Was bringt das Karrierejahr 2011?

von in HR, Jobsuche, Social am Montag, 3. Januar 2011 um 14:15

Ein neues Jahr, ein neues Glück. Die Zeit der Rückblicke ist vorbei, das Karriere-Radar wird wieder in Richtung Zukunft gerichtet. Während 2010 wohl als jenes Jahr in Erinnerung bleiben wird, in dem man auf allen Ebenen mit den Folgen der „Krise“ zu kämpfen hatte, es auch bei den Arbeitsmarktdaten wieder spürbar aufwärts ging und Social Media in der Karrierewelt endgültig zu dem Einser-Thema schlechthin wurde, fragt man sich: Wie wird es 2011 im Web, mit Social Media und in den Büros der Unternehmen  weitergehen? Wir wagen eine kleine Prognose. Zehn Karriere-Trends für 2011.

1. Noch mehr Engagement in Social Media.
Glaubt man der einer Studie von Eurocom Worldwide und Schwartz PR, so wollen sich knapp die Hälfte (45 Prozent) der befragten Unternehmen mit größeren Budgets ihren Social Media Aktivitäten widmen. Fakt ist: Wer bei Social Media lediglich an eine Facebook-Seite bzw. einen Twitter-Account denkt, ohne seine Aktivitäten auch professionell an die Unternehmensbedürfnisse angepasst zu haben, wird sich schwer tun, im Social Web zu reüssieren. Gerade in Hinblick auf das Thema Employer Branding werden Tools wie ein eigener Corporate Blog in diesem Jahr definitiv an Bedeutung gewinnen.

2. Steigender Bedarf an Analyse-/Monitoring-Tools.
Derzeit stellen sich die Social-Web-Aktivitäten für viele Unternehmen noch als sprichwörtliches Fass ohne Boden dar. Oben wird „hineingeschüttet“, wo dieser Inhalt jedoch landet und vor allem wie dieses Produkt beim Konsumenten oder Bewerber dann ankommt, bleibt für die meisten Unternehmen heute noch ein Rätsel. Social-Web-affine Firmen werden sich im Laufe dieses Jahres verstärkt daran machen müssen, für sich Methoden zu finden oder zu entwickeln, wie sie Social-Media-Aktivitäten auch mit Kennzahlen messbar machen – Stichwort ROI. Denn die Zeit des naiven Ausprobierens sollte vorbei sein.

3. Größerer Einfluss von Firmenbewertungs-Plattformen.
Während viele Unternehmen noch gar nicht wissen, wo und wie ihre Kunden, Partner und – beim Recruiting ihre Bewerber – über sie sprechen, ist ihnen die Gegenseite hierbei oft einen Schritt voraus. Beispiel Bewerbersuche: Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie kununu oder companize.com stellen für Jobsuchende heute  bereits essentielle Möglichkeiten dar, sich über die Qualität einer Firma als Arbeitgeber zu informieren. Die Bemühungen, den Wert von Arbeitgebermarken zu erhöhen, werden sich also weiter verbreitern müssen.

4. Social Media als Teil der internen Wissensmanagements.
Noch in den Kinderschuhen steckt hierzulande das innerbetriebliche Wissensmanagement via Social Media. Firmeninterne Blogs oder Wikis eignen sich hervorragend, um Informationen über Intranet an die Mitarbeiter zu bringen. Im Vergleich zu Firmenzeitungen oder Newsletter-Services sogar noch mit dem Vorteil, die Arbeitnehmer in die Kommunikation miteinzubeziehen.

5. Neue Jobs entstehen.
Jedes Unternehmen, das sich professionell im Social Web engagiert, wird nicht darum herumkommen, seine dafür eingesetzten Ressourcen auch entsprechend zu planen und mit eigenen Budgets zu versehen. Man wird auch einsehen müssen, dass man diesen Teil der Öffentlichkeitsarbeit nicht nebenbei erledigt. Dass es bei Unternehmen nach wie vor riesenhafte Wissenslücken im Aufbau von adäquaten Social-Media-Strategien, -Guidelines und –Zielen gibt, belegt allein die Tatsache, wie stark das Angebot an „Social Media Beratern“ gewachsen ist. Nahezu keine Werbe-, PR- oder Unternehmensberatungs-Agentur wagt es heutzutage noch, sich einschlägige Expertise in diesem Bereich nicht auf die Fahnen zu heften. Unsere Prognose: Nicht nur bei großen Konzernen wird man verstärkt neue Jobs wie einen „Social Media Manager“ schaffen (müssen).

