt, dass Werte wie Ehrlichkeit, Höflichkeit und Kritikfähigkeit in Zukunft an Wichtigkeit verlieren werden.

Wie erkennt man, ob der Kollege lügt?

  • Nervosität: Wenn Ihr Gegenüber im Gespräch herumzappelt und die Füße ständig bewegt, kann das ein Indiz sein, dass er nicht die Wahrheit sagt. Hier schlägt der Fluchtinstinkt durch.
  • Augenkontakt: Bei kleineren Schwindeleien vermeidet der Lügner in der Regel direkten Augenkontakt. Sucht Ihr Gegenüber aber Ihren Blick und weist Sie auch noch auf den Wahrheitsgehalt seiner Aussage hin, sollten Sie misstrauisch werden.
  • Details: Wer lügt, versucht vom Kern abzulenken. Daher verzetteln sich Lügner bei ihren Ausführungen oft in langatmige Detailerklärungen, die sie sich zuvor zurechtgelegt haben. Tipp: Wenn Sie darauf mit Schweigen reagieren, und so tun, als würden Sie weitere Erklärungen benötigen, wird Ihr schwindelndes Gegenüber in der Regel nervös – ein weiteres Indiz.
  • Themenwechsel: Lügner werden jede Gelegenheit eines Themenwechsels mit Handkuss annehmen. Wer die Wahrheit sagt, wird nach spontan von Ihnen geschlagenen thematischen Haken wieder versuchen, seine Message zu Ende zu formulieren.
  • Kratzen: Wer lügt, berührt sich öfter im Gesicht und kratzt sich an der Nase, am Ohr oder am Kopf. Berühmtes Beispiel: Ex-US-Präsident Bill Clinton fasste sich bei seiner Befragung zur Levinsky-Affäre („I did not have sexual relations with this woman…“) ganze 26 Mal an die Nase.
  • Unnatürliche Gesten: Dass man die Lüge nicht durch großes Theater untermauern sollte, wissen die meisten Lügner. Achten Sie weniger auf die großen, sonder vielmehr auf die unnatürlichen, einstudiert wirkenden Gesten Ihres Gegenübers.
  • Zeitverzögerung: Falls das Gesagte mit Mimik und Gestik zeitlich nicht zusammenpasst, könnte das auf niedrigen Wahrheitsgehalt hinweisen, da Ihr Gegenüber möglicherweise gerade hochkonzentriert eine „Wahrheits-Rolle“ spielt.

Doch Achtung! Es gibt auch hier Risiken und Nebenwirkungen! Um nicht die absolute Lügen-Paranoia ausbrechen zu lassen oder jahrelange Freundschaften durch Lügen-Unterstellungen zu gefährden: All diese Verhaltensweisen können auch andere Ursachen, wie beispielsweise Stress, Unsicherheit oder mangelnde Vorbereitung haben! Also nie den Kontext der Situation außer Acht lassen!

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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