6. Twitter rückt stärker ins Recruiting-Blickfeld.
Der Microblogging-Anbieter Twitter wird wohl auch beim Thema Recruiting stärker an Einfluss gewinnen. Einerseits für Bewerber, da immer mehr Großunternehmen ihre freien Jobs in Echtzeit via Twitter an die interessierte Öffentlichkeit kommunizieren. Auch entdecken Recruiter mehr und mehr, dass hinter den Absendern fachspezifischer 140-Zeichen-Botschaften zu hohen Prozentsätzen hochkompetente Persönlichkeiten stecken. Trotzdem ist anzunehmen, dass Twitter auch 2011 noch eher als Recruiting-Nischenprodukt geführt werden wird.

7. Xing versus LinkedIn. Das Match wird härter.
Weltweit zählt LinkedIn derzeit rund 85 Millionen Mitglieder, in Europa sind es derzeit insgesamt rund 20 Millionen, allerdings stark fokussiert auf den britischen und niederländischen Markt. Im deutschsprachigen Raum ist wohl auch 2011 nicht damit zu rechnen, dass LinkedIn Platzhirsch Xing den Rang ablaufen könnte, wie auch Thorsten zur Jacobsmühlen von blogaboutjob.de resümiert. Dass das Match zwischen den beiden Business-Networks jedoch härter geführt wird, ist mehr als anzunehmen.

8. Mitarbeiterbindung ist alles.
Wer gute Leute hat, wird künftig noch stärker schauen müssen, diese an sein Unternehmen zu binden. Wie beispielsweise die Studie „Generation Y and the Workplace 2010“ besagt, haben Arbeitnehmer zwischen 18 und 25 Jahren sehr genaue Vorstellungen für ihren Wunsch-Arbeitsplatz. Dabei spielen neben Faktoren wie eine gute öffentliche Erreichbarkeit, Cafés und Bars in der Nähe mittlerweile auch ökologische Kriterien wie beispielsweise Wassersparmaßnahmen eine wesentliche Rolle für die Arbeitsplatzzufriedenheit. Kurz: Damit man sich heute im Job wohlfühlt, muss alles passen: Man will sich nicht für seinen Arbeitgeber schämen müssen. Und Sozialkompetenz sollten Unternehmensführungen ebenfalls an den Tag legen.

9. Vieles ist wichtiger als Geld.
In eine ähnliche Kerbe schlägt dieser Punkt: Nicht nur die Höhe des Gehalts ist für Arbeitnehmer entscheidend, ob für sie ein Job passt oder nicht. Vor gut einem Monat sorgte eine Studie der Allianz Versicherung für Aufsehen, die besagt, dass Faktoren wie ein gutes Betriebsklima, eine annehmbare Work-Life-Balance und Weiterbildung vielen Angestellten wichtiger ist als die Höhe des Eurobetrags auf dem Gehaltszettel.

10. Neue Herausforderungen bei der Arbeitsplatzgestaltung.
Klassische Großraumbüros, die von Arbeitgebern als schlichte Aneinanderreihung von Köpfen gedacht und geplant sind, werden künftig dem Arbeitgeberimage noch stärker schaden als bisher. Denn dass Arbeitsplatzgestaltung, die auch auf den Wohlfühl-Faktor Rücksicht nimmt, auch die Produktivität steigert, lässt sich nicht nur aus den 2010 auf der Büromöbelmesse Orgatec präsentierten Trends ablesen. Auch Experte Martin Pongratz zeigte sich im karriere.at-Interview überzeugt, dass künftig stärkeres Augenmerk auf Faktoren wie Akustikkonzepte gelegt werden muss.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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